Zwei Wasserverbände und RWE bauen in Knapsack gemeinsam eine Anlage zur Verwertung von Schlamm aus kommunalen Kläranlagen. Der Rohbau steht.
KlärschlammIn die Verbrennungsanlage in Hürth werden jetzt 1000 Tonnen Technik eingebaut

Projektleiter Dr. Raimund Lange führte eine der Besuchergruppen über die Baustelle der Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage.
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Die Bauarbeiten für die Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage der Klärschlammverwertung Rheinland GmbH (KVR) auf dem Kraftwerksgelände am Knapsacker Hügel kommen voran. Der Rohbau der Ofenhalle ist abgeschlossen, inzwischen läuft die Montage der Anlagentechnik. Erste Bauteile des Wirbelschichtofens und des Kessels wurden bereits eingebaut. 2028 soll die Anlage fertiggestellt werden.
Zum Bau und Betrieb der Verbrennungsanlage haben der Erftverband, der Wasserverband Eifel-Rur und RWE Power 2024 das gemeinsame Tochterunternehmen KVR gegründet. In der Anlage sollen ab 2029 jährlich bis zu 148.000 Tonnen entwässerter Klärschlamm aus mehr als 70 Kläranlagen thermisch verwertet werden. Die beiden Wasserverbände behandeln im Einzugsgebiet von Erft und Rur das Abwasser von rund 1,85 Millionen Menschen sowie von Gewerbe und Industrie.
Hürth: Klärschlamm wird aus den Kraftwerkskesseln umgeschichtet
Bislang wird der Klärschlamm in den Braunkohlekraftwerken von RWE Power mitverbrannt. Doch mit dem Braunkohleausstieg 2030 endet diese Praxis nach mehr als drei Jahrzehnten. Der Klärschlamm soll deshalb auf Monoverbrennungsanlagen umgeschichtet werden. Die Anlagen schaffen nach Angaben der Projektpartner zugleich die Voraussetzungen für die ab 2029 gesetzlich vorgeschriebene Rückgewinnung von Phosphor aus der Klärschlamm-Asche.
„Eine nachhaltige Wasserwirtschaft braucht verlässliche Entsorgung und Ressourcenschonung“, sagte Prof. Heinrich Schäfer, Vorstand des Erftverbands, beim Richtfest am Dienstag (19. Mai). Joachim Reichert, Vorstand des Wasserverbands Eifel-Rur, betonte: „Das Projekt verbindet Umweltziele mit einer langfristig wirtschaftlichen Lösung für Menschen in der Region.“
Hürth: 1000 Tonnen Stahl wurden für die Anlage verbaut
Als nächste Bauetappe soll bis zum Sommer der Klärschlammbunker fertiggestellt werden. Für den Herbst ist der Einhub der beiden Trockner geplant, die den Wassergehalt des mechanisch entwässerten Klärschlamms weiter reduzieren. Zusammen mit Ofen und Dampferzeuger zählen sie zu den „Herzstücken“ der Anlage. Nach Angaben von Projektleiter Dr. Raimund Lange werden 1000 Tonnen Stahl und weitere 1000 Tonnen an technischer Ausrüstung verbaut. Der Standort war lange eine Brachfläche. Früher standen dort Kesselhäuser und Schornsteine des Goldenberg-Kraftwerks, die im Volksmund als die „zwölf Apostel“ bekannt waren.

Beim Richtfest versammelten sich Vertreter der beiden Wasserverbände, von RWE Power und aus der Politik vor dem Rohbau.
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Neben der KVR-Verbrennungsanlage errichtet RWE Power derzeit noch eine weitere Anlage, die bereits 2027 in Betrieb gehen soll. Beide Verbrennungslinien haben jeweils eine Jahreskapazität von 180.000 Tonnen. Zwei weitere Linien sind laut RWE bereits genehmigt und könnten bei Bedarf errichtet werden. Die Gesamtkapazität der Klärschlammverwertung auf dem Knapsacker Hügel würde damit auf bis zu 720.000 Tonnen jährlich steigen. Nach Angaben von RWE läge dies weiterhin unterhalb der bislang für die Mitverbrennung genehmigten Menge von 900.000 Tonnen pro Jahr.
„Der Bau der neuen Anlagen und die Partnerschaft mit den Wasserverbänden sind wichtige Schritte für die Zukunft des Knapsacker Hügels nach dem Kohleausstieg“, sagte Dr. Lars Kulik, Vorstandsmitglied von RWE Power. „Künftig wird der Schwerpunkt auf Kreislaufwirtschaft, Entsorgungssicherheit und nachhaltiger Energieversorgung liegen.“ Die bei der Verbrennung entstehende überschüssige Energie soll als „grüne Wärme“ an benachbarte Industrieunternehmen und die Stadtwerke Hürth zur Fernwärmeversorgung geliefert werden.
