Der 27-Jährige floh als Teenager vor den Taliban und kam 2015 nach Kerpen. Heute arbeitet er als Friseur, hat eine Familie und träumt vom eigenen Salon.
FluchtOmid Ghulami floh mit 13 Jahren aus Afghanistan – Heute ist er glücklich in Bergheim

Omid Ghulami floh mit 13 Jahren aus Afghanistan. Heute arbeitet er als Friseur in Bergheim.
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Omid Ghulami steht mitten im Leben. Der 27-Jährige arbeitet in Bergheim als Friseur, ist verheiratet, und in den vergangenen Wochen konnte er den ersten Geburtstag seines Babys feiern. Aber der Weg, den er für sein heutiges Leben zurücklegen musste, war weit. Mit 13 Jahren war der heutige Bergheimer gezwungen, aus Afghanistan zu fliehen. Und wie er beim Gespräch mit der Redaktion erzählt, hat seine Fluchtgeschichte Spuren hinterlassen.
Die Taliban kamen in sein Elternhaus
Aufgewachsen ist Omid Ghulami in Herat im Westen Afghanistans. Als junger Teenager musste er mit ansehen, wie die Taliban in sein Zuhause kamen und seinen Vater und seine Mutter schlugen. „Sie wollten mich in ihre Gruppe mitnehmen, damit ich einer von ihnen werde“, erzählt Ghulami.
Er konnte sich zwar entziehen, aber er wusste, dass er nicht nach Hause zurückkehren konnte. „Sie haben versucht, mich zu finden.“ Er konnte sich damals nicht einmal von seinen Eltern verabschieden.
Er floh in den Iran. Dort kam er mit seiner Muttersprache zurecht, weil man in Herat Dari spricht, einen persischen Dialekt. Doch als junger Teenager, allein in einem fremden Land, war es auch im Iran nicht leicht. „Ich habe auf der Straße nach einer Arbeit gesucht“, sagt Omid Ghulami. Diese fand er auf einer Baustelle, wo er auch unterkam. Nach einigen Jahren sei die Situation dort untragbar geworden. Nicht nur habe sein Chef ihn ausgenutzt und um seinen Lohn betrogen. Omid Ghulami sei auch angedroht worden, ihn zum Krieg nach Syrien zu schicken, wenn er sich nicht fügt.
Über die Türkei und Griechenland nach Deutschland
Er ließ also auch den Iran hinter sich. Von der Türkei aus, wo er zeitweise in einem Flüchtlingslager lebte, ging es nach Griechenland. „In ein Boot, wo normalerweise dreißig oder vierzig Leute Platz haben, hat man über 70 Leute gesteckt“, sagt der 27‑Jährige. Alles, was sie dabei hatten, hätten sie ins Wasser werfen müssen, um zu überleben. Das Boot sei irgendwann kaputtgegangen. „Wir mussten hoffen und beten, dass wir über die Grenze kommen.“ Von Griechenland ging es dann mit dem Bus, dem Zug, meistens jedoch zu Fuß weiter, bis er Anfang 2015 in Kerpen ankam.

Stammkunde Winfried Kösters.
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Ein neuer Anfang: Schule, Praktika und der Traumberuf
„Für mich war alles neu“, sagt Omid Ghulami, etwa die Sprache, die Menschen. In Deutschland habe er in Horrem eine Schule besucht, bekam eine Wohnung in Bergheim und machte Praktika bei RWE und im Medio Rhein-Erft. Doch nach einem eintägigen Praktikum als Friseur wusste er, was er wirklich machen wollte.
Seine Ausbildung begann er 2017 in Bedburg. Im Zug auf dem Weg zur Arbeit habe er auch seine heutige Frau zufällig kennengelernt, die damals Jura in Köln studierte. Mittlerweile sind sie seit fünf Jahren verheiratet. Sein Ziel ist es, irgendwann seinen eigenen Friseursalon zu haben. Er schätze an seinem Beruf, jeden Tag mit neuen Leuten Kontakt zu haben. „Friseur zu sein ist nicht nur Haareschneiden, das ist eine Kunst.“
Bei Omid Ghulami sehe Ortsbürgermeister Kösters eine unendliche Dankbarkeit
Zu seinen Kunden gehört auch Dr. Winfried Kösters, Ortsbürgermeister von Ahe. „Er macht das mit ganz viel Liebe“, sagt Kösters, beim 27-Jährigen komme es auf jedes einzelne Haar an. Bei Omid Ghulami sehe Kösters eine unendliche Dankbarkeit. Er ist da keine Ausnahme, ist Kösters überzeugt. Er kenne mehrere Geflüchtete, die hier angekommen sind, Arbeit haben, deren Kinder gute Schulabschlüsse machen. Er findet es wichtig, auch diesen Menschen eine Stimme zu geben. „Es gibt auch andere. Aber diese hier sind die Mehrheit“, sagt Kösters.
Verantwortung und Belastung durch die Vergangenheit
Omid Ghulami erzählt, dass es ihm manchmal ein schlechtes Gefühl gibt, wenn er sagt, dass er aus Afghanistan kommt. Wenn er in den Nachrichten hört, dass einer seiner Landsmänner hier kriminell geworden ist, stößt das bei ihm auf Unverständnis. Dann denkt er an die Schwierigkeiten, die er auf dem Weg nach Deutschland hatte. „Du trägst die Verantwortung für deine Zukunft. Und wenn du es dann versaust, bist du selbst schuld“, sagt er.
Gleichzeitig hatte er wegen seiner Fluchtgeschichte Hürden. Nach wie vor leide er unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. „Ich möchte auf keinen Fall, dass mein Kind oder meine Familie das Leben haben, das ich in meiner Kindheit und Jugend hatte.“
Seine Vergangenheit ist ihm nicht anzusehen. Es mag an den Vaterfreuden liegen, an der Liebe zu seinem Beruf, zu seiner Frau oder seiner ihm eigenen Freundlichkeit, aber wer Omid Ghulami trifft, wird ihn meistens mit einem Lächeln im Gesicht sehen. „Ich bin glücklich“, sagt er. „Ich bin dankbar, hier sein zu dürfen. Diese Chance muss man nutzen.“ (rag)
