Erst im März dieses Jahres hatte der Neubau des Dorfgemeinschaftshauses begonnen. Inzwischen ist der Rohbau fertig.
„Friesheimer Seele“Neues Dorfgemeinschaftshaus in Erftstadt feiert Richtfest

Der Richtkranz weht über dem neuen Friesheimer Dorfgemeinschaftshaus.
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Die Tage der Improvisationen sind gezählt: Im Frühjahr 2027 soll nach nur einem Jahr Bauzeit das neue Zuhause der Dorfgemeinschaft in Friesheim bezugsfertig sein. Davon geht jedenfalls der zuständige Architekt Marius Korb aus. Nun wurde aber erst einmal Richtfest gefeiert.
„Wir geben hier mit diesem Haus einem ganzen Dorf ein Stück Zuhause zurück“, betonte Bürgermeisterin Carolin Weitzel. Einmal mehr unterstrich sie in ihrer Festrede auch, dass ein solches Haus von den Menschen lebe, aber auch einen Motor wie die KG 1911 brauche. In diesem Zusammenhang lobte sie die zuständigen KG-Vorstandsmitglieder auch dafür, dass sie nach der Fertigstellung sämtliche Abläufe im neuen Dorfgemeinschaftshaus selber managen.
Erftstadt: Die Flut hatte sich 2021 auch das „Alte Gasthaus“ genommen
Weitzel erinnerte aber auch noch einmal an die Flut im Juli 2021, als der Rotbach über seine Ufer trat und auch in Friesheim Zerstörung und Verzweiflung zurückließ. Auch das „Alte Gasthaus“ hatte sich die Flut genommen. Keller und Erdgeschoss liefen damals voll Wasser. Die Flut zerstörte das komplette Inventar.
Für die Stadtentwicklung und allen voran für den Leiter der Stabsstelle Wiederaufbau, Gerd Schiffer, stand schnell fest: Die Schäden an der Bausubstanz des Gebäudes waren einfach viel zu groß. Im September 2025 wurde das „Alte Gasthaus“ abgerissen. Im März 2026 begann der Neubau. „Und jetzt ist der Rohbau schon fertig“, zeigte sich auch Schiffer von der Geschwindigkeit der beauftragten Unternehmen beeindruckt.
Ortsbürgermeister Stephan D. Bremer hob in seiner Ansprache hervor, dass es vor allen Dingen Robert Niederprüm als Vorsitzendem der Dorfgemeinschaft zu verdanken sei, dass dieser Neubau so überhaupt gebaut werden konnte. „Niederprüm hat sich gemeinsam mit den Vereinen um das notwendige Betreiberkonzept gekümmert“, erklärte Bremer.
Konzept war Voraussetzung, damit Fördermittel der Stadt freigegeben werden konnten
Dieses Konzept sei eine zwingende Voraussetzung dafür gewesen, damit die Fördermittel der Stadt Erftstadt freigegeben werden konnten. Und mit Blick auf den Rohbau merkte Bremer auch an, dass dieser Rohbau alles andere sei als ein „gewöhnlicher Rohbau aus Mauersteinen“.
„Was hier vor unseren Augen entsteht, ist das neue Fundament unserer Friesheimer Seele“, erklärte er. In einem kurzen Abriss stellte Bremer dann auch das „Alte Gasthaus“ vor: Er erzählte, dass die Gastwirtschaft 1846 als Heimat für Geselligkeit eröffnet wurde. 50 Jahre später, um 1896, sei der große Veranstaltungssaal dazu gekommen – der Friesheimer Kaisersaal. Er habe das gesellschaftliche Leben Friesheims für immer veränderte.
„Hier schlug das jecke Herz unseres Ortes“, sagte er. Und im Karneval habe sich dort ein ganzes Dorf schunkelnd in den Armen gelegen. „Die Flutkatastrophe hat uns diesen Ort auf grausamste Weise entrissen“, erklärte Bremer. Doch den Zusammenhalt, die Musik und den Geist Friesheims habe die Flut nicht mitreißen können.
Davon ist auch die Vorsitzende der KG 1911, Marei Wirtz, überzeugt. Sie prophezeit ein Haus voller Lebendigkeit und Leben, in dem das Herz Friesheims weiter schlagen wird und der Zusammenhalt und der Geist Friesheims immer zu spüren ist.
Vertreter von fast allen Friesheimer Vereinen waren zum Richtfest gekommen. Und sie alle freuten sich und applaudierten den Rednern, aber auch dem Zimmermann Daniel Münch, der voller Freude hoch vom Gerüst des Neubaus verkündete: „Der Bauherr und die Dorfgemeinschaft, sie sollen leben: Hoch! Hoch! Hoch!“
Noch viel zu tun
Noch gibt es viel Arbeit mit dem Innenausbau des rund 240 Quadratmeter großen Neubaus und der Kernsanierung des alten Dorfsaals, der auch ein neues Dach bekommen soll. Im Erdgeschoss entstehen ein Gastraum, eine Küche und sanitäre Anlagen – im ersten Obergeschoss werden weitere Probe- und Versammlungsräume angeordnet. Schließlich gibt es in Friesheim etwa zehn Vereine.
Der Neubau bekommt auch eine PV-Anlage aufs Dach. Geheizt wird mit einer Wärmepumpe. Erhalten bleibt hingegen die kurz vor der Flut neu eingebaute Luftwärmepumpe im Festsaal. Das komplette Bauvolumen bezifferte Schiffer auf rund 3,14 Millionen Euro. (mkl)
