Abo

Mindestens 134 GeschädigteFrechener Brüder ergaunern mit Masche Zehntausende Euro

2 min

Prozessauftakt in Bonn. (Symbolbild).

Bonn/Frechen – Der Betrugsfall liegt fast sieben Jahre zurück. 2014 sollen zwei Brüder aus Frechen die Idee entwickelt haben, ein amtlich wirkendes Schreiben zu entwerfen und Gewerbetreibende darin aufzufordern, ihre Unternehmensdaten für ein angeblich „Deutsches Firmenregister“ erfassen zu lassen. Um dem Schreiben einen offiziellen Anschein zu geben, hatten die Verfasser ein Logo darüber gesetzt, das entfernt an den Bundesadler oder auch an das Emblem der Europäischen Union erinnerte.

Auf die bundesweit verschickte Aufforderung waren immerhin 134 Adressaten reingefallen, obwohl in dem Fake-Brief geschrieben stand, dass die Eintragung keineswegs Pflicht und auch kostenpflichtig sei. Für die angebliche Onlineregistrierung zahlten die Geschädigten jeweils 400 Euro, dabei soll ein Schaden in Höhe von 60.000 Euro entstanden sein. Bei weiteren 1239 Adressaten blieb es beim versuchten Betrug.

Angeklagter verrät Frechener Männer vor Gericht

Wegen gewerbsmäßigen Betrugs müssen sich die Brüder – 58 und 56 Jahre alt – jetzt vor dem Bonner Landgericht verantworten. Für das Betrugssystem hatten sie laut Anklage eine Aktiengesellschaft gegründet, mit der sie das Internetportal betrieben haben. Als Strohmann machten sie einen 45-jährigen Familienvater zum Vorstandsvorsitzenden, der, als die Strafanzeigen 2015/2016 nur so hagelten, für die Fake-Post verantwortlich gemacht und schließlich wegen gewerbsmäßigen Betrugs angeklagt wurde.

Das könnte Sie auch interessieren:

Aber in dem Prozess im Jahr 2017 – ebenfalls vor dem Bonner Landgericht – trauten die Richter dem eher schlicht wirkenden Angeklagten ein so raffiniertes Betrugssystem nicht zu. „Das ist schon ein ziemliches Hochreck, was da fabriziert worden ist“, hieß es damals. Am Ende räumte der Angeklagte, der in seinem wahren Leben gelernter Industrieschweißer und später auch Türsteher war, die Hintergründe ein und verriet die Brüder als die Drahtzieher. Wegen Beihilfe zum gewerbsmäßigen Betrug bekam der Familienvater eine milde Strafe: ein Jahr und neun Monate Haft mit Bewährung.

Ermittler beschlagnahmen knapp eine Million Euro

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die angeklagten Betrugsfälle nur die Spitze eines Eisbergs sind: Denn als der Fall aufflog, waren die Konten der Bonner Aktiengesellschaft prall gefüllt. Die Ermittler beschlagnahmten damals knapp eine Million Euro. Ein Hinweis, so der Ankläger, dass es zahlreiche Geschädigte geben könnte, die nicht wüssten, dass sie in eine Falle gelaufen seien.

Die Brüder schwiegen am ersten Prozesstag. Der wichtigste Zeuge wird somit der Familienvater sein, der wegen der Erkrankung einer Richterin noch nicht gehört werden konnte. Die beiden Brüder aus Frechen waren bereits vor etwa zehn Jahren wegen vergleichbarer Fälle ins Visier der Staatsanwaltschaft Düsseldorf geraten. Für den aktuellen Prozess sind sechs Verhandlungstage angesetzt.