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Nach Remondis-SpendeVerein stellt Bauantrag für Begegnungsstätte in Erftstadt-Liblar

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Bisher nur ein Plan, 2027 soll die Begegnungsstätte an der Radmacherstraße in Erftstadt-Liblar Realität werden.

Bisher nur ein Plan, 2027 soll die Begegnungsstätte an der Radmacherstraße in Erftstadt-Liblar Realität werden.

Das Gelände samt Flüchtlingsunterkünften war bei der Flut 2021 zerstört worden. Nun soll ein Ort der Begegnung für alle Menschen entstehen.

Der Verein „Begegnungsstätte Rote Funken/Radmacherstraße“ reicht am Samstag (26. September) den Bauantrag für das Begegnungshaus an der Radmacherstraße in Erftstadt ein. Nach Prüfung und Freigabe durch die Stadt beginnen die Bauvorbereitungen des zentralen Hauses in der Flüchtlingsunterkunft. Das Haus wird 2027 fertiggestellt, eingeweiht und in Nutzung genommen.

Die Entscheidung für den Baubeginn ist nach einer weiteren großen Spendenzusage gefallen: Das in Erftstadt seit vielen Jahren aktive Entsorgungsunternehmen Remondis unterstützt den Verein mit einer Spende. Damit ist nach Angaben von Vorstandsmitglied Damian van Melis die nötige Bausumme erreicht. Remondis hatte sich nach der Flut 2021 sehr stark für die Überwindung der Schäden engagiert.

Zusammenarbeit von Roten Funken, Ehrenamtlichen, Kirchengemeinden und Stadtverwaltung

Dieser Erfolg sei das Ergebnis einer mehrjährigen Zusammenarbeit und Spendensammlung von Roten Funken, Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit und in den Kirchengemeinden in Erftstadt sowie der Stadtverwaltung, sagt Damian van Melis im Namen des Vereins: „Wir danken den vielen Groß- und Kleinspendern für ihr Geld und ihr Engagement und freuen uns dabei sehr, dass unsere Ausgangsidee einer reinen Begegnungsstätte von vielen Einrichtungen im Rhein-Erft-Kreis aktiv aufgegriffen und weiterentwickelt wurde.“

Dadurch werde das Haus über die geplante Nutzung für Koch-, Nachhilfe- oder Sprachkurse, für Karnevals- und Musikveranstaltungen, für Gruppen- und Beratungsgespräche etc. auch zu einem Ort der Katastrophenhilfe und Krisenprävention.

Jörn Tüffers sprach mit Nicolas Müller über weitere Hintergründe für das Engagement von Remondis für das Projekt in Liblar. Müller ist Niederlassungsleiter Rhein-Erft sowie Bonn/Rhein-Sieg-Ahr.

Wie haben Sie von dem Projekt erfahren?  

Nicolas Müller: Als Niederlassungsleiter im Rhein-Erft-Kreis und aufgrund der hervorragenden Vernetzung der Geschäftsleitung hier in der Region wurden wir direkt von einem Vorstandsmitglied des Vereins „Begegnungsstätte Rote Funken/Radmacherstraße“ angesprochen. Erst über diese Kontaktaufnahme haben wir von diesem Projekt und Bauvorhaben erfahren. Die Existenz des Flüchtlingsdorfes und die nahezu vollständige Zerstörung durch die Flutkatastrophe 2021 waren uns hinreichend bekannt; auch der gelungene Wiederaufbau; doch die Planung und Umsetzung für diese Begegnungsstätte waren uns neu.

Nicolas Müller ist Remondis-Niederlassungsleiter Rhein-Erft sowie Bonn/Rhein-Sieg-Ahr.

Nicolas Müller ist Remondis-Niederlassungsleiter Rhein-Erft sowie Bonn/Rhein-Sieg-Ahr.

Was hat Sie dazu bewogen, das Begegnungshaus zu unterstützen?

Die Region Stadt Erftstadt und der Rhein-Erft-Kreis sind für die Remondis GmbH & Co. KG // Region Rheinland und für unser Tochterunternehmen Reterra Service GmbH von enormer Bedeutung. Diese hängt nicht nur an den laufenden Verträgen mit Stadt und Landkreis, sondern auch an der sehr guten und partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Privatwirtschaft und öffentlicher Hand. Zudem betreiben wir unser Verwertungszentrum „VZEK“ mitten in der Region. Dort werden der gesamte Hausmüll, Sperrmüll und die Bioabfälle des Rhein-Erft-Kreises stofflich verwertet. Zusätzlich gehören noch eine Sortieranlage für Leichtverpackungen – damit meine ich gelbe Tonnen und gelbe Säcke – und eine Aufbereitungsanlage für Ersatzbrennstoffe – die zur CO₂-Reduktion bei der Herstellung von Zement eingesetzt werden – zum Anlagenkomplex.

Warum hat dieses Projekt aus Ihrer Sicht so viel Charme?

Die Vision und die Idee hinter diesem Projekt haben uns überzeugt. Außerdem ist das Flüchtlingsdorf Sinnbild für gelungene Integration und gelebte Mitmenschlichkeit – und das seit mehr als drei Jahrzehnten. Mit der Errichtung des Begegnungshauses wird nun ein Verstärker gesetzt, der hilft, die Betreuung zu intensivieren und die Menschen nachhaltiger zu integrieren. Mit der Mitnutzung der Begegnungsstätte durch die Stadtgesellschaft selbst eröffnet sich ein geschützter Raum für den intellektuellen und kulturellen Austausch.

