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Mit einer Prise HumorRösrather Fahrschulen vermitteln Senioren frisches Wissen für die Fahrsicherheit

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Ein Mann zeigt auf eine Skizze einer Verkehrssituation.

Unterhaltsam und anschaulich: Fahrlehrer Wolfgang Rohde skizziert bei der freiwilligen Führerscheinauffrischung gekonnt knifflige Verkehrssituationen auf Papier.

Eine Initiative des Seniorenbeirats: Theorie-Update und Praxisstunden gibt es für ältere Menschen in Rösrather Fahrschulen.

Kaum zu glauben, dass es hier um trockene Theorie geht. Denn bei der Führerscheinauffrischung an diesem Montag in der Rösrather Fahrschule Wolles Fahrschulteam gibt’s viel zu lachen – und gleichzeitig viel zu lernen. Dafür sorgt Fahrlehrer Wolfgang (Wolle) Rohde. Er garniert alles Wissenswerte rund um Verkehrsregeln und Fahrsicherheit immer wieder mit einer Prise Humor und lustigen Anekdoten.

Die Atmosphäre in dem Vortragsraum ist entsprechend locker und entspannt. Die Teilnehmenden sitzen in ordentlich hintereinander angeordneten Stuhlreihen, vorne ein Flipchart, daneben wirft ein Beamer eine knifflige Verkehrssituation auf die Leinwand. Teils kennen sich die Teilnehmenden, einige schauen regelmäßig bei dem einstündigen Führerschein-Update vorbei. Man unterhält sich. Zwölf Seniorinnen und Senioren sind diesmal da, üblich seien zehn bis 15, erzählt Rohde. Alle Teilnehmenden sind „Ü 70“, teils auch deutlich darüber. Bei den meisten liegt die Führerscheinprüfung schon fast ein halbes Jahrhundert zurück. Gleichzeitig sind alle noch mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs, einige haben sich gerade sogar nochmal ein neues angeschafft.

Von besonderem Interesse sind alltägliche Verkehrssituationen

Was sie interessiert, sind Themen aus ihrem Alltag. Darf man vor der eigenen Einfahrt parken, wenn dort ein abgesenkter Bordstein liegt? Nein, lautet die klare Antwort – auch als Grundstückseigentümerin nicht, denn die Fläche muss frei bleiben, etwa für Rollstuhlfahrende. Warum eigentlich muss man in Fahrtrichtung parken? Wegen der besseren Sicht beim Ausparken und weil die Rückstrahler nachts nur aus der vorgesehenen Richtung wirken.

Ein Mann steht vor einer Leinwand, auf die eine Verkehrssituation projiziert wird.

Rohde zeigt den Teilnehmenden Simulationen von Situationen, die ihnen im Straßenverkehr begegnen könnten.

„Ich eröffne die Stunde in der Regel mit einer Fragensammlung, da kommt immer einiges zusammen“, berichtet Fahrlehrer Wolfgang Rohde. Seit einem Jahr bieten zwei Rösrather Fahrschulen, neben Wolles Fahrschulteam auch die Fahrschule Rösgen, eine freiwillige Führerscheinauffrischung für Senioren und Seniorinnen an.

In den Fahrschulen gilt: kein Frontalunterricht

Initiiert hat das Angebot der Seniorenbeirat der Stadt Rösrath. „Alle Termine sind unabhängig voneinander und bauen nicht aufeinander auf“, erläutert Fahrlehrer Wolle. Auch bei ihr werde das Angebot gut angenommen, bestätigt Fahrlehrerin Steffi Rösgen.

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Hier wie dort gilt: kein Frontalunterricht, keine Prüfungsatmosphäre. Selbst dann nicht, wenn Wolfgang Rohde die korrigierten Prüfungsbögen der letzten Stunde zurückgibt. Direkt kommen die Nachfragen: Diese Frage zu einer speziellen Vorfahrtsituation soll falsch beantwortet worden sein? Warum das denn? Rohde nimmt den Punkt mit und wird die Angelegenheit beim nächsten Mal genauer aufklären.

