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SchwimmabzeichenKinder dürfen in Erftstadt allein nur noch mit Bronze ins Freibad

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Zu sehen ist ein Freibad, in dem sich Schwimmerinnen und Schwimmer aufhalten.

Das Freibad in Kierdorf ist im Sommer ein beliebter Ort zum Abkühlen und Schwimmen. (Archivbild)

Neben der Freibadinitiative Kierdorf haben sich auch weitere Betreiber im Rhein-Erft-Kreis mit einer solchen Regelung auseinandergesetzt.

In anderen Städten und Schwimmbädern wurde die Regelung bereits umgesetzt, jetzt ist es auch in Erftstadt soweit: Ab dieser Saison dürfen Kinder allein nur nach Nachweis des bronzenen Schwimmabzeichens ins Freibad Kierdorf kommen. „Dies ist leider notwendig, um unsere Beckenaufsichten zu entlasten“, heißt es vonseiten der Freibadinitiative Kierdorf. Und: Die Maßnahme diene dem Schutz vor Badeunfällen.

Zwei Männer mit Sonnenbrillen stehen im Grünen.

Die Vorsitzenden der Freibadinitiative Willi Keil (l.) und Willi Busch.

Grund dafür sei die Erfahrung aus der vergangenen Saison, sagt Willi Busch. Er und Willi Keil sind die Vorsitzenden des Betreibervereins. Man habe immer wieder feststellen müssen, dass Eltern ihre Kinder im Schwimmbad abgegeben haben, „die verzweifelt versuchten, über Wasser zu bleiben“. Andere Eltern, die zwar mit ihren Kindern im Schwimmbad gewesen wären, hätten ihre Kinder wiederum nicht beaufsichtigt.

Erftstadt: Kinder müssen Bronze-Abzeichen vorweisen, um allein ins Freibad zu kommen

Wenn das Becken voll sei mit 150 oder 200 Leuten, könne man nur schwer unterscheiden: „Wer macht Quatsch und wer hat ein wirkliches Problem beim Schwimmen und geht mir gerade unter?“ Vergangenes Jahr habe man zweimal jemanden aus dem Wasser holen müssen, sagt Busch.

„Wir wollen niemanden bestrafen, diskriminieren oder ausschließen“, betont Keil. Wenn es möglich sei, könne man auch Prüfungen im Freibad Kierdorf abnehmen lassen. „Das setzt aber voraus, dass die Kinder auch wirklich sicher schwimmen können. Und das ist sehr, sehr auffällig in den letzten Jahren gewesen, dass das eben nicht der Fall ist.“

Ein Junge steht mit einem Bronzeabzeichen auf der Badehose am Beckenrand.

Kinder dürfen allein nur mit Nachweis des Bronzeabzeichens ins Freibad Kierdorf kommen. (Symbolbild)

Im Schwimmbad „ist es teilweise wirklich auch lebensgefährlich, wenn die Kinder nicht schwimmen können“, warnt Keil. Die Vorsitzenden appellieren daher: Es sei Aufgabe der Eltern, ihre Kinder zu beaufsichtigen. „Es ist nicht unsere Aufgabe, auf die Kinder aufzupassen, sondern wir sind dafür da, in Notfällen einzugreifen“, so Busch: „Die Aufsichtspflicht hört nicht an der Freibadtür auf.“

An einem Alter festmachen wolle er die Regelung nicht, so Keil. „Es gibt auch Erwachsene, die nicht schwimmen können.“ Busch sagt: „Uns geht es um die Sicherheit der Kinder.“

Im Hallenbad in Liblar gibt es solche Regelungen aktuell nicht, sie seien kurzfristig auch nicht geplant, teilt der Betriebsleiter des Eigenbetriebs der Stadtwerke Erftstadt, Roland Klinkhammer mit.

Aktuelle Debatte hat auch in Brühl Überlegungen angestoßen

Fabian Richartz, Badleiter im Brühler Karlsbad, erklärt, die jüngste Diskussion habe auch in Brühl Überlegungen angestoßen. Noch könnten bereits Siebenjährige unbegleitet ins Bad kommen. Die Sorge vor Unfällen wachse jedoch, „weil es eben nicht mehr selbstverständlich ist, dass Kinder schwimmen können“, so Richartz.

