In diesem Jahr feiert die Kürtener Feuerwehr ihren 100. Geburtstag. Ein Überblick über die Geschichte der Kürtener Brandbekämpfer.
JubiläumKürtener Feuerwehr sorgt seit 100 Jahren für Sicherheit

Ein schwerer Pkw-Unfall mit Morrädern in Laudenberg forderte 1988 den Einsatzkräften der Feuerwehr Kürten alles ab.
Copyright: Christoph Konkulewski
100 Jahre organisierter Brandschutz. Ein Jahrhundert voller Schweiß, Ruß und bedingungsloser Einsatzbereitschaft. Doch die Geschichte der Kürtener Brandbekämpfer beginnt nicht erst im Jahr 1926. Sie reicht tiefer in die bergische Zeit.
Blättert man in den Archiven, stößt man auf das Jahr 1833. Es ist das Jahr, in dem die „Königl. Hochlöbliche Regierung zu Köln“ der damaligen „Bürgermeisterei Cürten“, noch mit „C“ geschrieben, eine strikte Feuerlöschordnung diktierte. Damals gab es keine roten Autos, kein Blaulicht, keine Funkgeräte. Es gab Ledereimer, hölzerne Handspritzen und die eiserne Pflicht eines jeden Bürgers, im Ernstfall in die Kette zu treten.
Drei Abteilungen gab es in der frühen Zeit der Brandbekämpfer
Der Brandschutz war kein Ehrenamt, er war eine Überlebensnotwendigkeit im ländlichen Raum, verordnet von preußischer Hand. Es mussten für jeden Distrikt zwölf lederne Eimer und eine Handspritze beschafft werden. Außerdem wurden 30 junge kräftige Männer vom Bürgermeister ernannt, niemand durft diese Stelle ohne triftigen Grund ablehnen. Bei Brandnachrichten mussten Pfarrkirchen und Kapellen die Große Glocke läuten. Drei Abteilungen gab es zu dieser frühen Zeit: Die erste bediente die Spritze, die zweite rettet Menschen, Tiere und Hab und Gut, die dritte bewachte die Gegenstände und hielt die öffentliche Ordnung aufrecht. Es dauerte fast ein Jahrhundert, bis aus der losen Pflichtgemeinschaft eine echte Wehr wurde.
Um 1926 nahmen die Kürtener das Heft selbst in die Hand. 25 Männer der ersten Stunde formierten den strukturierten Aufbau der Freiwilligen Feuerwehr. Es war eine Zäsur. Aufgeteilt auf die verschiedenen Kürtener Gemeinden und Ortslagen wuchs ein Netzwerk der Sicherheit. Brandmeister wurde Georg Krämer, von Beruf Metzgermeister, sein Stellvertreter wurde Wilhelm Braun, von Beruf Gastwirt. Beide einstimmig gewählt. In der Festschrift wird der Grund für die Wahl genannt: „Dass ein Metzgermeister und ein Gastwirt die Führung übernahmen, war typisch für die damalige Zeit, da diese Personen im Dorfzentrum präsent, gut vernetzt und im Alarmfall schnell erreichbar waren.“
Das Jahr 1935 markiert in der Geschichte einen tiefen Einschnitt
Dann kamen die dunklen Jahre. 1935 änderte sich nicht nur die Schreibweise der Gemeinde offiziell von „Cürten“ in „Kürten“. Das Jahr markierte einen tiefen Einschnitt: Am 19. Juli 1935 wurde den Feuerwehren im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung eine neue Führungsstruktur aufgezwungen. Aus freien Vereinen zur Nächstenhilfe wurden per Gesetz Hilfspolizeitruppen. Die Historie jener Tage ist auch im Bergischen oft eine von Doppelmitgliedschaften in SA oder SS – eine bürokratische Realität, die das NS-Regime erzwang, um die Wehren ideologisch auf Linie zu bringen.
