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Pendeln nach KölnDie Abenteuer eines Frecheners, der mit der KVB zur Arbeit fährt

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Das Bild zeigt den Fahrgast an der Haltestelle, die Gleise neben sich.

Jonathan Nagel an seiner „Heim-“Haltestelle Frechen-Bahnhof.

Jonathan Nagel fährt täglich mit der Stadtbahninie 7 zur Arbeit. Über die KVB-Mobilitätsgarantie ist er mittlerweile gut informiert.

„Ein Abenteuer“ nennt Jonathan Nagel seine werktäglichen Versuche, mit der Stadtbahnlinie 7 zu seiner Arbeitsstelle und wieder nach Hause zu kommen. Verspätungen, Ausfälle, aber vor allem fehlerhafte Anzeigen ärgern ihn.

Im Oktober 2025 hatten die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) ihre Kundeninformation im gesamten Netz auf digitalen Betrieb umgestellt. Das Versprechen: Den Fahrgästen sollten nun überall die gleichen Echtzeitdaten zu ihrer Fahrt zur Verfügung gestellt werden.

Frechen: Anzeigetafeln an der Haltestelle ein Rätsel

Dass die Informationen auf Anzeigetafeln, in der App und auf den Websites sechs Monate nach der Einführung weiter so unzuverlässig seien, „raubt mir jedes Verständnis“, so Nagel.

Nagel, 36 Jahre alt und Inhaber eines Deutschlandtickets, pendelt zwischen den Haltestellen Frechen-Bahnhof und Aachener Straße/Gürtel in Köln. Morgens, am Frechener Bahnhof, rätselten Fahrgäste oft, auf welcher Seite die Bahn Richtung Köln denn abfahre, sagt Nagel. Auf dem Weg zurück macht er immer wieder ärgerliche Erfahrungen mit der digitalen Information.

Fotos von einem Abend im März dokumentieren, dass eine Bahn, die laut Fahrplan um 19.35 Uhr abfahren soll, nicht auf der Tafel erscheint - weder als verspätet noch als ausfallend. Kein Einzelfall, so Nagel.

Bestens mit der Mobilitätsgarantie der KVB vertraut

„Dass sich eine Bahn verspätet, ist an sich nicht so schlimm. Aber wenn sie gar nicht genannt wird oder ewig für in zwei Minuten angekündigt wird und irgendwann einfach von der Anzeigetafel verschwindet, ist das total ärgerlich.“

Die Performance und der Fahrtakt nach Frechen seien einer Metropolregion nicht würdig. Bei Verspätungen von mehr als 20 Minuten ab Abfahrtshaltestelle oder bei Ausfällen greift die Mobilitätsgarantie der KVB. Das bedeutet: Fahrgäste dürfen ein Taxi, einen Sharing-Dienst oder einen Zug nutzen.

Die Kosten bekommen sie bis zu einer bestimmten Höhe erstattet. „Ich könnte meine Wohnung mit Taxi-Quittungen tapezieren“, sagt Nagel. Seiner Vorstellung von ÖPNV entspreche es ohnehin nicht, den Individualverkehr nutzen zu dürfen. Außerdem reichten die maximal 30 Euro, die für eine Fahrt tagsüber erstattet würden, nicht für die knapp zehn Kilometer von Frechen-Bahnhof bis zu seiner Arbeitsstelle.

Rhein-Erft-Kreis sieht keine gravierenden Ausfälle

Schon vor der Einführung der digitalen Kundeninformationen und kurz danach hatte sich Nagel mehrfach an verantwortliche Stellen gewandt, um auf Ausfälle und Verspätungen der Linie 7 hinzuweisen: an die KVB und das Amt für Öffentlichen Personennahverkehr und Regionale Mobilität des Rhein-Erft-Kreises.

Der Kreis zahlt dafür, dass die KVB Stationen auf seinem Gebiet bedienen. Auf Nachfrage dieser Redaktion teilte die Pressestelle des Rhein-Erft-Kreises mit: „Zusammengefasst zeigen die Daten für das zweite Halbjahr 2025, dass auf der Linie 7 keine gravierenden Ausfälle stattgefunden haben.“ Dennoch soll ein Gespräch mit der Stadt Köln und den KVB stattfinden, wahrscheinlich im April oder Mai.

KVB spricht von absehbaren Fehlern

Die KVB, auf Nagels Erfahrungen im März angesprochen, konnten zu Problemen mit der Fahrgastinformation speziell auf der Linie 7 Richtung Frechen nichts sagen. Matthias Pesch, Leiter Unternehmenskommunikation, verwies auf eine allgemeine Stellungnahme.

Dort heißt es: „Dass nach Inbetriebnahme des Gesamtsystems Fehler auftreten und Nacharbeiten nötig sein würden, war von vornherein absehbar und wurde transparent kommuniziert. Nach wie vor ist es nun die Aufgabe der internen Experten und extern eingebundener Auftragnehmer, auftretende Fehlerbilder kontinuierlich zu analysieren und Fehlerquellen auszuschalten. Die von Ihnen geschilderten Beobachtungen sind auf diese Fehler zurückzuführen.“

Jonathan Nagel fährt weiter mit der Bahn. Und er will weiter nachhaken, damit der ÖPNV zuverlässiger wird. Selbst wenn er seine Mails an die KVB und den Rhein-Erft-Kreis mittlerweile „mit erschöpften“ oder „sehr, sehr müden Grüßen“ unterschreibt.