Das Theaterstück ist erstmals im Rhein-Erft-Kreis zu sehen. Die Aufführung findet am Samstag (5. September) im Clemens-August-Forum statt.
TheaterstückAufführung in Brühl blickt mit Humor und Empathie auf das Thema Demenz

Koordinatorin Kathrine Gottwald mit Komponist Joachim Kottmann und dem Vorsitzenden des Hospizvereins, Bernd Reimann.
Copyright: Margret Klose
„Woher wissen Sie, wie es bei uns zu Hause rundgeht?“, fragen Zuschauer Joachim Kottmann nicht selten nach den Vorführungen. Der 55-Jährige ist Chorleiter, Musiker und Komponist. Gespräche mit seinen Chormitgliedern in Gummersbach haben ihn auf die Idee gebracht, ein Musical zum Thema Demenz zu erarbeiten. Bevor er jedoch zur Feder griff, recherchierte Kottmann weiter, sprach auch mit Angehörigen und mit Pflegekräften. So entstand das Musical „Socken im Kühlschrank – das Dementical.“ Trotz seiner Leichtigkeit spiegelt das Musical in manchen Szenen auch deutlich den Alltag von Betroffenen und ihren Angehörigen wider.
Das Stück hat nach seiner Uraufführung 2019 auch nichts an seiner Aktualität eingebüßt. Im Gegenteil. „Immer noch wird viel zu wenig über das Thema Demenz öffentlich gesprochen“, findet die Koordinatorin des Hospiz Brühl, Kathrine Gottwald.
Expertin hält offenen Umgang mit Demenz-Erkrankung für wichtig
Sie hat bei ihrer Arbeit sogar schon mehrfach erfahren müssen, dass es immer noch Erkrankte und Angehörige gibt, die das Thema Demenz in ihrer Familie und im Freundeskreis am liebsten totschweigen. Dabei sei ein offener Umgang für die Betroffenen und ihre Familien so wichtig.
Um ihnen und allen interessierten Menschen einmal eine ganz andere Herangehensweise an die Krankheit aufzuzeigen, hat sie im Rahmen des 30-Jährigen Bestehens des Hospizes nun Kottmann und sein Musical-Ensemble in die Schlossstadt eingeladen. „Socken im Kühlschrank“ bringe das Thema Demenz leicht, unterhaltsam und humorvoll, gleichwohl aber auch mit der gebotenen Ernsthaftigkeit und Würde musikalisch rüber. „Und hier im Rhein-Erft-Kreis ist das Musical bisher auch noch gar nicht bekannt“, erklärt Gottwald.
Dabei findet auch sie die Inszenierung so fantastisch: Für rund zwei Stunden nehmen Kottmann und sein Ensemble die Gäste mit in die Gedankenwelt der an Demenz erkrankten Oma Liese – eine eigentlich noch recht rüstige 70-jährige Rentnerin. Die Zuschauer erfahren, wie es sich für Oma Liese anfühlt, wenn im Kopf nach und nach so vieles durcheinander gerät. Sie erleben aber auch, was diese Veränderung für die Familie ihrer Tochter Birgit bedeutet, bei der Oma Liese seit dem Tod ihres Mannes lebt, zumal auch noch die Nachbarn anfangen, sich über die 70-Jährige lustig zu machen.
Die beiden Enkelkinder Emily und Jana sehen Omas Veränderungen derweil gar nicht so dramatisch: „Rückwärts“, singen sie im Chor. „Mit Oma Liese geht es rückwärts. Hast du es erst einmal gecheckt ist es gar nicht mehr so schlimm, schließlich waren wir alle mal klein.“ Die Darsteller, das sind insgesamt 20 Sängerinnen und Sängern im Alter von 13 bis über 60 Jahren und fünf Musiker. Selber spielt Kottman Keyboard.
Und ohne zu viel zu verraten: Der Gesang, die Melodien und die Choreographien sind teils ziemlich emotional und turbulent. Sowieso scheinen die Lieder, Songs und Tänze – mal ruhig persönlich und emotional und dann aber auch aufbrausend, laut und mitreißend – die jeweilige Stimmung von Oma Liese aufzugreifen und für das Publikum sichtbar und hörbar zu machen: Wut, Traurigkeit, Witz und Humor. „Mein Ziel war es, in Oma Liese hineinzusehen, um deutlich zu machen was sie fühlt, wie sie empfindet und wie sie ihre Umwelt wahrnimmt“, erklärt Kottmann.
Aufführung in Brühl weckt große Vorfreude
Er zählt inzwischen die Tage bis Samstag (5. September), wenn sich im Clemens-August-Forum der Vorhang öffnet. „Und wir freuen uns auch riesig“, merkt die Koordinatorin des Hospizes, Kathrine Gottwald an. Gerade die musikalische und unterhaltsame Aufarbeitung des Themas findet sie so bemerkenswert, auch weil sie Betroffenen, ihren Angehörigen und generell interessierten Menschen diese ganz andere Form der Begegnung und der Information zu dieser Erkrankung eröffnet.
„Die Pause werden wir nutzen, um mit dem Publikum in Kontakt zu kommen – auch um bei Bedarf Hilfestellungen aufzuzeigen und anzubieten“, erklärt Gottwald. Nur zu gut weiß sie schließlich, dass sich Erkrankte und ihre Angehörigen im Alltag oft allein und auf sich gestellt fühlen. „Wir können keinem von ihnen das Leid nehmen.“ Hospiz Brühl stehe jedoch dafür, die Menschen und ihre Angehörigen in dieser schwierigen Zeit zu begleiten, mit ihnen zu weinen, zu lachen und einfach für sie da zu sein.
Aufführung im Clemens-August-Forum
Der Vorhang für „Socken im Kühlschrank – das Dementical“, das Musical von Joachim Kottmann, geht am Samstag, 5. September um 19 Uhr im Clemens-August-Forum in Brühl auf, Clemens-August-Straße 33a. Eintrittskarten für die Aufführung gibt es für 20 Euro beim Hospiz Brühl, Steinweg 27, bei der Alzheimer Gesellschaft Aufwind, Clemens-August-Straße 33a, und für Kurzentschlossene an der Abendkasse. (mkl)
