Der 89-Jährige blickt voller Stolz auf seine berufliche Laufbahn als Stuckateur und seine Sportlerkarriere zurück.
Seltene AuszeichnungSo kam Hubert Krumm aus Brühl zum eisernen Meisterbrief

Hubert Krumm erhielt vor wenigen Wochen den eiserne Meisterbrief als Stuckateur.
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Als wäre es gestern gewesen, so gut erinnert sich Hubert Krumm (89) an seinen ersten Auftrag als selbstständiger Unternehmer. Damals war er 23 Jahre jung. Acht Jahre waren seit Beginn seiner Ausbildung in Köln zum Stuckateur-Gesellen 1952 vergangen. Es war August 1960. Krumm war gerade aus Eslohe zurück in Köln, wo er vier Monate lang ganztags die Meisterschule besucht und seinen Meister im Stuckateur-Handwerk absolviert hatte.
Jeden Pfennig hatte er in seinen Gesellenjahren für die Meisterschule zurückgelegt. 2000 D-Mark habe er dafür bezahlt – doch es habe sich gelohnt. Den Meisterbrief in der Tasche schlenderte er durch Köln, als ihm sein Fußballtrainer Hans „Jean“ Löring, der spätere Klubchef von Fortuna Köln, über den Weg lief. „Was määste Jung?“, fragte Löring ihn. Krumm, Torwart in der Jugendmannschaft bei Fortuna Köln, konnte stolz antworten: „Ich habe gerade mein Gewerbe angemeldet.“ „Dann kannste mein Haus verputzen“, hörte er Löring sagen. „Es war ein vierstöckiges Gebäude an der Vorgebirgsstraße“, erinnert sich Krumm.
Den ersten Auftrag erhielt er vom einstigen Fortuna Köln-Klubchef Jean Löring
Noch ohne einen einzigen Mitarbeiter stellte er direkt eine ganze Kolonne ein und kaufte in aller Eile die notwendigen Gerätschaften. Und schon legte er los – der Sprung in die Selbstständigkeit war geschafft. Knapper Wohnraum und teure Mieten waren in Köln auch schon 1962 ein Thema. Deshalb weitete Krumm seine Suche nach einem passenden Wohn- und Geschäftsgebäude aufs Umland aus. In Brühl, an der Pingsdorfer Straße, wurde er fündig. Bis heute schmückt sein Name das Haus. Bald war sein Name in Brühl und Umgebung in aller Munde.
Als Stuckateur erhielt er Aufträge im Phantasialand, wo er unter anderem in den Themenwelten Alt-Berlin und Mexiko seine „Handschrift“ hinterließ. Für die Gebausie in Brühl verputzte er ganze Straßenzüge von Wohngebäuden, und sogar bei der Nato war er gefragt – für sie verputzte er die Gebäude auf dem Militärflugplatz in Nörvenich. Schon als Geselle hatte Krumm gelernt, dass fachliches Wissen allein nicht reicht: Fleiß, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und Demut seien im Handwerk ebenso wichtig, sagt er.
Was für Krumm im Beruf galt, galt auch für sein Hobby: etwa als Torwart beim SC Brühl. In seinem Arbeitszimmer türmen sich Zeitungsartikel über seine beruflichen und sportlichen Aktivitäten – als Torwart, aber auch als Kreismeister im Dreikampf im Kreis Meschede. „Die Arbeit hat mir immer Freude gemacht, aber der Sport hat mich hochgehalten. Aus ihm habe ich die Kraft für die Arbeit geschöpft“, erklärt er.

Den eisernen Meisterbrief erhielt Hubert Krumm 65 Jahre nach absolvierter Meisterprüfung.
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Im THC spielte er nicht nur Tennis. Zusammen mit Wilhelm Küster und Walter Simon schrieb er auch Brühler Sportgeschichte: Sie schufen die Brühler Schlossparkläufe und organisierten diese jahrelang. Die Strecke führte von Brühl zur Wasserburg Schwadorf und durch den Schlosspark zurück nach Brühl. Etliche Medaillen aus dieser Zeit hängen noch heute neben seinen Meisterbriefen an der Wand im Arbeitszimmer.
Vor ein paar Wochen kam der eiserne Meisterbrief dazu, der ihm 65 Jahre nach seiner Meisterprüfung verliehen wurde. „Handwerk hat goldenen Boden“, sagt Krumm und ergänzt: „Das war früher so und gilt heute noch genauso.“

