Abo

Serie „Mein Lieblingsplatz“Walther Boecker besuchte Spielplatz in Hermülheim mit den Enkeln

4 min
Das Foto zeigt einen Mann, der auf einer Bank sitzt.

Eine Bank auf dem Spielplatz an der Maximilian-Kolbe-Straße in Hermülheim ist der Lieblingsplatz des früheren Bürgermeisters Walther Boecker.

Früher setzte er sich auf dem Spielplatz gern auf eine kleine hölzerne Rundbank an einem Baum auf der anderen Seite des Duffesbachs.

Um an seinen Lieblingsplatz zu gelangen, muss der frühere Bürgermeister Walther Boecker nur ein paar Schritte von seiner Haustür aus gehen. Ein paar Meter den Kreuzweingartener Weg hinunter und über die kleine Brücke am Duffesbach – und schon ist er auf dem langgestreckten Spielplatz inmitten einer Grünanlage entlang des Bachlaufs an der Maximilian-Kolbe-Straße. Unter anderem dort hat er seine acht Enkelkinder – sechs Jungen und zwei Mädchen – im Alter von fünf bis 15 Jahren aufwachsen sehen.

1998 zog Boecker mit seiner Familie in die kleine Reihenhaussiedlung. Seit Jahren ist er oft mit einigen seiner Enkelkinder auf dem Spielplatz, wenn das Wetter es zulässt. Bei Kindergeburtstagen waren auch schon mal alle acht dabei. Zwar hat er zu Hause einen Garten, bei den Enkeln ist der Spielplatz aber beliebter. „Es ist einfach wunderbar, wenn man mal zu Hause raus kann“, sagt Boecker. „Das fing schon vor dem Ruhestand an.“

Der Jurist kam zunächst als Stadtdirektor nach Hürth

Der Jurist, 1952 in Bonn geboren, kam 1996 aus Köln zunächst als Stadtdirektor nach Hürth. Bei der Kommunalwahl 1999 wurde der Sozialdemokrat zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister Hürths gewählt. Nach zwei Wiederwahlen zog er sich 2015 in den Ruhestand zurück.

Heute ist er 74 Jahre alt und vor allem als Großvater gefragt. „Meine Kinder und Schwiegerkinder sind alle berufstätig“, sagt Boecker. „Oma und Opa werden dann natürlich oft zur Betreuung eingespannt. Das ist manchmal anstrengend, macht aber auch viel Spaß. Wir Rentner haben ja auch die Zeit dafür.“

Früher setzte er sich auf dem Spielplatz gern auf eine kleine hölzerne Rundbank an einem Baum auf der anderen Seite des Duffesbachs. „Dort saß man immer im Schatten, weil die Sonne einmal herumgewandert ist.“ Doch irgendwann war sie so marode, dass sie zusammenbrach und abgebaut werden musste.

Hürth: Grüne Gitterbank ist der Lieblingsplatz

Danach stellten die Stadtwerke auf Bitten seiner Frau Susanne eine neue grüne Gitterbank auf – Boeckers neuer Lieblingsplatz. Von dort hat er einen guten Überblick über den Spielplatz und die Spielgeräte. Vor allem an dem kleinen Spielhaus mit Giebeldach, Rutsche, Schaukel und bunten Fensterrahmen kann er die unterschiedlichen Entwicklungsstufen der Kinder beobachten. Boecker hat sie in Phasen eingeteilt.

„Die ganz kleinen Kinder sitzen vor dem Haus und lassen sich den Sand durch die Finger rieseln“, berichtet er. „In Stufe zwei, wenn sie gerade laufen können, versuchen sie, auf das Häuschen zu klettern, kommen aber noch nicht hoch.“ Weiter geht’s mit Stufe drei: Dann schleppen die Kinder Sand ins Spielhaus und verkaufen Sandeis durch das kleine Fenster. „Was ich hier schon alles an Sandeis gegessen habe“, so Boecker schmunzelnd.

Neben dem Spielhaus und dem Klettergerüst laden Schaukeln, Rutsche und Tischtennisplatte zum Spielen und Toben ein. Wie auf jedem Spielplatz sind die Spielgeräte aber nicht unbedingt der attraktivste Zeitvertreib für die Kinder. „Auch meine Enkel haben schnell den Aufgang zum Gebüsch und den Geheimgang über den kleinen Trampelpfad dort entdeckt“, berichtet Boecker. Sehr beliebt sei es auch, kleine Blümchen auf der einen Seite der Brücke in den Duffesbach zu werfen und zu beobachten, wie das Wasser sie auf der anderen Seite wieder herausträgt.

Zu fast jeder Tageszeit war er schon vor Ort auf dem Spielplatz

Boecker war schon zu fast jeder Tageszeit auf dem Spielplatz und hat beobachtet, wie sich die Besuchergruppen im Laufe des Tages verändern. „Das ist ein Treffpunkt für ganz unterschiedliche Altersgruppen“, sagt er. „Vormittags sind schon mal Kita-Gruppen hier, mittags kommen viele Schülerinnen und Schüler der Realschule, für die der Spielplatz auf dem Schulweg liegt.“

Nachmittags spielen dort Kinder, am frühen Abend treffen sich 13- und 14-Jährige, später dann Jugendliche mit ihren Mopeds. Auch mit ihnen gebe es selten Probleme. „Wenn man sie anspricht, sind sie meist sehr einsichtig.“ Vandalismus oder mangelnde Sauberkeit seien auf dem Spielplatz kaum ein Thema: „Klar ist schon mal ein Mülleimer mehr als voll. Aber das ist hier ein sehr bürgerliches Viertel, da funktioniert die soziale Kontrolle noch.“

Auch die vielen Hundehalter, die mit ihren Vierbeinern auf dem Weg, der am Spielplatz vorbeiführt, unterwegs sind und sie auf einer angrenzenden großen Wiese herumtollen lassen, seien kein großes Problem. „Die meisten halten ihre Hunde an der Leine oder bei Fuß.“

Weil der Spielplatz an einem beliebten Spazierweg liegt, trifft Boecker dort „dauernd Leute, die man kennt“. Gelegentlich werde er noch als früherer Bürgermeister erkannt; dann landet auch mal eine Beschwerde bei ihm, obwohl er längst nicht mehr zuständig ist. „Eine Frau meinte, da muss irgendwo noch ein Fußballtor hin. Klar, man kann immer noch etwas machen.“


So geht die Serie weiter

Für die eine ist es der Friedhof, für den anderen ein Sportplatz oder ein verstecktes Wegekreuz – ganz individuell fällt die Wahl des Lieblingsplatzes im Kreis aus. In jeder Ausgabe während der Sommerferien stellen wir mit der Serie „Mein Lieblingsplatz“ einen Ort in den zehn Kommunen vor, der für einen Menschen eine besondere Bedeutung hat, und laden zur Entdeckungstour ein. Am Mittwoch, 26. August, zeigt Laienschauspielerin Bettina Müller die Bühne im Rittersaal des Bedburger Schlosses.