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Wasserstand sinkt rapideWeiher in Elsdorf droht zu vertrocknen

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Das Bild zeigt Absperrband vor dem Weiher.

Das Überlaufgewässer, genannt Märchen, ist nurmehr ein Tümpel. Fische drohen dort zu verenden. 

Der Sportfischereiverein Elsdorf bangt um das Gewässer und sorgt sich um die Fische. Der Weiher war aus einer Tongrube entstanden.

Der Wasserspiegel des idyllischen Grouvener Weihers sinkt rapide. Die Fische im Überlaufbecken, genannt Märchen, sitzen nahezu auf dem Trockenen. Grund ist der ausbleibende Zufluss von Sümpfungswasser des Tagebaus Hambach. Der Sportfischereiverein Elsdorf bangt um seine Sportanlage und sorgt sich um die Fische.

Der Weiher war bis zu 1,50 Meter tief. „In den vergangenen vier Wochen hat der Wasserstand um 60 Zentimeter abgenommen“, sagt André Kunkel. Er war bis zur vergangenen Woche Vorsitzender des Vereins, der den See von den Erben der Burg Grouven gepachtet hat. Er ist mit weiteren Vorstandsmitgliedern zurückgetreten, „weil ich die Verantwortung nicht mehr übernehmen kann“.

Elsdorf: Überlaufbecken ähhnlich gefährlich wie ein Moor

Ähnlich wie in einem Moor sei es auch im Märchen gefährlich. Wer versinkt, komme aus eigener Kraft nicht mehr heraus. Und auch aus dem Weiher gebe es, wenn man hineinfällt, kaum noch ein Entkommen, bei der jetzt 60 Zentimeter hohen Uferböschung. Auch für die Fische könne er keine Verantwortung mehr übernehmen, so Kunkel.

Die Grouv ist vor Jahrzehnten aus einer Tongrube entstanden und wurde, da offenbar nicht versickerungsfest, vom Wiebach gespeist. Seit der Wiebach tagebaubedingt kein Wasser mehr führt, speiste RWE Sümpfungswasser aus dem Tagebau Hambach ein. Das bleibt nun aus, da es im Zuge des Kohleausstiegs nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung steht.

Schlagabtausch mit RWE wegen des Weihers

Bei einem Hilferuf an RWE hat sich der Verein offenbar im Ton vergriffen, wie auf den Rathausfluren zu hören ist und auch aus einem Antwortschreiben von RWE deutlich wird (wir berichteten). RWE hatte daraufhin ebenso wenig freundlich erklärt, nicht zuständig zu sein und Sümpfungswasser bislang „freiwillig und unentgeltlich zur Verfügung gestellt“ zu haben. Dennoch wolle das Unternehmen helfen. „Passiert ist seitdem nichts“, klagt Kunkel. Das THW eilte auf Bitten der Stadt im März mit einer Füllaktion aus dem öffentlichen Wassernetz zu Hilfe. „Das können wir aber auf Dauer nicht bezahlen“, sagt Kunkel.

Die Grünen hatten sich in einer Anfrage nach dem aktuellen Stand erkundigt. Die Stadt betont auf Anfrage der Redaktion,   dass das private Gewässer nicht in seine Verantwortung falle, die Fachabteilung sich trotzdem intensiv um den Erhalt des Weihers kümmere. Dennoch hat Bürgermeister Andreas Heller jetzt den Verein und RWE für nächste Woche an einen Tisch gebeten. „Wir wollen im Gespräch mit RWE erreichen, dass es ein technisches Provisorium zunächst bis zum Ende des Tagebaus gibt“, teilte Stadtsprecher Robert Wassenberg mit.

Verein könnte sich auflösen

Das Märchen sei ein Überlauf, zu dessen Funktion das Trockenfallen gehöre. Die Angler habe man aufgefordert, das Märchen abzufischen. „Ich rechne es der Verwaltung hoch an, dass sie sich kümmert, obwohl sie nicht zuständig ist“, betonte Grünen-Sprecher Michael Broich auf Anfrage.

Der Verein, dem laut Pachtvertrag die Sicherungspflicht für beide Gewässer obliegt, hat das Märchen inzwischen mit Flatterband abgesperrt. Schilder weisen auf ein Betretungsverbot hin. „Das Abfischen werden wir in den nächsten Tagen hinbekommen“, sagt Kunkel.

RWE teilte auf neuerliche Anfrage mit, zu dem Thema im regelmäßigen Dialog mit der Stadt und dem Angelverein zu stehen. RWE habe angeboten, im Notfall auch mit Tankwagen zu unterstützen. Hierzu habe das Unternehmen bislang noch keine Anfrage erhalten.

Eile sei geboten, wie Kunkel ausführt. „Wenn das so weitergeht, ist der See in vier Wochen leer. Spätestens wenn es wärmer wird, wird er umkippen“, orakelt er.

In der nächsten Woche tritt auf Einladung zweier verbliebener Vorstandsmitglieder die Mitgliederversammlung zusammen. Dann wollen auch die letzten Vorstände ihre Ämter niederlegen. „Wenn dann kein neuer Vorstand gefunden wird, wird der Verein gelöscht, und auch der Pachtvertrag erlischt dann“, sagt Kunkel.