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Raubüberfall auf RaststätteVon der Beute fehlt bis heute jede Spur

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112.000 Euro erbeuteten Unbekannte im November 2022 bei einem Raubüberfall auf die Raststätte Ville West bei Hürth.

112.000 Euro erbeuteten Unbekannte im November 2022 bei einem Raubüberfall auf die Raststätte Ville West bei Hürth.

Angeklagter (26) bestreitet seine Beteiligung an der Tat. Nun soll der bereits verurteilte Fluchtwagenfahrer Licht ins Dunkel bringen.

Der 26-Jährige bleibt dabei: „Ich war nicht dabei.“ Im Prozess um den Raubüberfall auf die Autobahnraststätte Ville West bei Hürth am 15. November 2022 gegen 3 Uhr bestreitet der Angeklagte, zu dem Trio gehört zu haben, das rund 112.000 Euro erbeutete. Das Geld ist bis heute verschwunden. Zwei der mutmaßlichen Täter konnten nicht ermittelt werden.

Der vierte Mann, der Fahrer des Fluchtfahrzeugs, wurde am Tattag gefasst, ist inzwischen verurteilt und den Behörden in seinem Heimatland Albanien überstellt worden. Weder der jetzt Angeklagte, der im Januar 2026 in Italien gefasst wurde, noch der Verurteilte geben die Namen der Komplizen preis.

Was ein Schal beweist und was er nicht beweist

Ein zurückgelassener Schal im Fluchtfahrzeug brachte die Polizei auf die Spur der 26-jährigen mutmaßlichen Tatbeteiligten, der sich zurzeit vor dem Landgericht Köln verantworten muss. Doch gab sein Verteidiger Alexander Dziomba zu bedenken: „Wir führen hier einen Kampf von Indizien gegen Indizien.“

Der Schal ist Teil der Dienstkleidung von Paket- und Briefzustellern des Postkonzerns, für den der Albaner gearbeitet hat. „Mein Mandant hat diesen und ähnliche Schals immer getragen, wenn er unterwegs war, so auch, als er mit dem Audi am Freitag vor dem Überfall Getränke für eine Party besorgt hat. Außerdem hat er öfter mal Schals an verschiedenen Stellen liegenlassen“, führte der Krefelder Strafverteidiger aus.

Richterin und Staatsanwalt verzichten darauf, weitere Zeugen zu laden

Dziomba bot an, Zeugen zu laden, die bestätigen können, dass der Angeklagte regelmäßig mit den Schals des Paket- und Brief-Express-Dienstes bekleidet herumlief. „Das widerlegt aber nicht, dass er den Schal zur Tat im Auto getragen hat“, wandte Staatsanwalt Eduard Lorenz gegen das Argument des Verteidigers ein, der im Tatfahrzeug gefundene Schal sei kein Beweis für die Mittäterschaft seines Mandanten.

Auch die Vorsitzende Richterin der 6. Großen Strafkammer, Cigdem Görmez, verspricht sich nichts von Aussagen Dritter zu Kleidungsgewohnheiten des Angeklagten, was zur Wahrheitsfindung beitragen könnte. Sie und Lorenz verzichteten auf die Ladung weiterer Zeugen.

Mehr Aufschluss erhofft sich die Kammer von der Anhörung des bereits verurteilten Tatbeteiligten. Deshalb soll der Mann am nächsten Verhandlungstag (Dienstag, 8. September), aus dem nicht zur Europäischen Union gehörenden Balkan-Staat Albanien eingeflogen werden. Die dortigen Behörden genehmigten auf Antrag von Richterin Görmez die Ausreise nach Deutschland.

Obwohl Überwachungskameras im Shop und Außenbereich der Autobahnraststätte den Raubüberfall aufzeichneten, ist es nahezu unmöglich, die Täter zweifelsfrei zu identifizieren. Denn alle drei waren mit den gleichen hellen Hoodies bekleidet. Die Kapuzen hatten sie so weit über die Köpfe gezogen, dass kein Gesicht zu erkennen ist.

Fluchtfahrzeug wartete auf einem Wirtschaftsweg nahe der A1

Die Aufnahmen aus dem Innenraum zeigen, wie ein Mann mit einem gelben Brecheisen in der Hand den Kassierer in Schach hält, während sich zwei Männer zum Geldschrank begeben. Sie hebeln den Tresor mit Brecheisen und Hämmern auf, entnehmen die Geldkassetten und machen sich zusammen mit dem Bewacher des Kassierers, der in der letzten Minute dazukommt, aus dem Staub.

Das an einem Wirtschaftsweg nahe der A1 wartende Fluchtfahrzeug erregte den Verdacht einer Polizeistreife. Dem Trio gelang es aber noch, in das Auto zu springen, bevor sich Polizei und Räuber eine Verfolgungsjagd über die A1 in Richtung Koblenz lieferten.

Ein Video aus der Dashcam des Polizeifahrzeugs wurde am dritten Verhandlungstag zwar noch in Augenschein genommen, brachte aber keine neuen Erkenntnisse. Außer dass die Besatzung des Polizeiautos für etwa 45 Minuten den Blickkontakt zu dem hochmotorisierten Audi der Räuber verlor. Erst einem anderen Einsatzfahrzeug, das sich weiter vorne in Fahrtrichtung auf der A 1 befand, gelang es, das Fluchtauto auszubremsen. Wie das Trio samt den Geldkassetten trotzdem entwischen konnte, liegt im Dunkeln.

Der Prozess wird fortgesetzt. Das Urteil wird für Freitag, 11. September, erwartet.