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Mein LieblingsplatzHier kommt der Frechener Karnevalist Udo Müller zur Ruhe

4 min
Zu sehen ist Udo Müller an einem Weiher.

Hier kann er durchatmen – Udo Müller hat seinen Lieblingsplatz am idyllischen Mahlweiher in Bachem gefunden.

Udo Müller, langjähriger Puppenspieler im Hänneschen-Theater und zukünftiger Prinz im Frechener Karneval, liebt die Stille am Mahlweiher.

Udo Müller hat Wurzeln geschlagen. Nicht, weil der gebürtige Kölner hier am Mahlweiher schon so lange sitzt. An diesem kleinen, idyllischen Mühlenteich neben der Wilmaruskapelle, umgeben von Waldwegen, Alleen und Pferdeweiden. „Seit 30 Jahren lebe ich jetzt hier, hier sind alle meine Freunde, hier habe ich Wurzeln geschlagen. Frechen ist meine Heimat geworden“, bekennt er und strahlt.

Beim Bachemer Fischerfest hatte der 65-Jährige einst die Idylle am Mahlweiher mit der Kapelle kennen und schätzen gelernt. Sie habe ihn an eine Wallfahrtskapelle auf einem Berg auf Mallorca erinnert, auch ein Lieblingsort von Udo Müller. Er bekennt: „Der Beruf als Puppenspieler ist wunderschön, hat mich aber auch jahrelang sehr vereinnahmt. Ständig habe ich über Stücken gebrütet, es war kaum etwas anderes in meinem Kopf.“

Frechen: Wenn der Kopf nach Antworten sucht, hilft der Weiher

Seit vielen Jahren kommt er daher immer wieder an seinen Lieblingsplatz am Mahlweiher, wenn der Kopf nach Antworten sucht und er Klarheit und Ruhe braucht. Früher war es die Ruhe vor dem nächsten Ansturm im Kölner Hänneschen-Theater. Udo Müller war dort 32 Jahre aktiv, spielte bis 2023 den Tünnes, der mit der Zeit ein Teil von ihm wurde. Als stellvertretender Intendant schrieb er 62 Theaterstücke, darunter auch Kinderstücke wie „Die Knollendorfer im All“. Viele davon inszenierte er selbst.

Udo Müller ist ein Original, vielseitig, fröhlich und auch als Moderator und Sänger auf der Bühne gefragt. Ein turbulentes Leben, da braucht es gelegentlich Momente zum Durchatmen und Innehalten. „Manchmal muss ich dann auch in den Kölner Dom“, verrät er. „Raus aus dem Trubel auf der Domplatte, rein in die Stille des Doms.“ Noch lieber sitzt er hier auf einer Bank am Mahlweiher, beobachtet die Enten im Mühlenteich, lauscht dem Plätschern der Quelle oder schaut sich die Wilmaruskapelle und den Brunnen an.

Zu sehen ist die Wilmaruskapelle am Mahlweiher.

Von der Wilmaruskapelle hat man einen Blick auf den idyllischen Mahlweiher.

So wie 2000 Jahre vor ihm die Römer. Sie hatten das Wasser des Bachemer Baches aufgefangen und in die Hauptleitung nach Köln geleitet. Dem Quellwasser schrieb man Heilkraft gegen Augenleiden und Hautkrankheiten zu. Ein Foto zeigt den Brunnen, den „Wimaruspütz“, im Jahre 1888 beim Pilgerausflug einer vornehmen Kölner Gesellschaft.

Udo Müller kommt an das Quellwasser nicht mehr heran, ein Gitter schützt heute den Brunneneingang. Aber darum geht es ihm auch gar nicht. „Als meine Mutter starb, habe ich oft hier gesessen und über den Kreislauf des Lebens nachgedacht“, sagt Udo Müller bewegt. „Sie ist im Kölner St.-Hildegardis-Krankenhaus verstorben. In diesem Krankenhaus wurde ich geboren.“ Er schaut eine Weile nachdenklich auf die spiegelglatte Wasseroberfläche des Weihers.

Doch der Humor hat ihn nie verlassen. Udo Müller war Senator bei der Prinzengarde und Mitglied der Altstädter, gehört der GV Freundschaft Hücheln an. „‚Einmol Prinz zo sin‘, davon habe ich in Köln kaum zu träumen gewagt“, verrät er. In Frechen habe man ihn das gefragt. Er, Prinz im Frechener Dreigestirn? Udo Müller konnte es kaum glauben, dachte einige Wochen am Mahlweiher darüber nach und sagte schließlich gerührt zu.

„Jetzt freue ich mich wirklich sehr auf die kommende Session und bin stolz, dass ich das machen darf“, gesteht er. Das Motto: „Mer losse de Poppe danze“. Das passt. Auch an seinem Lieblingsort hat Udo Müller immer wieder überraschende Begegnungen. Mit dem Bollerwagen voller Limo, Bier und Wein war kürzlich eine Gruppe junger Männer der Stadtgarde Grün-Weiß zum Mahlweiher gezogen. Als sie Udo Müller auf der Bank erblickten, riefen sie: „Ne, watt macht de Tünnes für e Jeseech?“ Udo Müller musste lachen und bekam ein Glas Pfälzer Weinschorle. „Darum ist das hier mein Lieblingsort“, erklärt er. I„ch komme zur Ruhe, kann nachdenken und durchatmen. Und ich gehe immer zufriedener nach Hause, als ich gekommen bin.“


Für die eine ist es der Friedhof, für den anderen ein Sportplatz oder ein verstecktes Wegekreuz – ganz individuell fällt die Wahl des Lieblingsplatzes im Kreis aus. In jeder Ausgabe während der Sommerferien stellen wir mit der Serie „Mein Lieblingsplatz“ einen Ort in den zehn Kommunen vor, der für einen Menschen eine besondere Bedeutung hat, und laden zur Entdeckungstour ein. Am Dienstag, 1. September, stellt Paul Pesch in der letzten Folge unserer Serie die Musikschule in Frechen vor. (red)