Marc Prokop betont, sein Bemühen um den Bürgermeisterposten bislang nicht bereut zu haben, obwohl die Stadt in finanziellen Nöten steckt.
100 Tage im AmtBrühler Bürgermeister Prokop für Bauleitverfahren zum Phantasialand-Ausbau

Dr. Marc Prokop betont, viel Freude in seiner Arbeit als Brühler Bürgermeister zu empfinden.
Copyright: Wolfram Kämpf
Herr Prokop, Ihre ersten 100 Tage als Brühler Bürgermeister sind herum. Hat die Euphorie des Wahlsiegs die Landung in der Realität unbeschadet überstanden?
Marc Prokop: Vielleicht nicht die Euphorie, aber die gute Stimmung. Was ich tue, mache ich sehr gerne. Der Job macht Spaß und ich habe es bislang an keinem Tag bereut, mich um den Bürgermeisterposten bemüht zu haben. Das liegt auch daran, dass ich in der Verwaltung sehr gut aufgenommen worden bin.
Sie wollten am liebsten mit jedem städtischen Mitarbeiter ein Kennenlern-Kölsch trinken. Wie weit sind Sie gekommen?
Ich arbeite daran und an Weiberfastnacht kann ich das Vorhaben bestimmt vorantreiben. Aber im Ernst: Ich komme ja nicht aus der Verwaltung, daher gibt es viel Neues für mich, und ich bin auf einem guten Weg, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und deren Aufgaben kennenzulernen.
Gab es etwas, das Sie überrascht hat?
Die Ausmaße meines Büros und die schöne Aussicht auf den Schlosspark, um die mich sicherlich viele Amtskollegen beneiden dürften. Ich fange meist gegen 6 oder 6.30 Uhr an zu arbeiten und habe schon viele Male den schönen Sonnenaufgang über dem Park genossen. Ein wenig überrascht hat mich auch der Umfang der repräsentativen Aufgaben als Bürgermeister. Es liegt sicherlich auch ein bisschen an der Karnevalszeit, aber ich bin tatsächlich nahezu jeden Abend und an jedem Wochenendtag bei Veranstaltungen unterwegs.
Brühl: Bürgermeister nennt die finanzielle Lage dramatisch
Die finanzielle Situation der Stadt ist äußerst angespannt. Wie viel Gestaltungsspielraum haben Sie in dieser Lage als Bürgermeister?
Tatsächlich ist die finanzielle Lage dramatisch und vermutlich ist das Ausmaß den wenigsten klar. Ich will aber nicht auf meine Vorgänger schimpfen. In erster Linie verantwortlich sind andere staatliche Ebenen, die uns als Kommune Aufgaben übertragen, diese aber nicht ausreichend finanzieren. Diese Situation wird auch die Haushaltsberatungen bestimmen. Ja, wir sind immer noch die schönste Stadt im Rhein-Erft-Kreis und haben uns bislang vieles gegönnt. Jetzt werden wir uns aber immer häufiger die Frage stellen müssen: Was können und wollen wir uns noch leisten? Mein Spielraum ist also beschränkt. Außerdem ist es ja zumeist der Stadtrat, der bestimmt, welchen Weg wir einschlagen. Ich versuche, das zu leisten, was ich ohne Geld leisten kann. Etwa das Ehrenamt zu unterstützen, den Bürgern eine offene Tür und Nahbarkeit zu bieten.
Im Rat wäre zwar rechnerisch auch ein schwarz-grünes Bündnis möglich, aber es zeichnet sich eine Zusammenarbeit von CDU und SPD ab. Kommt damit die von Ihnen bevorzugte Variante zum Zuge?
Ich halte mich da vollkommen raus. Das machen die Parteien unter sich aus. Es geht ja nicht um mein persönliches Befinden, und ich will ohnehin Bürgermeister für alle sein. Das ist jedenfalls mein Anspruch.
Wie intensiv ist denn Ihr Kontakt etwa zu den Menschen, die sich um die Umwelt sorgen und sich daher besonders über die Staus auf den Zufahrtsstraßen zum Phantasialand und das Feuerwerk im Wintertraum-Programm ärgern?
Ich fühle mich auf jeden Fall auch als deren Bürgermeister. Hier gibt es erhebliche Interessenskonflikte. Ich kann nur betonen, dass ich offen bin für einen Dialog – auch mit jenen Bürgerinnen und Bürgern, die mich und meine Position kritisch sehen. Übrigens bin ich auch mit dem Phantasialand im regelmäßigen Austausch und nehme die Sorgen der besagten Gruppen absolut ernst.
