Ein Häuschen für die KunstCitymanagement Bergheim gibt Künstlern einen Raum

Citymanagement bietet in Bergheim eine Ausstellungsmöglichkeit in seinen Räumen an
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Bergheim – Eine Tasse in leuchtendem Lila und dunklen Blautönen zählt Petra Kokisch zu ihren neuen Errungenschaft. Freilich wird diese niemals einen Schluck Kaffee halten. Die Künstlerin Claudia Moritz-Marten hat das Sinnbild einer Tasse aus Wolle gehäkelt, mit Beton versteift und bemalt.
Sie ist die erste Bergheimer Künstlerin, die in den Räumen des Citymanagements ihre Kunst in einem eigens im großzügigen Büro, einem ehemaligen Modegeschäft, vorgesehenen Raum präsentieren kann, nämlich einem Glashaus. „Kunst im Bergheimer Glashäuschen“ nennt Petra Kokisch vom Citymanagement die Initiative der Stadtverwaltung, den von der Pandemie besonders gebeutelten bildenden Künstlern und Künstlerinnen zu ermöglichen, ihre Arbeiten zu zeigen.

Claudia Moritz-Marten ist die erste Künstlerin, die im Glashaus des Citymanagements ausstellt.
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Moritz-Marten hat noch mehr aus ihrem Atelier mitgebracht, Miniaturen, die sie dort zu einer Kaffeetafel zusammengestellt hat. Es sind reich mit Perlen und Knöpfen verzierte lila Muffins, genäht aus der Leinwand alter Bilder, oder „Fischkonfekt“, in bunte Glanzfolie gewickelt, oder eine aus Silberdraht gehäkelte Kaffeekanne.
Den Augenschmaus rundet Moritz-Marten ab mit einer Reihe kleinformatiger quadratischer Aquarelle mit dem Titel „Vorkoster“. Hier knabbern mitunter schelmisch dreinblickende Käfer an den detailreich gemalten Köstlichkeiten. Insekten seien in christlichen Stillleben als Zeichen der Vergänglichkeit oder gar als Bedeutungsträger „des Bösen“ verwendet worden, erläutert Moritz-Marten.

Petra Kokisch hat das Ganze organisiert.
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Die Wände des Glashauses zieren bemalte Kaffeefilter aus ihrer Serie „Fischen im Kaffeesatz“. Filigrane Seesterne, Korallen, Schnecken und anderes Unterwassergetier fischt die Künstlerin hier wieder mit Aquarellfarben so bunt wie dekorativ aus dem „Kaffeesatz“.
Bei aller Fröhlichkeit der Arbeiten, aktuelle Ereignisse spülten in den teils älteren Arbeiten neue Sinnbezüge an die Oberfläche, sei es der Krieg in der Ukraine oder die Ungewissheit der täglichen Nachrichten in Pandemiezeiten, die ihr wie „Lesen der Zukunft aus dem Kaffeesatz“ vorkomme.
Glashäuchen in Bergheim: Alle sechs Wochen eine neue Ausstellung
Alle sechs Wochen soll es im Glashäuschen eine neue Ausstellung geben, eine Jury entscheide über die Teilnahme, sagt Kokisch. Im Rahmen der ersten Veranstaltung mit Claudia Moritz-Marten sei ihr klar geworden, wie viele Stunden planerischer und logistischer Arbeit hinter der Ausstellungstätigkeit stecke. Sie wolle jetzt in der Stadtverwaltung nach „eventuellen Töpfe für Kunstförderung“ fragen, kündigt Petra Kokisch an.
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Sie kenne zahlreiche Künstler, die „hintenüber gekippt“ seien, sagt Claudia Moritz-Marten, also solche, die ihren Lebensunterhalt durch den Ausfall von Kunstausstellungen nicht mehr mit ihrer Arbeit hätten finanzieren können. Ihr gleichfalls selbstständig tätiger Mann und sie seien durch jegliches Corona-Hilferaster gerasselt, die Rente ihrer Mutter habe zur Deckung monatlicher Kosten herhalten müssen, zeitweise hätten Nachbarn ihnen dankenswerterweise Teile ihrer Gartenernte vor die Tür gestellt, damit etwas auf den Tisch komme. „Eigentlich bin ich gewohnt, mehr zu geben als zu nehmen. Es war ein eigentümliches Gefühl, so viel empfangen zu dürfen, ja zu müssen“, sagt Claudia Moritz-Marten.
Die „Kunst im Bergheimer Glashäuschen“ kann zu den Öffnungszeiten des Citybüros besichtigt werden: Montags von 10 bis 16 Uhr, dienstags von 10 bis 14 Uhr, mittwochs von 10 bis 16 Uhr und donnerstags von 14 bis Uhr.



