Abo

FliegerhorstÄrzte demonstrieren in Nörvenich

Lesezeit 3 Minuten
Vor dem Fliegerhorst in Nörvenich informieren Ärzte bei einem improvisierten Pressegespräch im Freien über die Gefahren, die von Atomwaffen ausgehen.

Dirk Hoogenkamp, Johannes Oehler und Kim Rosebrock von den Friedensnobelpreisorganisationen IPPNW und ICAN hatten zum Pressegespräch am Fliegerhorst Nörvenich eingeladen.

Warum die Welt nicht sicher ist vor einem Atomkrieg, erklärten Ärzte am Militärflughafen Nörvenich.

Während die Friedensnobelpreisorganisationen „Ärzte zu Verhütung des Atomkrieges – Ärzte in sozialer Verantwortung“, kurz IPPNW, und deutsche Vertreter der „International Campaign to Abolish Nuclear Weapons“, ICAN, am Freitagmorgen um 9 Uhr an der Antoniuskapelle gleich am Zaun zum Luftwaffenstützpunkt Nörvenich ein Pressegespräch führten, hatten Demonstranten am Morgen längst die Zufahrt zu Tor D des Militärflughafens besetzt.

Schon um 6 Uhr in der Frühe waren rund ein Dutzend Demonstranten aus dem Zukunftscamp an der evangelischen Kirchengemeinde in Birkesdorf mit Transparenten vor dem Tor D just zum Schichtwechsel aufgetaucht. Mehr als 100 Fahrzeuge hätten umgeleitet werden müssen, berichteten die Demonstranten.

Du, Pilot auf dem Flugfeld: Sag nein!
Demonstranten am Flugplatz

Freilich abgesehen von Polizeibeamten die sich „inhaltlich interessiert“ gezeigt hätten, habe es kaum Gespräche mit den Soldaten gegeben. „Du, Pilot auf dem Flugfeld. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst Atombomben über die Städte tragen, dann gibt es nur eins: Sag nein.“ war auf einem ihrer Transparente zu lesen. Gespräche gab es mit wenigen Passanten, beispielsweise einem Fahrradfahrer. „Abrüstung ist schön. Aber was denkt Putin darüber? Und wo ist euer Protest dort?“, fragte er. Viele ihrer Mitglieder in Russland säßen in Gefängnissen, informierten die Demonstranten den Radfahrer.

Alles zum Thema Nörvenich

Dass die in Deutschland stationierten Atomwaffen im Ernstfall für einen Vergeltungsschlag zu langsam, also nutzlos, seien, ihr Vorhandensein Deutschland aber zum Ziel machen könnten, machten Kim Rosenbrock, Johannes Oehler und Dirk Hoogenkamp deutlich. Das politische Konstrukt der atomaren Abschreckung zur Friedenssicherung sei nicht zu beweisen, sagte Johannes Oehler.

Hemmschwelle könnte gesenkt werden

Die weitaus größere Gefahr stellten die Atombomben selbst dar, die selbst im Rahmen eines Unfalles zu einem internationalen Konflikt führen könnten. Ihr Protest richte sich gegen die Stationierung neuer Atombomben wie der B 61-12 nach den Umbauarbeiten am Luftwaffenstützpunkt in Büchel. Die bereits bestellten F 35 Bomber sollten sie in Zielgebiete bringen. Lenkbar und kleiner in der Explosivkraft seien die neuen Bomben noch gefährlicher, denn die vermeintlich genaue Dosierbarkeit des Atomschlags könne die Hemmschwelle senken, sie einzusetzen, befürchteten die Sprecher. Sie forderten die Bundesregierung auf, dem Atomwaffenverbotsvertrag TPNW beizutreten, der 2017 in der UN-Generalversammlung beschlossen wurde.

Das Verhalten der Demonstranten vor dem Zaun an gegenüberliegenden Punkten des Flughafens wurde von Feldjägern und Polizeibeamten beobachtet. Man ließ sie gewähren, bis sie gegen 11.30 Uhr das Feld freiwillig räumten. Dass am Freitag offensichtlich nur eine Minderheit gegen Atomwaffen demonstrierte, ließ den 83-jährigen Ernst-Ludwig Iskenius einer der Initiatoren des Protestes kalt: „Schaut man sich in der Geschichte um, gehen gesellschaftliche Veränderungsprozesse in der Regel von Minderheiten aus.“ Vielen Gleichgesinnten begegne sie auf europäischer Ebene in der „Youth 4 TPNW“, schilderte die 24-jährige Sarah Kuiter.

Rundschau abonnieren