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Diamanthochzeit an HeiligabendErftstädter Paar: „Wir haben im hohen Schnee auf der Straße getanzt“

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Ein älterer Mann und eine Frau sitzten vor dem Tannenbaum. Die Frau legt ihren Arm um seine Schulter.

Auch nach 60 gemeinsamen Jahren sind Adelheid und Berthold Cwielong noch glücklich wie am ersten Tag.

Adelheid und Berthold Cwielong haben vor 60 Jahren an Weihnachten in Schlesien geheiratet.

Für Adelheid (79) und Berthold Cwielong (81) ist Heiligabend ein ganz besonderer Feiertag: Sie haben am 24. Dezember geheiratet. Und dieses Mal ist es auch noch ein Jubiläum: Das Ehepaar feiert Diamanthochzeit.

Geboren und aufgewachsen sind beide in der Nähe von Königshütte in Schlesien. Dort haben sie einander im Juni 1962 kennengelernt, und dort haben sie sich noch im gleichen Jahr am 24. Dezember das Jawort gegeben. Zwei Tage später, am 26. Dezember, heirateten sie kirchlich.

Frischer Barsch nach altem Rezept und ein zusätzliches Gedeck für einen Unbekannten

„Wir haben im hohen Schnee auf der Straße getanzt“, erzählt Adelheid Cwielong. „Und es gab ein ganz hervorragendes Essen – Rindfleischsuppe und Rouladen“, berichtet der Jubilar. Das sei das einzige Mal gewesen, dass sie Heiligabend Fleisch gegessen hätten. „Traditionell essen wir an diesem Tag frischen Barsch“, erklärt er.

Auch am Samstag kommt ein Barsch auf den Tisch, den Adelheid Cwielong nach einem heimatlichen Rezept zubereitet hat. Wie jedes Jahr werden sie für einen unbekannten hungrigen Gast, der unverhofft in der Heiligen Nacht an ihre Tür klopfen könnte, ein zusätzliches Gedeck auflegen.

Verpackt in Alufolie legen sie unter jeden Teller eine Silbermünze und eine Schuppe ihres Barschs. „Der Legende nach haben wir dann das ganze Jahr immer genug Geld in der Tasche“, erklärt der Jubilar den Brauch.

Adelheid und Berthold Cwielong bei ihrer Heirat 1962

Adelheid und Berthold Cwielong bei ihrer Heirat 1962

Gemeinsam singen sie Weihnachtslieder und gehen in die Christmette. Zuvor jedoch stoßen sie auf ihren 60. Hochzeitstag an. „Das erste Mal haben wir uns in Königshütte im Jugendcafé gesehen“, sagt Adelheid Cwielong. „Ich habe mich damals direkt in sie verliebt, sie war die schönste Frau im ganzen Café“, schwärmt Berthold Cwielong.

Ihre Fröhlichkeit und ihr natürliches, herzliches Wesen hätten ihn vom ersten Moment an verzaubert. Aber auch die junge Frau war angetan. „Er sah sehr sportlich und durchtrainiert aus“, erzählt sie. Später erfuhr sie von seinen Hobbys: Gewichtheben und Rennradfahren. Bald wussten beide, dass sie den Rest ihres Lebens zusammen verbringen wollten.

„Ich habe mich damals direkt in sie verliebt“

Für beide war klar, dass sie nach Deutschland wollten. Ihr Ausreiseantrag sei viermal abgelehnt worden, bevor sie am 6. Dezember 1975 endlich die Genehmigung in den Händen hielten. „Uns blieben nur 48 Stunden, um uns von unserer Familie und den Freunden zu verabschieden und unsere Sachen zu packen“, berichtet Berthold Cwielong.

Dann saßen sie mit einem Koffer im Zug. „Es war eine Reise ohne Rückfahrschein“, sagt der 81-Jährige. Die Bahnhofsmission habe sie in Hannover in Empfang genommen. „Überall im Bahnhof brannten Lichter, und alles war hell erleuchtet und sehr sauber“, schildert Adelheid Cwielong ihre ersten Eindrücke in Deutschland.

Einen solchen Lichterglanz in der Nacht habe es bei ihnen zu Hause nicht gegeben: „Es war einfach wunderschön.“ Von Hannover aus ging es für sie zunächst nach Friedland und von dort nach Köln. Berthold Cwielong fand Arbeit als Kranfahrer, später im Management der Hausverwaltung der Universität zu Köln, wo seine Frau über 30 Jahre im Büro tätig war.

Ihr Haus in Bliesheim kauften sie sich vor 14 Jahren. Erst als Rentner konnte sich Berthold Cwielong seinen langgehegten Wunsch erfüllen: Er kaufte eine Orgel und lernte, darauf zu spielen. Ein weiteres Hobby ist die Malerei. Seine Frau hat Freude an der Gartenarbeit.