Rohde will so lange weitermachen, bis die Senioren keine Lust mehr haben

Heute hat erstmal das Thema Überholen Vorrang. Wann kann man überholen, wann nicht, und wann darf man eigentlich? Der Fahrlehrer sammelt Antworten ein und schreibt sie auf das Flipchart. Eine Skizze der beteiligten Pkw, mit geübten Strichen aufs Papier geworfen, sorgt für Anschaulichkeit und lässt Erinnerungen an vergangene Fahrschulstunden aufleben. Bald kommt das Gespräch auf Motorradfahrer, die sich bei sommerlichen Temperaturen gerne durch die Rettungsgasse nach vorne vorarbeiten. Der Fahrschullehrer erklärt den Grund und erntet dafür überraschtes Kopfschütteln. Die Antwort liege unter dem Helm, so Rohde, in dem es bei sommerlichen Temperaturen auf über 60 Grad heiß werden kann. Verständlich, aber nicht erlaubt, dass die Fahrer für Abkühlung sorgen wollten, stellt der Fahrlehrer klar.

„Die Leute haben mich schon gefragt, wie lange ich das noch machen will“, lacht Rohde. „Meine Antwort ist: Solange ihr Lust habt.“ Und sie haben Lust, wie die verbleibenden Minuten zeigen: Es geht um Assistenzsysteme, die in älteren Autos schlicht noch fehlten, und um das Antiblockiersystem, das beim starken Bremsen spürbar rattert – ein Geräusch, das früher oft fälschlich für einen Defekt gehalten wurde. Dann kommt das Gespräch auf selbstständig einparkende Autos, und der Fahrlehrer erklärt, was diese Technik kann, dass sie den eigenen Blick aber natürlich nicht ersetzt.

Ich habe ein Problem gehabt beim Einschätzen der Geschwindigkeit in Ortschaften
Monika Kalus, Teilnehmerin

Wer   etwas für die eigene Fahrpraxis tun möchte, kann darüber hinaus einen Fachmann oder eine Fachfrau auf den Beifahrersitz holen und eine kostenpflichtige Praxisstunde mit den Fahrlehrern vereinbaren. Am Ende erhält man ein qualifiziertes Feedback und eine Bescheinigung über die Ergebnisse der Beobachtungsfahrt.

Ein Theorie-Fragebogen zeigt das Ergebnis „18 Fehlerpunkte“.

Auch kontrollierte Übungsbögen gehören zu den Stunden dazu.

Monika Kalus, 80 Jahre alt und praktisch täglich mit dem Auto auch auf langen Strecken unterwegs, bucht regelmäßig zusätzliche Praxisstunden bei Wolle. „Ich habe ein Problem gehabt beim Einschätzen der Geschwindigkeit in Ortschaften“, bekennt die Forsbacherin. „Seitdem ich das mit einer Auffrischung geübt habe, hat sich das wirklich verändert.“ Auch kleine Korrekturen wie die richtige Blickführung in Kurven hätten im Alltag einen großen Unterschied gemacht, erzählt sie von ihren Erfahrungen. „Der Führerschein ist mir wichtig“, bekräftigt sie. „Ich finde die Stunden wirklich empfehlenswert, damit man weiß, man ist sicher unterwegs im eigenen Auto.“ Ähnliches hat sie auch bei anderen Älteren beobachtet: Viele, die im Winter nur ungern mit dem Auto unterwegs seien, buchten gezielt Übungsstunden im Frühjahr, um die eigene Fahrpraxis wieder aufzufrischen.

Die Idee zur Kooperation mit Fahrschulen ist aus einer Infoveranstaltung zur freiwilligen Führerscheinauffrischung entstanden. Die Veranstaltung hatte der Seniorenbeirat im Sommer 2025 mit dem Fahrlehrerverband NRW organisiert. Ziel war es laut Stadt, „ohne erhobenen Zeigefinger aufzuzeigen, warum es auch im fortgeschrittenen Alter wichtig ist, sich mit der eigenen Fahrtauglichkeit auseinanderzusetzen“. Von einem erhobenen Zeigefinger war an diesem Montagmorgen tatsächlich nichts zu spüren. Dafür aber jede Menge Spaß und gute Laune.