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Chemiepark KnapsackSo sorgt ein Hürther Chemieunternehmen mit für den guten Geschmack

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Das Foto zeigt den Standortleiter an einer Produktionsanlage.

Standortleiter Dr. Oliver Kaczmarek an einem der Reaktoren, in denen die Aromastoffe hergestellt werden. Der Prozess kann mehrere Tage dauern.

Hanke produziert Grundstoffe für würzige und süße Aromen. Im kommenden Jahr wird die Produktionsanlage für mehrere Millionen Euro erweitert.

Die Produktionsmengen sind mit gerade einmal 30 Tonnen im Jahr für Knapsacker Verhältnisse sehr überschaubar. Dennoch dürften viele Verbraucher den Erzeugnissen aus Hürth täglich begegnen, ohne es zu wissen: Seit zehn Jahren stellt das Unternehmen Hanke Aromastoff-Produktions-GmbH im Chemiepark Knapsack Aromastoffe und Aromaextrakte her, aus denen später Aromen für die Lebensmittelindustrie entstehen. Und das Geschäft wächst: Im kommenden Jahr will das zur Silesia Gerhard Hanke GmbH & C. KG gehörende Unternehmen mehrere Millionen Euro in den Ausbau seiner Produktionskapazität in Hürth investieren.

Rund 2500 Aromastoffe seien in der Europäischen Union für die Verwendung in Lebensmitteln zugelassen, sagt Standortleiter Dr. Oliver Kaczmarek. Nur einen kleinen Teil davon stellt Hanke in Hürth her. „Wir konzentrieren uns auf Spezialitäten, die andere Hersteller nicht liefern oder zumindest nicht in der gewünschten Qualität“, erklärt Kaczmarek. Rund 140 Produkte umfasst das Sortiment des Hürther Werks, darunter Komponenten für würzige ebenso wie für süße Aromen.

Im Hürther Produktionsbetrieb riecht es nach Röstzwiebeln und Rhabarber

Bei den Produkten aus Knapsack handelt es sich überwiegend um die Grundstoffe, aus denen am Stammsitz in Neuss oder an einem anderen der weltweit verteilten Standorte von Silesio Aromen komponiert werden, die anschließend an Lebensmittelhersteller geliefert werden. Sie sorgen mit dafür, dass Joghurt nach Erdbeeren oder Bonbons nach Himbeeren schmecken. Auch in Ketchup, Soßen, Pizzen und Getränken tragen sie zum Geschmack bei. Zunehmend an Bedeutung gewinnen laut Kaczmarek Aromen, die dazu beitragen, dass vegane Fleischalternativen dem Geschmack ihrer Vorbilder möglichst nahekommen.

Das Foto zeigt ein Lagerregal mit Dosen, Kanistern und Fässern.

In solchen Gebinden von der 330-Milliliter-Dose bis zum 200-Liter-Fass werden die Grundstoffe für die Aromen gelagert und ausgeliefert.

Der 47-jährige promovierte Chemiker Kaczmarek fing vor 16 Jahren bei Hanke in Neuss an und hat den Hürther Betrieb mit aufgebaut. Sieben Beschäftigte arbeiteten anfangs am Standort, inzwischen sind es 15, darunter Chemiker, Chemikanten und Chemielaboranten.

Chemieanlagen im kleinen Format

In den fünf Laboren laufen im Prinzip ähnliche chemische Prozesse ab wie in den größeren Anlagen der Nachbarbetriebe im Chemiepark – allerdings im wesentlich kleineren Maßstab. Die Reaktoren bei Hanke fassen 20 bis 50 Liter. Was darin gerade hergestellt wird, lässt sich oft schon beim Betreten des Betriebsgebäudes erahnen. In der vergangenen Woche habe es nach Röstzwiebeln gerochen, erzählt Kaczmarek, davor nach Rhabarber.

Die Aromakomponenten werden nach unterschiedlichen Verfahren hergestellt. Dabei kommen je nach Produkt natürliche Ausgangsstoffe etwa aus Pflanzen, Früchten oder Gewürzen zum Einsatz, andere Stoffe entstehen durch klassische chemische Synthese. Auch die Dauer der Herstellungsprozesse unterscheidet sich erheblich. Für den Röstzwiebelextrakt würden beispielsweise nur etwa zwei Stunden benötigt, erklärt Kaczmarek. Andere Produktionsprozesse erstreckten sich über mehrere Tage.

Das Foto zeigt den Chemiker vor dem Computer und einem Analysegerät.

Am Gaschromatographen kann der Chemiker und stellvertretende Standortleiter Dr. Sebastian Thiede die Reinheit der Produkte überprüfen.

Gesteuert und überwacht wird die Herstellung von speziell qualifizierten Fachleuten. Hanke unterhält im Chemiepark Knapsack auch eine kleine Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Als großen Vorteil des Standorts sieht Kaczmarek die vorhandene Infrastruktur und die Expertise im Chemiepark. „Wir können uns hier ganz auf unser Kerngeschäft konzentrieren“, sagt der Standortleiter. „Wir glauben fest an den Standort.“ Dazu trage auch die vorhandene Expertise vor Ort bei.

Das zeigt sich auch an den Investitionen. 2024 steckte Hanke zwei Millionen Euro in eine neue Lagerhalle neben der Produktionsanlage. Sie schafft zusätzliche Lagerkapazitäten und soll dazu beitragen, dass wichtige Grundstoffe auch bei schwieriger werdenden Lieferketten jederzeit verfügbar sind. Nun steht die nächste Investition beim Ausbau der Produktionskapazität an.

Zu schaffen macht dem Unternehmen allerdings der Fachkräftemangel. Kaczmarek verweist auf eine hohe Fluktuation in der Branche. Zwar seien einige Beschäftigte schon seit den Anfängen des Hürther Werks dabei. Es sei jedoch schwieriger geworden, qualifizierte Mitarbeiter zu finden und an das Unternehmen zu binden. Gerade bei der Herstellung von Aromastoffen sei besondere Expertise gefragt, berichtet der Standortleiter.

Neue Mitarbeiter würden deshalb zunächst über einen Zeitraum von mehreren Monaten eingearbeitet und weitergebildet, um die speziellen Verfahren kennenzulernen. Um den Personalbedarf künftig besser decken zu können, erwägt Hanke, in naher Zukunft selbst Nachwuchskräfte auszubilden und dabei mit der Rhein-Erft-Akademie im Chemiepark zu kooperieren.


Vom Edellikör zu Aromastoffen

Die Geschichte des Mutterunternehmens reicht mehr als ein Jahrhundert zurück. Silesia Gerhard Hanke wurde 1910 in Düsseldorf als Spezialist für Edelliköre gegründet und wird heute in vierter Generation als Familienunternehmen geführt. 1966 zog die Firma nach Neuss.

Inzwischen konzentriert sich Silesia auf die Entwicklung, Herstellung und den Vertrieb von Aromastoffen für die Lebensmittelindustrie. Neben den deutschen Werken in Neuss, Kalkar und Hürth ist das Unternehmen international vertreten und verfügt unter anderem über Produktionsstätten in den USA, China und Singapur. Silesia beschäftigt weltweit rund 1200 Menschen, davon mehr als 700 in Deutschland.