Warum es wichtig ist, dass Kinder trotz Seepferdchen-Abzeichen nicht unbeaufsichtigt ins Wasser gehen.
Ertrinken geschieht lautlosDLRG wacht am Brühler Heider Bergsee und warnt vor Gefahren

Im Ernstfall zur Stelle – die Retter der DLRG Ortsgruppe Brühl am Heider Bergsee.
Copyright: Margret Klose
Wenn die Wettervorhersage ein sonniges Wochenende verspricht, dann zieht es viele Sonnenhungrige an den Heider Bergsee in Brühl. Während die Badegäste sich vergnügen, beginnt für die Rettungsschwimmer der DLRG der Dienst. Zwischen 10 und 18 Uhr halten sie das Treiben auf und im See im Blick und sind stets bereit, im Ernstfall einzugreifen.
„Die zunächst entspannte Stimmung kann von einer Sekunde zur anderen umschlagen“, sagt Kelvin Scheel, seit 2025 Leiter der DLRG Ortsgruppe Brühl. Besonders belastend seien Einsätze, bei denen Kinder vermisst würden. „Das sind Situationen, die für alle Beteiligten sehr stressig sind“, weiß der 36-Jährige.
Baden am Heider Bergsee grundsätzlich erlaubt
Während viele Besucher im See Abkühlung suchen, leisten Scheel und seine Mitstreiter ehrenamtlich zusätzliche Wachstunden. Sie unterstützen die Wasseraufsicht am Heider Bergsee und arbeiten eng mit den Rettungskräften des Campingplatzes zusammen. „Grundsätzlich ist das Baden im gesamten See erlaubt“, erklärt Scheel. Offiziell überwacht werde jedoch nur der Badebereich des Campingplatzes. „Wenn wir vor Ort sind, unterstützen wir uns gegenseitig.“
„Bei unserer Arbeit setzen wir vor allen Dingen auf Prävention“, beschreibt er eine wichtige Aufgabe der Ehrenamtler der DLRG-Wachstation am Heider Bergsee. Bei ihren Kontrollfahrten sprechen sie auch Menschen an, die sich weit außerhalb des Badestrands im See aufhalten, die mitten im See schwimmen, oder quer über den See paddeln. Häufig werde unterschätzt, wie viel Kraft Wind und Strömung kosten. „Deswegen raten wir auch häufig dazu wieder umzukehren“, so Scheel.

An sonnigen Tagen zieht es viele Badefreunde an den Heider Bergsee.
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Grundsätzlich achten sie auch immer auf Menschen, die sich auffällig verhalten. Muskelkrämpfe oder internistische Notfälle können schnell lebensgefährlich werden. Die Menschen versuchen vielleicht noch, den Kopf über Wasser zu halten, laut um Hilfe zu rufen oder mit den Armen auf sich aufmerksam zu machen, „aber ertrinken ist ganz lautlos. Die Menschen gehen unter und sind weg“, sagt Scheel.
Dass die Präsenz der DLRG geschätzt wird, bestätigt Angelika Dinter. Sie schwimmt regelmäßig auch weit entfernt vom Badestrand und genießt die Ruhe auf dem See. „Es ist einfach wunderbar“, sagt sie. Gleichzeitig vermittelten die Retter Sicherheit. „Die Rettungsschwimmer zu sehen, gibt mir und sicherlich auch vielen anderen Badegästen ein gutes Gefühl.“
Schlauchboot gefunden – Kinder verschwunden
Schwere Unglücke sind Scheel und seinen Kolleginnen und Kollegen am Heider Bergsee bislang erspart geblieben. Gleichwohl erinnert sich der stellvertretende Leiter der Ortsgruppe Brühl, Leon Meyer, an einen nervenaufreibenden Einsatz. Damals hatte eine Camperin ihr Schlauchboot an einige Kinder verliehen. Das Boot habe die Camperin später am Strand auch wiedergefunden. Von den Kindern fehlte jede Spur. „Überall im Wasser und den Uferregionen haben wir nach den Kindern gesucht. Die Kinder wurden zunächst nicht gefunden. Vermutlich waren sie bereits längst an Land, bevor die Suche begann, und hatten von dem Großeinsatz nichts bemerkt.

Mitunter sprechen die Einsatzkräfte die Schwimmer im See auch an – hier war alles in allerbester Ordnung.
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Immer wieder sehen die Rettungsschwimmer kleine Kinder, die unbeaufsichtigt im Wasser sind und keine geeignete Schwimmhilfe tragen. „Kinder mit einer Rettungsweste ist ein eher seltenes Bild“, merkt Meyer an. Dabei seien diese nicht zuletzt aufgrund ihrer Leuchtfarbe hilfreich. Scheel ergänzt: „Keine Schwimmhilfe der Welt ersetzt die Aufsicht der Eltern.“ Auch Kinder mit dem Seepferdchen-Abzeichen sollten nicht ohne elterliche Aufsicht in den See.
In ihrer Ausbildung haben die Rettungsschwimmer auch gelernt, die Wasseroberfläche zu „lesen“. Sie erkennen sie Windrichtung und Windstärke sowie mögliche Gefahren. Noch wichtiger sei dieses Wissen an Fließgewässern wie dem Rhein. Dort lasse sich anhand von Strömungen und Wasserbewegungen erkennen, wo besonders starke Sogwirkungen entstehen können.
Leon Meyer ist ausgebildeter Stromretter und hat bereits zahlreiche Übungen auf dem Rhein absolviert. Dass Eltern ihre Kinder teilweise unbeaufsichtigt am Rheinufer spielen lassen, kann er nicht verstehen. „Binnen Sekunden können Kinder vom Sog vorbeifahrender Schiffe unter Wasser gezogen werden – selbst dort, wo ihnen das Wasser nur bis zu den Knöcheln reicht.“
Nachwuchsarbeit bei der DLRG
Der Nachwuchs der DLRG steht in den Startlöchern. Denn wie die Jugendgruppe bei der Feuerwehr hat auch die DLRG der Ortsgruppe Brühl ein Jugend-Einsatz-Team (Jet) mit aktuell 26 Kindern. Spielerisch und praxisnah werden die Kinder in den Gruppenstunden auf den aktiven Wasserrettungsdienst vorbereitet. Dabei lernen die Kinder auch Teamgeist und Zusammenhalt. Informationen dazu gibt es online. (mkl)
