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„Die gute Seele“Seit fast 50 Jahren kümmert sich Erika Blum um „ihre Jungs“ von Frechen 20

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Auf dem Bild ist eine ältere Dame im Trikot zu sehen, die von Fußballspielern umringt ist.

Ein Erinnerungsfoto mit „ihren Jungs“ von vor rund zehn Jahren zeigt Erika Blum inmitten der 1. Herrenmannschaft, für die sie seit Jahrzehnten aktiv ist.

Seit fast 50 Jahren unterstützt Erika Blum die SpVg Frechen 20 mit viel Einsatz. Die Arbeit für „ihre Jungs“ habe immer Spaß gemacht, so die 86-Jährige.

Bis zu seinem unerwarteten Tod im August 2025 war der 89-jährige Peter Blum mindestens einmal in der Woche mit einer besonderen Mission mit seinem Auto unterwegs: Der Bachemer machte sich auf den Weg zu den Sportanlagen am Kurt-Bornhoff-Sportpark. Mit an Bord hatte er frisch duftende Trikotsätze, saubere Stutzen und Leibchen – die komplette 1. Herrenmannschaft der SpVg Frechen 20 konnte wieder ordentlich eingekleidet auflaufen.

Die frische Wäsche war das rührige Werk seiner Frau Erika, die seit ihrem Renteneintritt im Jahr 2000 drei Waschmaschinen-Ladungen pro Woche für die Fußballer aufsetzte, die Wäsche sortierte und sorgsam faltete. „Wenn mal jemand anders gewaschen hat, waren die Jungs nicht so ganz zufrieden“, erzählt die 86-Jährige stolz. „Es hieß immer: Bei dir ist das aber alles ordentlicher.“ 

Frechen: Knapp 4000 Mal die Waschmaschine angestellt

Noch bis kurz vor Weihnachten des vergangenen Jahres erledigte die Mutter dreier Töchter und Großmutter von sechs Enkeln die Wäsche nach Heim- und Auswärtsspielen – bis sie eine Sehnenverletzung an der Schulter bis heute zu einer Pause zwang. Knapp 4000 Mal hat Blum somit in den vergangenen 25 Jahren die Waschmaschine für die Fußballer durchlaufen lassen und die Trikotpakete fertig gestellt.

Auf dem Bild ist eine ältere Dame mit einer Urkunde zu sehen.

Die 86-jährige Erika Blum engagiert sich seit Jahrzehnten in der „Familie“ des Fußballvereins Frechen 20.

Die großen Wäscheberge sind jedoch nur ein kleiner Teil des ehrenamtlichen Engagements, das Erika Blum dem Sportverein seit fast 50 Jahren widmet: Jeden Sonntag brachte sie jahrzehntelang einen oder zwei Kuchen mit zu allen Spielen der ersten Mannschaft – als besonderer Favorit galten immer ihr Streuselkuchen oder ihre Muffins. Zudem übernahm sie leidenschaftlich und gewissenhaft den Thekendienst bei Heimspielen, bei allen Auswärtsspielen fuhr sie mit.

Auch als Anfang der 2000er Jahre der Verein vor dem Bankrott stand und ihr Mann Peter Blum gemeinsam mit Karl Lambertin als Vorstand einen sechsstelligen Schuldenberg bis 2008 bewältigte, sprang Erika Blum ein: Aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten konnte sich der Verein keine Putzkraft mehr leisten. Neben der vollen Berufstätigkeit als Kassenaufsicht im Kaufhof Weiden und der Familie opferte sie viel Zeit und Kraft, und putzte die Umkleiden und Gemeinschaftsräume des Vereins mal eben selbst. „Ich war einfach das Mädchen für alles, wir wollten den Verein retten“, beschreibt Blum bescheiden ihren Einsatz.

Peter Blum war als „Der weiße Blitz“ bekannt

Immer an ihrer Seite war ihr Mann Peter, der sie mit seiner Leidenschaft für Fußball ansteckte und den Verein für das agile Ehepaar zur zweiten Familie machte. Mit 14 Jahren trat er 1949 in den Frechener Verein ein und machte dort schnell Karriere. Der 1,68 Meter große Verteidiger mit dem Spitznamen „Der weiße Blitz“ spielte erfolgreich in der 1. Mannschaft und war stadtbekannt.

