„Gaspedal des Körpers"In Hürth werden 1500 Schilddrüsen-Patienten im Jahr operiert

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Mit teurem Spezialgerät behandeln Hans Udo Zieren und Marc Goebel unter anderem Knoten in der Schilddrüse.

Hürth – Das kleine Organ spielt eine große Rolle für den Hormonhaushalt des gesamten Körpers: Die gerade einmal 25 Gramm schwere Schilddrüse steht im Mittelpunkt einer neuen Spezialklinik am Hürther Sana-Krankenhaus. Seit Anfang April operieren Chefarzt Professor Dr. Hans Udo Zieren und der Leitende Oberarzt Dr. Marc Goebel, die mit ihrem Team vom Kölner St.-Agatha-Krankenhaus über die Stadtgrenze gewechselt sind, in Hürth ausschließlich die kleine Hormondrüse und die noch kleinere Nebenschilddrüse, winzig wie ein Reiskorn.

Die Ärzte sind ausgewiesene Spezialisten auf ihrem Fachgebiet. Sie bringen die Erfahrung aus mehr als 10.000 Operationen an der Schilddrüse und der Nebenschilddrüse mit. Doch während Zieren und Goebel in Köln zum Chirurgenteam gehörten und auch Knochenbrüche und Gallen operierten, können sie sich in Hürth ganz auf die Schilddrüsenpatienten konzentrieren. „Der Reiz ist die Superspezialisierung“, sagt Zieren.

Chirurgen-Tandem bringt viel Erfahrung mit von Köln nach Hürth

„Operationen an dem kleinen Organ sind schwierig“, berichtet der Professor. „Der Behandlungserfolg hängt ganz entscheidend von der Erfahrung des Chirurgen ab.“ Darüber verfügt Zieren reichlich: Seit 23 Jahren ist die Schilddrüse das Fachgebiet des 62-jährigen Kölners, der in Köln Medizin studiert und 1984 promoviert hat. Nach der Facharztausbildung an der Kölner Uniklinik und der Habilitation 1994 war er an der Charité in Berlin tätig, bevor er 1999 zurück nach Köln kam. Dort gründete er das fächerübergreifende Schilddrüsenzentrum, das er ab 2006 mit dem aus Düsseldorf stammenden Oberarzt Marc Goebel (51) ausbaute. In das Experten-Netzwerk ist auch die neue Fachklinik am Sana-Krankenhaus eingebunden.

Schilddrüsenerkrankungen seien eine Volkskrankheit, berichtet der Chefarzt. „Wenn man richtig hinschaut, findet man bei jedem dritten Deutschen eine Schilddrüsenerkrankung, vom harmlosen Knoten bis zum lebensbedrohlichen Krebs.“ Störungen bei der Hormonproduktion könnten sich auf den ganzen Körper auswirken. „Die Schilddrüse funktioniert wie das Gaspedal des Körpers“, erklärt der Experte. Bei einer Unterfunktion fahre der Körper untertourig, der Patient sei müde, schläfrig und oft übergewichtig. Bei einer Überfunktion laufe der Körper auf zu hoher Drehzahl. Die Symptome seien vielfältig. Zieren: „Oft wird zuerst gar nicht an die Schilddrüse gedacht.“

Knoten in der Schilddrüse werden in Hürth mit Wechselstrom „verkocht"

Am Sana-Krankenhaus bieten die Spezialisten neben konventionellen Operationsverfahren bei gut- und bösartigen Erkrankungen auch neuartige Behandlungsmethoden an, darunter die Thermoablation. Dabei wird eine Nadel an den Knoten herangeführt, der dann mit Wechselstrom „verkocht“ wird.

Das Team hat große Pläne für Hürth: So werden 1500 Operationen pro Jahr im jüngst modernisierten und um einen dritten Saal erweiterten OP-Trakt angepeilt. Zieren und Goebel planen Fortbildungen für Ärzte und Patienten und wollen auch Selbsthilfegruppen einbinden.

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Sebastian Haeger, Geschäftsführer des Hürther Sana-Krankenhauses, betonte, dass die Schilddrüsenchirurgie als „Leuchtturmprojekt mit überregionaler Bedeutung“ ein wichtiger Baustein für die medizinische Ausrichtung auch im Hinblick auf die Krankenhausplanung sei. Er sei froh, das Spezialistenteam gewonnen zu haben. „Das ist fachlich Champions-League“, sagte Haeger. „Die Nachfrage überrollt uns völlig.“

Anmerkung nach Erscheinen des Artikels: Die Geschäftsführerin des St.-Agatha-Krankenhauses in Köln legt Wert auf die Feststellung, dass die früher dort beschäftigen Mediziner, Chefarzt Professor Dr. Hans Udo Zieren und der Leitende Oberarzt Dr. Marc Goebel, bei ihrem Wechsel zum Sana-Krankenhaus Hürth nicht ihr komplettes Schilddrüsen-Team mitgenommen haben. Ein fachkompetentes Team sei weiterhin im St.-Agatha-Krankenhaus tätig und führe das „etablierte Kompetenzzentrum Schilddrüsenchirurgie“ mit Unterstützung durch das St.-Hildegardis-Krankenhaus erfolgreich weiter. (jtü)

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