Das Unternehmen hat eine Vorplanung in Auftrag gegeben und eine Fläche bei RWE reserviert. Ob das Projekt umsetzbar ist, wird noch geprüft.
Kerosin und DieselSynhelion will in Hürth-Knapsack nachhaltigen Kraftstoff herstellen

Die Visualisierung zeigt, wie die geplante Anlage in Hürth einmal aussehen könnte.
Copyright: Synhelion
Auf dem Knapsacker Hügel könnten künftig Kraftstoffe aus erneuerbaren Quellen für Flugzeuge, Schiffe und Autos erzeugt werden. Das Schweizer Unternehmen Synhelion plant auf dem RWE-Gelände am Goldenbergkraftwerk den Bau einer Anlage, die jährlich rund 30.000 Tonnen synthetische Treibstoffe produzieren soll – vor allem Kerosin, aber auch Diesel und Benzin. Noch befindet sich das Projekt allerdings in einer sehr frühen Planungsphase.
Synhelion hat laut Mitteilung eine Fläche auf dem RWE-Gelände in Knapsack reserviert. Der traditionsreiche Energiestandort, der zunehmend auf Anwendungen der Kreislaufwirtschaft ausgerichtet wird, biete gute Voraussetzungen, weil vorhandene Pipelines und andere Infrastruktur genutzt werden könnten. RWE unterstützt das Projekt bei der Standortentwicklung und beim Genehmigungsverfahren.
Hürth: Bedarf an nachhaltigem Kraftstoff in der Luftfahrt steigt
Beim italienischen Anlagenbauer Saipem hat Synhelion nun die Vorplanung in Auftrag gegeben. Dabei wird untersucht, wie die Anlage technisch aufgebaut werden kann und ob das Projekt wirtschaftlich umsetzbar ist. Auf diese Vorplanungsphase, die laut Unternehmenssprecherin Lisa Maria Hilti bis Ende des Jahres dauern wird, soll eine detailliertere Planung folgen. „Erst danach wird eine Investitionsentscheidung getroffen.“ Einen Terminplan für einen möglichen Baubeginn und die Inbetriebnahme nennt Synhelion bislang nicht. Auch zur Investitionssumme und zur Zahl möglicher Arbeitsplätze gibt es noch keine Angaben.
Synhelion entwickelt synthetische Kraftstoffe, die herkömmliche fossile Kraftstoffe ersetzen können, ohne dass Motoren und bestehende Tank- oder Versorgungsinfrastruktur umgestellt werden müssen. Besonders in der Luftfahrt dürfte der Bedarf wachsen. Seit 2025 müssen Kraftstoffanbieter an Flughäfen in der Europäischen Union nach einer EU-Verordnung einen steigenden Anteil nachhaltiger Flugkraftstoffe beimischen. Dazu zählen neben Biokraftstoffen, die etwa aus gebrauchten Speiseölen oder Abfällen gewonnen werden, auch synthetische Kraftstoffe, die mithilfe erneuerbarer Energie hergestellt werden.
In Jülich läuft eine Demonstrationsanlage
Erfahrungen mit der Produktion synthetischer Kraftstoffe sammelt Synhelion bereits in Jülich. Dort betreibt das Unternehmen seit 2024 die Anlage DAWN, in der mit konzentrierter Sonnenenergie synthetische Kraftstoffe hergestellt werden. Die Anlage produziert mehrere Tausend Liter im Jahr und soll ebenfalls erweitert werden. In Hürth soll die Technologie in wesentlich größerem Maßstab eingesetzt werden.
Zwar wird auch bei der Verbrennung solcher Kraftstoffe CO₂ freigesetzt. Anders als bei fossilen Kraftstoffen wird dafür jedoch kein zusätzlicher Kohlenstoff aus Erdöl in den Kreislauf gebracht. Stattdessen stammt der benötigte Kohlenstoff aus CO₂ oder erneuerbaren biogenen Quellen. Außerdem wird für die Produktion erneuerbare Energie eingesetzt.
„Um erneuerbare Treibstoffe wirtschaftlich wettbewerbsfähig zu machen, müssen wir unsere Technologie weiter skalieren“, sagt Philipp Furler, Co-CEO und Mitgründer von Synhelion. „Mit Saipem und RWE haben wir starke Partner für diese Skalierungsphase an unserer Seite.“
