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SerieIrene Rygol aus Frechen begleitete schon acht Menschen auf ihrem letzten Lebensweg

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Auf dem Bild ist eine ältere Dame zu sehn, sie trägt eine hellblaue Bluse.

Irene Rygol engagiert sich als ehrenamtliche Sterbebegleiterin im Verein "Hospiz in Frechen".

Seit 2019 engagiert sich die 75-Jährige in dem Verein „Hospiz in Frechen“. 2024 verlor sie selber einen ihrer beiden Söhne. 

Mitten im Dezember flatterte ein Schmetterling durch die Kirche, in der der Enkel von Irene Rygol gefirmt wurde. Er setzte sich auf ihre Kirchenbank und flog mit nach vorne, als der Junge zum Altar ging. Für die 75-Jährige ist ganz klar: „Das war ein Zeichen meines Sohnes, seines Onkels.“ Dieser war ein Jahr zuvor im Alter von nur 46 Jahren einen plötzlichen Herztod gestorben, und die zweifache Mutter ist sich sicher: „Er wollte einfach mit dabei sein.“

Der Tod ist seit siebeneinhalb Jahren ein ständiger Begleiter in dem Leben der agilen Rentnerin, nicht nur durch den privaten Schicksalsschlag: Seit Februar 2019 engagiert sie sich als Ehrenamtliche in dem Verein „Hospiz in Frechen“ und begleitet und unterstützt Menschen und ihre Angehörigen auf ihrem letzten Weg. Die Trennung von ihrem Ehemann nach 36 Jahren sei der Auslöser für ihren Einsatz gewesen: „Ich wollte nicht den Kopf in den Sand stecken, das ist nicht mein Ding.“

Frechen: Acht Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet

Als ehemalige Intensivkrankenschwester war ihr klar, dass sie sich um Menschen kümmern wollte. Die Vorbereitungsseminare des Hospizes hätten ihr sehr viel gegeben und ihr Selbstbewusstsein gefördert. Nach zwei Monaten erhielt sie den Kontakt zu ihrer ersten Begleitung: Eine ältere Dame, der sie ungewöhnlich lange, fast viereinhalb Jahre, zur Seite stand. „Ich kannte sie nur unter Chemo. Ich hatte starkes Mitgefühl mit ihr, es hat sich eine Freundschaft entwickelt, und ich denke heute noch an sie“, berichtet Rygol und zeigt liebevoll ein gerahmtes Foto der Frau.

Das Hospiz hat mein Leben sehr positiv verändert. Es ist wichtig, den Menschen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind in so einer Situation
Irene Rygol, Ehrenamtlerin aus Frechen

„Leider konnte ich mich nicht richtig von ihr verabschieden, sie verstarb dann doch plötzlich“, bedauert die 75-Jährige. Besonders tragisch: Nur 14 Tage später ereilte sie morgens der Anruf ihrer Schwiegertochter, dass ihr Sohn tot sei. Rygol musste eine mehrmonatige Pause in der Begleitung machen und besuchte dennoch weiterhin die Gruppensitzungen des Vereins: „Das Hospiz hat mich großartig aufgefangen und mir Zeit und Raum gegeben, mich auszuweinen.“ Auch ihr starker Glaube an Gott und an ein Wiedersehen mit Verstorbenen gebe ihr viel Kraft und Trost, so Rygol, die zuhause eine große Engelsammlung pflegt.

Bis heute hat sie acht Menschen auf dem letzten Weg begleitet, mal über mehrere Monate, mal nur für die letzte Nacht. „Man lacht, man weint miteinander. Es ist ganz wichtig, dass man gut zuhören kann. Man muss große Ohren und eine hohe Sensibilität haben“, analysiert die Frechenerin ihre Tätigkeit. „Das Hospiz hat mein Leben sehr positiv verändert. Es ist wichtig, den Menschen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind in so einer Situation. Viele wissen noch zu wenig von unserer Arbeit.“

Auch Maike Mannuß, Koordinatorin des Hospiz-Vereins, berichtet: „In einer ehrenamtlichen Sterbebegleitung ist die Intensität der zwischenmenschlichen Beziehungen eine ganz besondere und auch besonders intensiv.“ Irene Rygol sei ganz klar eine gute Seele des Hospizdienstes, vor allem auch in ihrer Bescheidenheit.

„Meine Garantie ist abgelaufen. Ich habe fertig!“
Irene Rygol, Frechen, hat den Text ihrer Todesanzeige schon entworfen

Das Soziale liege bei ihnen einfach in der Familie, wertet Rygol zurückhaltend: Ihr Urgroßvater habe sich schon um Alkoholiker gekümmert, ihr ältester Sohn sei bei der Feuerwehr Bergheim und ihr verstorbener Sohn sei Sozialarbeiter gewesen. Auch vor ihrer Hospiztätigkeit war sie stetig im Einsatz für andere aktiv: Sie organisierte Spendenaktionen, gründete einen Turnverein, kochte mit der Jugendfeuerwehr Marmelade, leistete über die Kirche Krankenhaus– und Geburtstagsbesuchsdienste.

Aktuell kümmert sie sich auch um eine 92-jährige Nachbarin, hilft ihr beim Frühstück und kommt dort „zum Quatschen vorbei“. Von ihrem eigenen Tod hat Rygol schon ganz genaue Vorstellungen: „Am liebsten soll mein Sohn mich im Bett oder auf dem Sessel finden. Ich freue mich auf ein fröhliches Wiedersehen mit meinen Liebsten.“

Sie habe schon alles vorbereitet, die Urne sei ausgesucht und die Traueranzeige entworfen. Als Text für ihre Anzeige hat sie sich überlegt: „Meine Garantie ist abgelaufen. Ich habe fertig!“

Nächsten Samstag stellen wir Marcel Kreutz, Betreuer bei der Jugendfeuerwehr des Löschzugs 1 in Erftstadt-Lechenich, vor.


Verein Hospiz in Frechen

Der ambulante Hospizdienst „Hospiz in Frechen e.V.“ begleitet sterbende Menschen sowie deren Angehörige zu Hause und in Pflegeeinrichtungen. Für diese wichtige Aufgabe werden noch Ehrenamtliche gesucht, die etwas von ihrer freien Zeit an hilfsbedürftige Personen verschenken möchten. Sie werden durch eine umfassende Schulung vorbereitet und fachlich begleitet. Weitere Informationen gibt es unter 02234/22854 oder per E-Mail. (aj)

Die Serie

Im Ehrenamt engagiert sich jeder Dritte, und ohne diese Freiwilligen würde so manches nicht laufen: Die Gemeindebibliothek bliebe geschlossen, in der Mensa gäbe es nur trockene Brötchen. Die Liste ließe sich beliebig fortführen. Jeden Samstag würdigen wir mit unserer Serie „Die gute Seele“ das außergewöhnliche Engagement all derer, die sonst eher im Hintergrund als im Rampenlicht stehen. Es sind die stillen Helden des Ehrenamts. (jtü)