Gerade erst hat er seinen Meister gemacht, nun will er Fleisch-Sommelier werden. Neben Fleisch und Wurst bietet er Mittagstisch und Catering.
Traumberuf und KnochenjobPeppino Lennerts (19) hat in Odenthal eigene Metzgerei eröffnet

Metzgermeister Peppino Lennerts vor seinem Laden mitten in Odenthal.
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Er ist ein Exot. Obwohl man Exoten gewöhnlich an anderen Orten als hinter einer gutsortierten Fleischtheke vermutet. Doch genau hier möchte Peppino Lennerts stehen. Vor rund einem Jahr hat sich der heute 19-Jährige, unterstützt von der Familie, seinen beruflichen Traum erfüllt.
Mitten in Odenthal hat er seine eigene kleine Metzgerei mit Feinkost, Mittagstisch und Catering eröffnet. Und während andere junge Männer seines Alters am Wochenende auf Tour gehen, kann es passieren, dass Lennerts noch ein Partybuffet zusammenstellt oder an einer neuen Wurstkreation für die anbrechende Grillsaison arbeitet.
Die Berufswahl erstaunt viele
„Wenn ich meinen Beruf erwähne, dann wird schon nachgefragt“, bestätigt der 19-Jährige, der 2025 seinen Meister gemacht hat und sich derzeit zum Fleischsommelier ausbilden lässt. Das war schon in der Schule so, als er nach der 10. Klasse abgehen wollte, um das Metzgerhandwerk zu erlernen.
„Selbst für einige Lehrer war das unverständlich“, sagt er. Dabei ist es sein Traumberuf, das zeigte sich schon bei einem Praktikum: „Das war das, worin ich aufgeblüht bin.“ Es sei ein kreativer Beruf, er liebe den Kundenkontakt und er arbeite gerne mit Produkten, die er selbst gerne isst.
Im November hat Lennerts seinen Meister gemacht
Aufgewachsen auf dem Geflügelhof Gut Oberscheid in Eikamp, einem landwirtschaftlichen Betrieb, der Geflügel und Rindfleisch produziert, kennt der 19-Jährige das Metier der regionalen Nahrungsmittelerzeugung von klein auf: Aufzucht, Haltung und Schlachtung von Tieren, das „ganzheitliche Verarbeiten“, das gehört für ihn zusammen. Daher hat er auch einen Jagdschein gemacht. Wildprodukte ergänzen seither das Angebot im Laden.
Seit er im November an der Bayerischen Fleischerschule seinen Meister gemacht hat, darf sich „Feinkost Lennerts“ jetzt auch offiziell „Metzgerei Lennerts“ nennen, eine geschützte Bezeichnung, die Peppino Lennerts aber auch für sein Geschäft für treffend hält: „Das passt einfach besser zu uns“, meint er, „weil wir mit hochwertigen Fleisch- und Wurstwaren glänzen“. Das übrige Sortiment ergänze das Angebot. Seit kurzem kann man im Laden an der Altenberger Dom-Straße 27 auch Gemüsekisten der Humus-Werkstatt aus Dabringhausen erhalten.

Mit seiner Geschäftsgründung agiert Metzgermeister Peppino Lennerts gegen den Trend.
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Der Sprung in die Selbstständigkeit sei allerdings schwieriger und arbeitsreicher als gedacht, so Lennerts. Eine 60-Stundenwoche sei nicht selten, habe für ihn aber dennoch durch einen gewissen Spielraum bei der Zeiteinteilung „Vorteile gegenüber einer Nine-to-five-Woche“ findet er. Andere Arbeiten im Hintergrund schmecken ihm weit weniger: „Buchhaltung , Rechnungen schreiben – das nimmt schon mehr Zeit in Anspruch als ich gedacht habe.“
Die Geschäftsgründung ist gegen den Trend
Die Geschäftsgründung von Peppino Lennerts ist gegen den Trend. Seit Jahren geht die Zahl der selbstständigen Metzgereien in Deutschland zurück. Das ist im Rheinisch-Bergischen Kreis nicht anders. Die Handwerkskammer zu Köln gibt an, dass im März 2026 im Rheinisch-Bergischen Kreis noch 42 Betriebe registriert sind.
In dieser Zahl enthalten seien neben der „Metzgerei um die Ecke“ ebenso auch „die zweite und dritte Filiale eines Fleischers sowie manche Fleischtheken von Supermärkten“, erläutert die Pressestelle der Handwerkskammer. Nach den Kriterien der Kreishandwerkerschaft Rhein-Berg wiederum existieren hier nur noch 19 Metzgereien, davon seien zwölf Mitglied der Fleischerinnung Bergisches Land.
Viele Faktoren belasten kleine Metzgereien
Vieles belastet kleinere Metzgereien: Ein verändertes Kaufverhalten mit dem Trend zu großen Supermarktmetzgereien – die übrigens auch von einem Fleischermeister geführt werden müssen, allerdings dann meist im Angestelltenverhältnis. Der Trend zu vegetarischer oder veganer Ernährung senkt den Konsum und auch hohe Fixkosten belasten das Fleischerhandwerk. So musste auch Lennerts notgedrungen seinen Personalstamm verkleinern und will die Öffnungszeiten anpassen.

Peppino Lennerts beim Fest in Voiswinkel: Catering ist gefragt.
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Wer sich halten wolle, „muss sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren“, meint der junge Metzgermeister, müsse sich einen Kundenstamm und Nischen schaffen mit Produkten, die sich abheben von der Massenware. Gerade kreiert er eine neue Bärlauch-Grillwurst: „Wir verkaufen hochwertiges Fleisch und Geflügel aus der Region, das wir veredeln“ erklärt er, denn viele Menschen äßen zwar seltener, aber dafür hochwertigeres Fleisch.
Das Catering-Geschäft legt zu
Mal andere Stücke, mal eine andere Zubereitung und dabei den Preis immer im Blick. Vielleicht sei man beim Fleisch etwas teurer, da man auf hochwertige Produkte Wert lege, gibt Peppino Lennerts zu. „Aber bei der Wurst“, bei der er mit der Metzgerei Molitor in Kürten zusammenarbeite, „sind wird nicht teurer als an der Supermarkttheke“.
Das Catering-Geschäft lege zu und auch mit einem preiswerten Mittagstisch will er Kunden gewinnen und mit Geschmack punkten - bei edlen Stücken ebenso wie bei Hausmannskost. Für die hausgemachten Frikadellen jedenfalls, komme schon mal jemand „mit dem Fahrrad aus Langenfeld“, freut sich Lennerts. Bald will er als Fleisch-Sommelier, die sich als „Genussbotschafter“ verstehen und sich mit allem beschäftigen, was den Geschmack von Fleisch beeinflusst, noch einmal neue Akzente setzen. Ganz weit weg vom überholten Image des Metzgers, der mit blutverschmierter Schürze am Fleischwolf steht.