Der wirkliche Aufbruch in die Moderne folgte nach 1950. Die Republik atmete auf, das Wirtschaftswunder zog ein – und mit ihm die Motorisierung. Aus den alten Spritzenhäusern wurden moderne Gerätehäuser, die Traktoren, die im Ernstfall eilig vor die Pumpen gespannt werden mussten, wichen echten Löschfahrzeugen.
Es gibt Einsätze, die sich in das Gedächtnis der Kräfte gebrannt haben
Was die Chronik der Einheit 61 wirklich mit Leben füllt, sind jedoch nicht die Jahreszahlen. Es sind die Einsätze, die sich in das Gedächtnis der Einsatzkräfte und der Bürger eingebrannt haben. Der Albtraum auf der B506 (1988): Ein schwerer Pkw-Unfall mit Morrädern in Laudenberg forderte den Rettern alles ab. Verkeilte Wracks, schwerverletzte Personen, die B506 wurde an diesem Tag zum Schauplatz eines zähen Kampfes bei dem letztlich nicht mehr jedem geholfen werden konnte.

Während im Rheinland 1990 der Karneval tobte, stürzte eine zweimotorige Fokker F-27 auf einem Übungsflug ab.
Copyright: Christoph Konkulewski
Das Karnevalswunder von Kürten (24. Februar 1990): Während im Rheinland der Karneval tobte, stürzte eine zweimotorige Fokker F-27 auf einem Übungsflug ab. Den Piloten gelang eine spektakuläre Notlandung auf einer großen Weide im Gemeindegebiet. Die Maschine brannte völlig aus, doch die Besatzung überlebte wie durch ein Wunder. Die Kürtener Wehr stand stundenlang im Schaumteppich.
Stundenlang kämpfen die Einheiten unter Hochdruck
Das Jahrhunderthochwasser und das Ahrtal: Als der Starkregen das Bergische unter Wasser setzte, waren sie da. 44 Einsätze in 36 Stunden. Doch ihre Solidarität endet nicht an den Gemeindegrenzen. Als das Ahrtal in den Fluten versank, rückten auch die Kürtener Kräfte aus, um im Katastrophengebiet zu helfen, noch ein Einsatz an den Grenzen der physischen und psychischen Belastbarkeit.
Der Wettlauf gegen die Zeit (8. September 2022): Eine kilometerlange, massive Ölspur bedrohte die Dhünntalsperre und damit das Trinkwasser für die gesamte Region. Stundenlang kämpften die Einheiten unter Hochdruck, um ein Sickern des Öls in das Erdreich und die Zuflüsse zu verhindern. Eine Umweltkatastrophe wurde in letzter Sekunde abgewehrt.
Das Rückgrat der Brandbekämpfung steht im Gerätehaus
Heute präsentiert sich die Einheit 61 technisch auf der Höhe der Zeit. Das Rückgrat der Brandbekämpfung steht im Gerätehaus. Das neu geweihte, in der Sonne blitzende LF 10, vollgestopft mit neuester Technik, einem 2000-Liter-Tank und einem Feuerwehrboot. Dann der sprichwörtliche „Alleskönner“. Seit 2006 unermüdlich im Dienst, robust und vielseitig, LF 20, so nennt sich das Fahrzeug bei den Wehren. Das schwere Löschgruppenfahrzeug mit großem Wassertank, die Speerspitze bei jedem Brandeinsatz. GW-L2, der Gerätewagen Logistik. Ein hochflexibles Fahrzeug, das tonnenweise Schlauchmaterial oder Spezialgerät dorthin bringt, wo es gebraucht wird. MTF, der Mannschaftstransportwagen. Unverzichtbar für den schnellen Nachschub an Einsatzkräften, die Jugendarbeit und wenn nötig für weiteres Material. Schließlich die Mobile Einsatzleitung für die alle Kürtener Wehren, das Auto hört auf den schönen Namen ELW.
100 Jahre Einheit 61. Die Fahrzeuge sind moderner geworden, die Jacken feuerfester, die Helme sicherer. Doch der Kern ist geblieben: Es sind die Menschen, die nachts aufstehen, wenn andere sich noch einmal umdrehen. Kürten verdankt ihnen ein Jahrhundert Sicherheit.
