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Mitgründer des GeschichtsvereinsHistoriker Wilhelm Heinz Schröder aus Frechen wird 80 Jahre alt

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Ein Mann in grauem Sakko steht vor einer weißen Wand.

Seinen 80. Geburtstag wird Professor Dr. Wilhelm Schröder in Wien feiern.

Der Mitgründer des Geschichtsvereins feiert am 24. Mai seinen Geburtstag. Er lehrte an verschiedenen Universitäten.

Wie prägend die Erlebnisse und Eindrücke der frühen Lebensjahre sich auf das eigene spätere Leben auswirken, das kann wohl keiner besser erklären als der Frechener Historiker Professor Dr. Wilhelm Heinz Schröder, der an diesem Wochenende seinen 80. Geburtstag feiert. Er wurde am 24. Mai 1946 im fränkischen Mellrichstadt (Kreis Rhön-Grabfeld) geboren.

„Ich entstamme väterlicherseits einer westpreußischen Großbauernfamilie, die nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet und aus Polen vertrieben wurde, und mütterlicherseits einer fränkisch-thüringischen Handwerkerfamilie, die seit den 1870er-Jahren eng mit den Traditionen der deutschen Arbeiterbewegung verknüpft war“, so beginnt der Jubilar seine Biografie.

Sozial und politisch geprägt wurde der junge Wilhelm von seinem „roten“ Großvater, der für ihn bis zum 10. Lebensjahr die Vaterrolle übernahm, da die Eltern 1949 die Rhön in Richtung Köln verlassen hatten, um Arbeit zu finden. Das bürgerschaftliche und politische Engagement seines Großvaters, vor allem dessen Vorliebe für lokales Engagement und Kommunalpolitik, hinterließen bei ihm „Spuren“.

Frechen: Historiker promovierte an der Universität zu Köln

Nach dem Besuch der Volksschule im Heimatort und dem Gymnasium in Köln studierte Wilhelm Schröder in der Domstadt Germanistik und Geschichte und schloss sein Studium 1971 mit dem Staatsexamen ab. 1976 folgte die Promotion an der Universität zu Köln im Fach Geschichte und 1986 die Habilitation an der TU Berlin im Fach Neuere Geschichte.

Als Privatdozent wirkte er zunächst an der TU Berlin, anschließend ab 1993 an der Universität zu Köln, wo er den Bereich Neuere Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der Historischen Sozialforschung vertrat. 1996 wurde er zum außerplanmäßigen Professor berufen. Er nahm Lehraufträge an den Universitäten Berlin (Humboldt-Universität zu Berlin), Bielefeld, Dortmund, Hamburg, Linz und Salzburg wahr. Von 1987 bis zum Renteneintritt 2011 arbeitete er, zuletzt als hauptamtlicher Leiter, am Zentrum für Historische Sozialforschung.

Darüber hinaus gehörte er zu den Gründern diverser Arbeitsgemeinschaften und Kommissionen, die sich mit diesem Themenbereich beschäftigen. Seit inzwischen 51 Jahren ist Wilhelm Schröder als Chefredakteur und Herausgeber seiner Zeitschrift „Historical Social Research“ (HSR) tätig, einer international referierten Zeitschrift, die sich den Bereichen der historisch-sozialwissenschaftlichen Forschung und der empirischen quantitativen sowie qualitativen Sozialforschung widmet.

Zurück zum Menschen Wilhelm Schröder, für den es natürlich auch ein Leben außerhalb des akademischen Bereichs gab und gibt. „Frechen lernte ich 1956 als Junge kennen, denn von dort holte ich mit meinem Vater Briketts bei Bekannten für unsere Kölner Wohnung ab. Ab 1974 war ich dann mit zweitem Wohnsitz bei meiner Mutter dort gemeldet.“ In Frechen, wo der zweifache Familienvater seit seiner Rückkehr aus Berlin im Jahr 1993 fest lebt, engagierte er sich in der Politik und war als Stadtrat für die SPD, vor allem im Bereich Kultur, aktiv.

Kultur lebte er zeitlebens aber auch aktiv: Schon als Kind stand er in Märchen auf der Bühne, in Frechen wirkte er später auch als Schauspieler, Dramaturg und Regisseur am Theater Haus am Bahndamm. Da ihn als Historiker auch die Geschichte seiner neuen Heimatstadt Frechen interessierte, war es kein Wunder, dass er zu den Gründungsmitgliedern des Frechener Geschichtsvereins gehört.

Für seine vielfältigen und langjährigen Verdienste um Politik und Kultur zeichnete ihn die Stadt Frechen 2015 mit der Ehrennadel und im August 2020 mit dem Ehrenring aus. Auch von seiner Geburtsstadt Mellrichstadt wurde er als bedeutender Sohn der Kommune gewürdigt.