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Crash KursVor 700 Schülern berichten in Bergheim Notärzte und Polizisten von schrecklichen Unfällen

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Jugendliche sitzen in einem Forum vor einer Bühne, auf der Aufsteller mit „Crash Kurs NRW“ stehen und einige Leute sitzen.

Die Polizei des Kreises hatte 700 Fahranfänger ins Bergheimer Medio eingeladen und verdeutlichte die Gefahren des Straßenverkehrs anhand eindrucksvoller Berichte von Rettern.

700 Schülern und Schülerinnen haben am "Crash Kurs NRW. Realität erfahren. Echt hart" am Dienstag in Bergheim teilgenommen. Notärzte, Rettungsassistenten und Seelsorger berichten von ihren Erfahrungen bei schweren Unfällen.

Dr. Dirk Petermann brach die Stimme. Auf der Bühne des Bergheimer Medio und im Saal mit über 700 Zuschauerinnen und Zuschauern wurde es still. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Petermann, Notarzt und Vater von vier Kindern, sprach mühsam weiter über den Tag, als ein Großvater bei Blatzheim einen Herzinfarkt am Steuer seines Autos erlitt, auf der Rückbank seine Enkelin mit ihrem Freund, sie angeschnallt, er nicht. Das führungslose Auto rollte ungebremst auf die Mitte eines Kreisverkehrs zu, hob ab, schlug hart auf und schleuderte in ein Feld. Das Mädchen kletterte schreiend aus dem Auto. Doch wo war ihr Freund? Aus dem Auto geschleudert lag er viele Meter vom Wrack entfernt.

Ihr Freund wurde aus dem Auto geschleudert und starb

Petermann und die anderen Notfallassistenten kämpften verzweifelt um das Leben des jungen Menschen. Vergebens. Weitere Einsätze folgten, zurück auf der Wache riefen die Notfallassistenten ihre Familien an und versicherten sich, dass es allen gut ging. Sie seien entsetzt gewesen, enttäuscht, aber sie wüssten auch, dass „wir nur retten können, was zu retten ist“, sagte Petermann.

„Wir sind auf der Straße Profis, aber im Mannschaftsraum nur Menschen.“ Abends gab es wieder Alarm, die Retter wurden zu den Hinterbliebenen des jungen Mannes gerufen. Die kleine Schwester legte im Wohnzimmer Bilder von ihm aus, rief nach ihm, wissend, dass er nie wiederkommt. Es waren Berichte wie dieser, die die gut 700 Fahranfänger von Schulen und Ausbildungsbetrieben aus Frechen, Bergheim, Bedburg und Kerpen erschaudern ließen.

Die Polizei hatte sie gestern zu dem Vortrag „Crash Kurs NRW. Realität erfahren. Echt hart.“ ins Bergheimer Medio eingeladen. Der Notfallseelsorger Diakon Gregor Hergarten, der mit einer Mutter ins Leichenschauhaus gehen musste, um den zerfetzten Körper ihres Sohnes ein letztes Mal sehen zu können. Der Freund in Brühl, der nach einem Streit mit dem Motorrad hinter der Freundin her raste, um sich zu entschuldigen, beim Überholen ihres Autos stürzte und sein Leben verlor.

Ein Knall ließ alle Träume platzen

Diese Berichte gingen unter die Haut. Vor dem Eintritt in den großen Saal schrieben die 700 Fahranfänger ihre Träume auf Zettel und klebten sie an einen riesengroßen Ballon: „Glück“, „Gesundheit“, „Ein Buch schreiben“. Plötzlich ein Knall. Raunen im Publikum. Schrecken. Leila Reyes Soler und Eike Kremer, die Polizistinnen, die durch das Programm führten, hatten den prallen Ballon mit einem Riesenknall platzen lassen. Die Jugendlichen hatten verstanden.

„Lasst eure Träume nicht so platzen. Das wichtigste Wort ist „Nein“, beschworen die jungen Frauen in Uniform die Jugendlichen. Nein zum Rasen, nein zum ohne Gurt fahren, nein zu Alkohol und anderen Drogen, nein zu Ablenkungen. So blieben die Träume nicht nur Träume. Als der Hamburger Sänger Symon, alias Simon Schmidt, am Flügel zum Abschluss ein neues Lied sang, wurde es still. Er wünschte den jungen Leuten: „Geht weiter, immer, immer weiter...“