Die Reiterprozession wurde in das Landesinventar des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Was die Besucher des 801. Ritts erwartet.
ReiterprozessionGymnicher Ritt in Erftstadt wird immaterielles Kulturerbe

Im vergangenen Jahr feierte die Prozession ihr 800-jähriges Bestehen. (Archivbild)
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Der Gymnicher Ritt ist in die Liste des immateriellen Kulturerbes in Nordrhein-Westfalen aufgenommen worden. Das teilen die Organisatoren des Gymnicher Ritts mit.
Den Antrag hatte der Heimatverein Gymnich gestellt. Das Ministerium für Kultur und Wissenschaften des Landes Nordrhein-Westfalen hat ihn bewilligt: Die Reiter- und Fußprozession, die weit über die Region bekannt ist, ist offiziell in die Liste der lebendigen Traditionen aufgenommen worden.
Das Land hat die Traditionsveranstaltung zudem für die Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes vorgeschlagen, wie es weiter heißt. Das Fachkomitee "Immaterielles Kulturerbe" der Deutschen UNESCO-Kommission prüft und wählt Vorschläge für Neuaufnahmen aus.
Erftstadt: Landesjury würdigt Gymnicher Ritt
Die Landesjury würdigt die Traditionsveranstaltung als „tradierte, lokal tief verankerte und ehrenamtlich getragene Kulturform mit starken historischen Bezügen“. In ihrer Entscheidung habe die Jury insbesondere „die enge Verbindung von religiösem Brauch und Volksfestelementen“ hervorgehoben.
„Wir sind unheimlich stolz, dass diese Ehre dem Gymnicher Ritt und damit letztlich allen daran Beteiligten zuteilwird“, wird Organisationsleiter Joachim Axer zitiert. Zudem sei man äußerst dankbar für das Engagement des Heimatvereins Gymnich zur Aufnahme in die Liste des immateriellen Kulturerbes.

Eine der ältesten Fotografien des Archivs des Heimatvereins zeigt den Schlusssegen des Gymnicher Rittes vor der Pfarrkirche St. Kunibert im Jahr 1901. (Repro)
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„Dass die Bewerbung so erfolgreich war, verdanken wir in erster Linie dem Team um Thomas Fuß und Ludwig Reimers vom Heimatverein, die die als sehr umfassend gewürdigten Ausführungen zum Gymnicher Ritt für die offizielle Bewerbung zusammengestellt und eingereicht haben“, fügt Wilfried Breuer vom Kirchenvorstand St. Kunibert Gymnich hinzu.
Axer und Breuer betonen, dass selbstverständlich auch alle, die ehrenamtlich am Gymnicher Ritt beteiligt sind, dazugehören – aus der Kirchengemeinde, den verschiedenen Vereinen im Ort, allen voran der St. Sebastianus Bruderschaft und St. Kunibertus Schützengesellschaft sowie allen anderen Prozessionsteilnehmenden. Ohne sie könne der Gymnicher Ritt gar nicht erst so stattfinden.
Erftstadt: Film über Jubiläumsjahr und neue Ansteckpins
„Ich gratuliere allen, die sich rund um die christliche Tradition und das Brauchtum des Gymnicher Ritts engagieren. Mit der Aufnahme in das Landesinventar des immateriellen Kulturerbes von Nordrhein-Westfalen wird der unermüdliche Einsatz für dieses religiöse, soziale und für Erftstadt so herausragende Fest gewürdigt“, wird Bürgermeisterin Carolin Weitzel auf der städtischen Homepage zitiert.
An Christi Himmelfahrt findet der Gymnicher Ritt zum 801. Mal statt. Das Organisationsteam der Katholischen Pfarrgemeinde St. Kunibert Gymnich erwartet zahlreiche Ehrengäste, Würdenträger, Zelebranten, Pilgerinnen und Pilger zu Fuß und zu Pferd sowie mehrere Tausend Besucherinnen und Besucher beim anschließenden Jahrmarkt.
Ein Highlight kündigen die Organisatoren für dieses Jahr an: Ein Film in Spielfilmlänge wird über das Jubiläumsjahr des Gymnicher Ritts gezeigt. Er ist neben zahlreichen Fotos vom Jubiläum gegen Spenden zugunsten des Ritts erhältlich. Außerdem sind neue Ansteckpins mit Motiven zum Gymnicher Ritt an Christi Himmelfahrt auf dem Kirchplatz an St. Kunibert zu kaufen. Dort liegt ebenfalls die Festschrift aus.
Im vergangenen Jahr feierte die bekannte Reiterprozession ihr 800. Jubiläum. Der erste Ritt soll 1225 stattgefunden haben. Er geht auf eine Legende zurück, die besagt, dass Ritter Arnold von Gymnich während des fünften Kreuzzugs (1217-1221) im überfluteten Nil-Delta mit seinem Pferd in einem Sumpf steckenblieb. Er bat Gott um Hilfe und versprach, ihm zu Ehren jährlich an Christi Himmelfahrt eine Prozession durch die Straßen Gymnichs abzuhalten.
Das erwartet die Besucher beim 801. Gymnicher Ritt
Der Gymnicher Ritt startet an Christi Himmelfahrt, Donnerstag, 14. Mai, um 8 Uhr mit einer Pilgermesse in der Pfarrkirche St. Kunibert an der Gymnicher Hauptstraße. Unterdessen starten Fußgruppen und Reitende der St. Sebastianus Bruderschaft ins Gymnicher Schloss, um die Schlossstandarte abzuholen, wie die Organisatoren mitteilen. Dann begeben sich die Fuß- und Reitabordnungen der St. Kunibertus Schützengesellschaft ins Schloss. Sie holen das Kreuzreliquiar mit den Kreuzpartikeln ab, um es später an der Kirche zu übergeben.
Nach dem Auszug der Fußpilger beginnt um 9 Uhr die Reitermesse auf dem Rittplatz neben der Kirche. Danach macht sich die Reiterprozession über die Hauptstraße zum südlichen Dorfausgang auf den rund zwölf Kilometer langen Prozessionsweg über die Felder rund um Gymnich. Neben der St. Sebastianus Bruderschaft und der St. Kunibertus Schützengesellschaft aus Gymnich nehmen weitere Schützengesellschaften aus den umliegenden Ortschaften wie Lechenich und Wissersheim sowie Reitende aus Kölner Traditionscorps und reiterlichen Vereinigungen teil.
Um 10.45 Uhr ist zudem eine Messe vorgesehen. Nach dem Prozessionsweg treffen die Fußpilgernden und Reitenden am nördlichen Dorfrand ein. Dort erhalten sie gegen 12 Uhr die Pilgersegnung an der Mariensäule, Kerpener Straße. Ab 12.15 Uhr folgt der Abschluss mit sakramentalem Segen auf dem Rittplatz. Anschließend beginnt der Jahrmarkt entlang der Gymnicher Hauptstraße, der bis in den Abend besucht werden kann.
Wer mit dem Auto anreist, den bitten die Organisatoren, an der Grundschule, am Fußballplatz, Erftstraße, oder bei der St. Sebastianus Bruderschaft, Heinrichstraße, zu parken. Sie empfehlen, mit den planmäßigen Bussen anzureisen oder mit dem Rad durch die Felder oder entlang der Erft. Die Hauptstraße ab Mittwoch, 13. Mai, gegen 18 Uhr sowie an Christi Himmelfahrt, Donnerstag, 14. Mai, ganztägig ab der Kreuzung Brüggener Straße/Kohlstraße gesperrt sowie die Kerpener Straße ab der Vorpforte. (eva)