Schwimmabzeichen zu kontrollieren, hält er aber für schwierig. Und Richartz weist auf ein weiteres Problem hin: Oftmals seien die Eltern zwar mit im Bad, doch sie achteten nicht auf ihre Kinder. „Wir haben nun Plakate angebracht, um die Eltern zu sensibilisieren“, erklärt er. Letztlich sei der gesunde Menschenverstand der Mütter und Väter gefragt. Diese müssten wissen, was sie ihren Kindern zutrauen dürfen und was nicht.

Die Stadt Bedburg hat sich mit dem Thema bereits intensiv beschäftigt und die Regelungen vor dem Start der Freibadsaison 2025 noch einmal angepasst, so der stellvertretende Pressesprecher Nico Schmitz. Eine generelle Pflicht zum Nachweis des Bronze-Abzeichens für unbegleitete Kinder gebe es derzeit nicht. Kinder bis zum vollendeten siebten Lebensjahr dürfen das Freibad nur in Begleitung einer geeigneten volljährigen Aufsichtsperson besuchen.

Bedburg: Regelung gibt es bereits im Monte Mare für unbegleitete Kinder ab zehn Jahren

Im Monte Mare in Bedburg müssen unbegleitete Kinder und Jugendliche ab zehn Jahren beim Eintritt mindestens das Bronze-Abzeichen und einen Kinder- oder Schülerausweis vorlegen. Ab 16 Jahren kann man ohne Auflagen ins Hallenbad.

In Hürth gibt es eine solche Auflage nicht, sie sei auch nicht geplant, teilt Pressesprecherin Martina Thiele-Effertz mit. Der Bäderbetrieb habe sich jedoch bereits mit dem Thema befasst. „Ein Schwimmabzeichen stellt keine Garantie für Sicherheit dar.“ Auch Kinder mit Schwimmabzeichen könnten etwa aufgrund von gesundheitlichen Problemen oder Selbstüberschätzung in Not geraten. „Die Erfahrung zeigt, dass Kinder und Jugendliche, denen der Zutritt zum Freibad verwehrt wird, häufig auf unbewachte und deutlich gefährlichere Gewässer wie Baggerseen oder Flüsse ausweichen.“

Auch Pulheim plant derzeit nicht, eine solche Regelung einzuführen, wie Stadtsprecherin Ruth Henn mitteilt. Die Aufsichtspflicht liege grundsätzlich bei den Eltern beziehungsweise bei Begleitpersonen. 

In Frechen ist das Terrassenfreibad seit Mai 2023 wegen Sanierung geschlossen. Für das Hallenbad „fresh-open“ gilt, dass Kinder ab sieben Jahren unbegleitet ins Schwimmbad kommen können. Sie und ihr Team würden die aktuellen Diskussionen und Entwicklungen zu den Zugangsregeln genau beobachten und diskutieren, berichtet Nicole Bielau, Leiterin des Eigenbetriebs Bäder der Stadt Frechen.

Sie fürchtet eine „Scheinsicherheit“ durch die Regel mit dem Bronze-Abzeichen für Kinder – es gebe zunehmend Jugendliche und Erwachsene, die nicht schwimmen könnten. Zudem sei das Handling schwierig: „Wenn eine Gruppe von fünf Kindern kommt, nur zwei haben das Abzeichen, sollen wir dann die anderen drei einfach nach Hause schicken?“

Wer noch kein Bronze-Abzeichen hat, kann die Prüfung in Absprache mit der Freibadinitiative in Kierdorf ablegen. Interessierte können sich an der Kasse, bei Willi Keil (01522/5637632) oder per E-Mail melden.

Freibad-Kierdorf@outlook.de


Das Bronze-Abzeichen

Das Deutsche Schwimmabzeichen Bronze (Freischwimmer) umfasst nach Angaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Theorie und Praxis. Die theoretische Prüfung umfasst die Kenntnis von Baderegeln, die praktische Prüfungsleistung beinhaltet einen Sprung kopfwärts vom Beckenrand und 15 Minuten Schwimmen (mindestens 200 Meter, davon 150 Meter in Bauch- oder Rückenlage in einer erkennbaren Schwimmart und 50 Meter in der anderen Körperlage).

Außerdem muss man einmal etwa 2 Meter tief tauchen und etwa einen Tauchring heraufholen. Ein weiterer Teil der Prüfung ist ein Paketsprung vom Startblock oder vom Einmeterbrett. (eva)