Eine Erweiterung des Phantasialand würde unter Schwarz-Rot im Stadtrat wohl wahrscheinlicher. Fürchten Sie den Widerstand in der Bürgerschaft, wenn es wirklich ernst wird?
Meine Position war immer klar. Ich möchte ein Bauleitverfahren starten. Im Zweifelsfall müssen dann Gerichte entscheiden, ob das Phantasialand erweitert werden darf. Die Kuh muss jedenfalls vom Eis, es braucht Planungssicherheit für alle. Das wäre nur fair, denn das Phantasialand ist nicht nur einer der größten Steuerzahler der Stadt, es wartet seit 2001 darauf. Zudem muss ich nochmals betonen, dass eine Erweiterung um 14 Hektar auf einem Kompromiss beruht, dem vor einigen Jahren alle Parteien zugestimmt haben.
Ganz oben auf Ihrer Agenda steht, der lokalen Wirtschaft Impulse zu verleihen. Sie wollen auch Ihre Kontakte aus Ihrer Zeit als Hochschulprofessor nutzen, um Neuansiedlungen von Start-ups zu erreichen. Gibt es bereits Erfolge?
Definitiv glühen die Drähte. Ich habe dafür gesorgt, die wesentlichen Akteure aus Hochschule und Stadt an einen Tisch zu bringen. Auch wenn vieles von oben vorgeschrieben ist, können wir an einigen Stellen Bürokratie abbauen und Hindernisse nehmen. Ich gehe davon aus, dass bald erste Erfolge spruchreif sind. Tatsächlich ist ein positiver Trend im Vergleich der Gewerbeneuanmeldungen zu den -abmeldungen zu erkennen. Ich will aber auch wissen, wie es den bestehenden großen Arbeitgebern geht. Daher führe ich viele Gespräche mit Unternehmen. Diese treffen natürlich ihre eigenen betriebswirtschaftlichen Entscheidungen, die aber gegebenenfalls über unsere Wirtschaftsförderung unterstützt werden können und auch Auswirkungen auf Gewerbesteuerzahlungen haben könnten. Deshalb ist ein enger Kontakt unglaublich wichtig.

Die Grundschule in Brühl-Badorf ist nicht mehr zeitgemäß. Ob saniert oder neugebaut wird, ist noch offen.
Copyright: Wolfram Kämpf
Ein Bereich, auf den Sie unmittelbaren Einfluss haben, ist die Schullandschaft. Wie schaut es da aus?
An der Badorfer Grundschule muss sich etwas tun. Wir prüfen nun, ob ein Neubau an anderer Stelle besser wäre als die Sanierung des derzeitigen Gebäudes. Über den möglichen Standort möchte ich noch nichts sagen. Auch das Max-Ernst-Gymnasium braucht Unterstützung. Zudem befindet sich die Pestalozzischule in desaströsem Zustand. Hier sind wir mit Wesseling und Hürth im Austausch, um gemeinschaftlich eine Lösung auf den Weg zu bringen. Klar ist, dass ein Neubau an gleicher Stelle erfolgen soll.
Sie sind begeisterter Karnevalist. Nun steht der erste Straßenkarneval als Bürgermeister und damit als bekanntes Gesicht an. Werden Sie mit angezogener Handbremse unterwegs sein?
Naja, ich stehe auf jeden Fall unter Beobachtung. Das ist mir klar, macht mir aber keine Angst. Ich fahre nicht mal mehr mit dem Fahrrad, wenn ich ein Kölsch getrunken habe. Klar ist, dass ich mich sehr auf die Tage freue. Und ich möchte an dieser Stelle noch einmal einen Dank an alle aussprechen, die sich Jahr für Jahr für das Brauchtum engagieren oder an anderer Stelle ehrenamtlich aktiv sind. Ohne diese Menschen würde vieles nicht gehen – nicht zuletzt in Zeiten leerer öffentlicher Kassen. Diese Menschen verdienen Anerkennung und genießen meinen Respekt.
Zur Person: Dr. Marc Prokop
Dr. Marc Prokop (57) wuchs in Brühl auf, wo er am Max-Ernst-Gymnasium sein Abitur ablegte. Er studierte BWL in Köln und promovierte schließlich in VWL. Von 2011 an war er als Professor der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät an der Technischen Hochschule Köln tätig. Prokop ist verheiratet und Vater zweier Töchter und eines Sohnes im Erwachsenenalter. Der Brühler CDU gehört er seit rund vier Jahrzehnten an. Dort engagierte er sich als Mitgliederbeauftragter, ehe er zum Bürgermeisterkandidaten gekürt und dann im Herbst 2025 gewählt wurde. (wok)

