Helmut Weihers (73) bleibt dem Chemiehügel in Hürth auch im Ruhestand verbunden. Seit 2019 ist er Vorsitzender der Pensionärsvereinigung.
„Die gute Seele“Früherer Chef des Chemieparks Hürth-Knapsack hält Werksfamilie zusammen

Der ehemalige Chemieparkchef Helmut Weihers ist Vorsitzender der Pensionärsvereinigung Knapsack.
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Wenn Helmut Weihers heute über den Chemiehügel in Knapsack blickt, ist das für ihn mehr als nur ein Arbeitsplatz von früher. Fast drei Jahrzehnte hat er hier gearbeitet, hat Wandel erlebt, Verantwortung getragen – und Verbindungen geknüpft, die bis heute halten. Dem Standort blieb er verbunden. Heute sorgt der 73-Jährige als Vorsitzender der Pensionärsvereinigung dafür, dass die „Werksfamilie“ auch über das aktive Berufsleben hinaus zusammenhält.
1986 begann der Ingenieur im damaligen Werk der Hoechst AG, durchlief innerhalb von zwölf Jahren zehn verschiedene Stationen im Unternehmen, erlebte das Ende des klassischen Werkstandorts und die Umwandlung in einen offenen Chemiepark. Zuletzt war er gut sieben Jahre lang Geschäftsführer des Betreibers Infraserv, heute Yncoris.
Hürth: Chemieparkchef ging vorzeitig in den Ruhestand, um mehr Zeit für seine Familie zu haben
Ende 2012 ging Weihers vorzeitig in den Ruhestand, mit 60 Jahren. Er verließ das Unternehmen auf eigenen Wunsch, weil er mehr Zeit mit seiner Familie, zu der zwei erwachsene Kinder gehören, verbringen wollte – vor allem mit seiner schwer erkrankten Frau, die vor zwei Jahren starb. Zeit fand er auch für ein Hobby: ein altes DKW-Motorrad, Baujahr 1954, das er restaurierte und mit dem er heute noch seine Runden dreht.
„Wenn man in den Ruhestand geht, freut man sich erstmal über die gewonnene Zeit und hat viele Projekte. Manche gehen dann auf Reisen oder widmen sich anderen Hobbys“, so Weihers. „Aber nach zwei, drei Jahren ist der Schwung raus, vieles ist erledigt. So ging es mir auch.“
Jährliches Pensionärstreffen ist ein Höhepunkt für die Vereinsmitglieder
Ende 2014 trat er der Pensionärsvereinigung Knapsack bei. Gegründet wurde der lockere Zusammenschluss 1999 vor allem, um das jährliche Pensionärstreffen im Feierabendhaus über das Ende der Hoechst AG hinaus zu retten. Aber auch, um die Verbindung der Ruheständler mit ihren früheren Kollegen und ihrem ehemaligen Arbeitsplatz nicht abreißen zu lassen.
Anfang der 2000er-Jahre zählt die Vereinigung mehr als 280 Mitglieder, aktuell sind es 165. Nach dem Corona-Tief 2021 zeigt die Mitgliederkurve seit einigen Jahren wieder nach oben. 2019 wurde Weihers Vorsitzender. „Damals fand sich niemand, der den Posten übernehmen wollte“, sagt er schmunzelnd.
Es ist gar nicht so einfach, die Leute zusammenzuhalten
Seinem Ehrenamt widmet Weihers viel Zeit. Zwei bis drei Tage im Monat ist er für den Verein im Einsatz. Regelmäßig fährt er dafür von seinem Wohnort in Pulheim-Stommeln an seine frühere Wirkungsstätte nach Knapsack. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern organisiert er jährlich sieben bis acht Veranstaltungen: Vorträge zur Industrie- und Heimatgeschichte ebenso wie praxisnahe Themen wie „Brandschutz im eigenen Heim“ mit der Werkfeuerwehr.
Mitglieder wohnen über den gesamten Rhein-Erft-Kreis verteilt
Hinzu kommen Unternehmensbesichtigungen, ganztägige Exkursionen und das Jahrestreffen im Feierabendhaus. Zweimal im Jahr steht er mit seinen Mitstreitern am Stand vor dem Betriebsrestaurant, um neue Mitglieder zu werben.
„Es ist gar nicht so einfach, die Leute zusammenzuhalten“, sagt Weihers. „Anders als bei einem Sportverein wohnen unsere Mitglieder nicht alle vor Ort, sondern sind über den gesamten Rhein-Erft-Kreis und darüber hinaus verteilt.“
Bei der Planung von Veranstaltungen hat er vor allem das teils hohe Alter der Teilnehmer im Blick. „Manche muten sich zu viel zu“, hat er die Erfahrung gemacht. Deshalb bereiten er und seine Mitstreiter die Veranstaltungen sorgfältig vor.
Für eine im Juni geplante Stadtführung unter dem Titel „Köln rückwärts – von Deutz über die Hohenzollernbrücke zur Altstadt“ hat Weihers die Route kürzlich vorab gemeinsam mit Schriftführerin Karin Hübner-Borj und dem Stadtführer Wilhelm Höveler – selbst bei Yncoris beschäftigt – und dessen Ehefrau Dagmar getestet. „Wir haben geschaut, ob die Strecke für alle machbar ist, etwa die Treppe an der Hohenzollernbrücke.“
Aktuell diskutiert er mit seiner Kollegin und Kollegen im Vorstand darüber, ob das Jahrestreffen aus der Zeit um Weihnachten in den Sommer verlegt wird. Denn dann wird es nicht so früh dunkel. „Das macht gerade älteren Leuten die Anreise leichter“, weiß Weihers.
Für viele gilt Helmut Weihers, der den Chemiepark wie seine Westentasche kennt und sich auch in der Geschichte des Ortsteils Knapsack gut auskennt, wegen seines großen Engagements als „gute Seele“ des Vereins. Er selbst winkt bescheiden ab: „Wir haben hier viele gute Seelen in der Pensionärsvereinigung. Ohne sie würde es nicht laufen. Manchmal braucht es nur einen kleinen Impuls, damit der Funke überspringt.“