Welchen Stellenwert genießt das Sponsoring bei Remondis?

Zunächst sind wir – trotz unserer Unternehmensgröße – ein mittelständisch geprägtes Familienunternehmen und Sponsoring definieren wir als Beitrag zu sozial-gesellschaftlich relevanten Themen – insbesondere in den Regionen, wo Privatwirtschaft und die öffentliche Hand gemeinsame Wege gehen. Neben unserer Verantwortung für Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft übernehmen wir an vielen Stellen genau diese gesellschaftlich-soziale Verantwortung, indem wir Vereine, kulturelle Institutionen und Veranstaltungen finanziell oder materiell unterstützen. Dieses gesellschaftliche Engagement dient keinem Selbstzweck, sondern ist Ausdruck eben dieser Verantwortung in und für die Region Rheinland. Hier folgen wir nicht dem „Gießkannenprinzip“, sondern einer übergeordneten Strategie.

Im Modell und auf dem Papier ist die neue Begegnungsstätte schon fertig.

Im Modell und auf dem Papier ist die neue Begegnungsstätte schon fertig.

War es intern schwierig, Zustimmung dafür zu gewinnen?

Nein. Denn wir haben in einem Termin vor Ort und im nachfolgenden Austausch die Initiatoren dieses Bauvorhabens und ehrenamtlich Aktiven kennenlernen dürfen. Die dort vor- und dargestellte Herangehensweise und das enorme Engagement all dieser Menschen waren beeindruckend, bewegend und ansteckend zugleich. Nachhaltigkeit ist ein Teil unserer DNA und dieses Projekt ist ein auf einen langen Zeitraum ausgelegtes.

Sie beteiligen sich mit einem erheblichen Betrag an dem Projekt. Wie lässt sich die Summe einordnen im Vergleich zu anderen Projekten?

Tatsächlich waren unsere finanziellen Engagements bisher deutlich kleinteiliger. Dies liegt im Umstand begründet, dass es in unserer Region viele unterstützungswürdige Institutionen, Vereine und Projekte gibt. Als Einzelmaßnahme ist dieses Engagement in dieser Höhe schon bemerkenswert und als „solitär“ zu betrachten. Bei dieser Summe handelt es sich um einen nennenswerten Prozentsatz unserer jährlichen Ausgaben für Spenden und Sponsoring.

Bitte nennen Sie Beispiele für andere Projekte im Rhein-Erft-Kreis, die Remondis unterstützt hat oder noch unterstützt.

Die Region Rheinland erstreckt sich vom Nürburgring bis zum Niederrhein und vom Dreiländereck bis ins Sauerland. Darin eingebettet sind die Ballungsgebiete rund um Bonn, Köln, Neuss und Düsseldorf. Für diese Region zeichnen wir verantwortlich und sind bestrebt, unserem gesellschaftlich-sozialen Engagement in der gesamten Region Rechnung zu tragen. Auch wir können das Geld nur einmal ausgeben und setzen interne Kriterien an, um eine Unterstützung zu leisten oder auch abzulehnen. Wir unterstützen in dieser Region jährlich Vereine und kulturelle Einrichtungen. Ein Einzelprojekt dieser Größenordnung haben wir im Rhein-Erft-Kreis bisher allerdings noch nicht unterstützt.

Der Ehrenpräsident der Roten Funken, Heinz-Günter Hunold (r.), und der  Schatzmeister des neuen Vereins, Peter Pfeil, unterschrieben Anfang 2025 das Protokoll zur Gründung des neuen Vereins.

Der Ehrenpräsident der Roten Funken, Heinz-Günter Hunold (r.), und der  Schatzmeister des neuen Vereins, Peter Pfeil, unterschrieben Anfang 2025 das Protokoll zur Gründung des neuen Vereins.

Welche Erwartungen verbinden Sie mit der Arbeit, die nach Fertigstellung dort geleistet werden soll?

In allererster Linie muss das Ziel sein, die über Jahrzehnte hervorragende Integrationsarbeit fortzusetzen und den Menschen weiterhin und auch zukünftig das Gefühl zu geben, willkommen zu sein. Dort, wo sich Menschen begegnen, sich annähern, in den Austausch kommen, wird der Korridor für Vorurteile und Hass immer enger. Das Begegnungshaus wird seinen Anteil daran haben, dass sich die Distanz zwischen der Stadtgesellschaft und den Flüchtlingen verringert. Eine gelungene Integration ist dann zu konstatieren, wenn diese nicht nur kulturell und gesellschaftlich, sondern auch beruflich funktioniert.

Wie sieht es bei Ihnen im Unternehmen selbst aus?

Wir selbst beschäftigen Mitarbeitende aus vielen unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen, wie sie eben auch im Begegnungshaus anzutreffen sind. Wir nutzen diese Vielseitigkeit und begreifen sie als Stärke für unser Unternehmen. Und wer weiß, vielleicht gelingt es uns durch dieses Begegnungshaus, künftige Arbeitskräfte für unser Unternehmen zu gewinnen und zu rekrutieren. Alles das setzt etwas Wesentliches voraus, nämlich dass bei den Zuflucht suchenden Menschen der Wille und die Bereitschaft bestehen, unsere Demokratie und unsere Werte zu respektieren und anzuerkennen und nach einer gelungenen Integration zu akzeptieren, anzunehmen und wertzuschätzen.