Auf dem alten Schwarz-Weiß-Foto ist ein Fußballer zu sehen.

Als „weißer Blitz“ war der Mann von Erika Blum, Peter Blum, in seiner aktiven Zeit bei Frechen 20 bekannt.

Nach seiner aktiven Zeit durchlief der Elektromeister im Verein alle Positionen, vom Betreuer, Trainer, Förderer bis zum zweiten Vorsitzenden. „Mein Mann war nicht nur an den Wochenenden auf dem Fußballplatz, sondern mindestens auch jeden Dienstag und Donnerstag“, erinnert sich Erika Blum lächelnd. Sie habe selber immer gerne Fußball geschaut, aber nie gespielt.

Mit anderen Spielerfrauen habe sie allerdings einen Kegelclub gegründet, der noch heute besteht:„ Wir saßen alle zusammen, als unsere Männer von einer Mannschaftsfahrt wiederkamen und haben spontan gesagt, dass wir doch auch einmal wegfahren wollen.“ So geht es seit 41 Jahren auf die jährliche Kegeltour, für 2026 steht Lübeck auf dem Programm. „Wir treffen uns immer noch einmal im Monat, früher waren wir zu zwölft, heute sind wir noch sieben Frauen“, erzählt Blum.

Die Verbundenheit mit dem Verein mit derzeit mehr als 500 Mitgliedern zeigte sich auch, als Peter Blum im vergangen Jahr plötzlich verstarb: „Viele der Jungs kamen zur Beerdigung und haben mich getröstet“, erinnert sich die Bachemerin gerührt. Am Vereinsheim sei ein großer Bereich mit Blumen und Sträuchern bepflanzt worden, der nach ihrem Mann benannt worden sei.„ So etwas hatte hier noch keiner“, berichtet sie stolz. Und zu jedem Geburtstag und auch zu Weihnachten kämen Spieler und Ehemalige bei ihr zu Hause vorbei; noch heute werde sie zu jedem Spiel mit dem Auto mitgenommen.

Ich habe immer Spaß gehabt, und mein Mann und ich haben immer alles freiwillig und gerne gemacht
Erika Blum, Ehrenamtlerin bei SpVg Frechen 20

Auch Johannes Paul vom Wirtschaftsrat des Vereins und selber seit 1969 Mitglied, bestätigt: „ Frau Blum ist wahnsinnig beliebt, keiner kann an ihr vorbeigehen, jeder grüßt sie. Alle Spieler kommen immer extra zu ihr, um ‚Guten Tag‘ zu sagen und ihre Hand zu schütteln.“ Trotz ihrer Schulterverletzung würde sie heute noch hinter der Theke Kaffee kochen oder kassieren. „Sie ist immer in der ersten Reihe anzutreffen“, sagt Paul und schmunzelt.

Familiär geht es mit der Fußballtradition sogar weiter: Eine Enkelin ist mit dem aktuellen Toptorjäger der Mittelrheinliga, Patrick Friesdorf-Weber, verheiratet – natürlich spielt er bei SpVg Frechen 20. Das junge Paar hat einen vierjährigen Sohn: „Von Geburt an hatte mein Urenkel ein Trikot des Vereins mit der Rückennummer 17“, erzählt Blum. Er ist einer von neun Urenkeln des Ehepaars Blum und würde jetzt schon jedem Ball hinterherlaufen, weiß die 86-Jährige stolz zu berichten.

Auf die lange Zeit des Engagements im Verein, für das sie mehrfach ausgezeichnet wurde, blickt Erika Blum mehr als zufrieden zurück: „Der Verein ist sehr familiär geworden und hat uns viel gegeben.“ Das Wichtigste sei aber: „Ich habe immer Spaß gehabt, und mein Mann und ich haben immer alles freiwillig und gerne gemacht.“


Die nächste Folge unserer Serie folgt am Samstag, 28. März, und berichtet über Michael Meier vom Verein „Pänz vun Kölle“ aus Erftstadt.