Die Gastwirte Alexander Schebalkin und Robin Pelzer waren in die Kritik geraten, weil sie AfD-Anhänger bedient haben. Bündnis bedauert die Äußerungen eines Einzelnen.
Ärger über BoykottaufrufKerpener Gastronom will nicht zwischen AfD und Gegendemonstranten geraten

Seit Februar an jedem Donnerstag ein gewohntes Bild auf dem Marktplatz in Kerpen-Horrem: das Bündnis auf der einen Seite, die AfD auf der anderen (hinten im Bild zu sehen).
Copyright: Elena Kugelmeier
Die wöchentlichen Treffen der AfD auf dem Marktplatz in Kerpen-Horrem und die gleichzeitige Zusammenkunft von Mitgliedern des Kerpener Bündnisses für Toleranz und Demokratie wirken sich auf Unbeteiligte aus. Konkret: die Macher vom „Baron Imbiss-Kult“.
In einem Post auf Facebook hat Inhaber und Betreiber Alexander Schebalkin öffentlich gemacht, dass „unverhohlen dazu mobilisiert wird, uns mit unwahren Google-Bewertungen zu bombardieren, Boykotte zu organisieren, Verleumdungen zu streuen und so die Existenz eines jungen Gründers gezielt zu ruinieren. Man versucht mit aller Macht, uns in eine politische Ecke zu drängen, die mit unserer Realität nicht das Geringste zu tun hat“.
Hintergrund: Robin Pelzer, der den Imbiss 2025 als Schebalkins Franchise-Partner übernommen hatte, hat Teilnehmer der AfD-Treffen bewirtet. Dies führte vor wenigen Tagen in einer internen Messenger-Gruppe des Bündnisses zu der Forderung, den Imbiss zu boykottieren und durch schlechte Google-Bewertungen in Verruf zu bringen. Zwar distanzierten sich die Verantwortlichen des Bündnisses umgehend von dieser Idee, und die SPD ließ sich von ihrem Vorhaben abbringen, das Bündnis zu verlassen – dennoch gelangte der Vorschlag an die Öffentlichkeit, auch an die AfD.
Gegendemonstranten brächten ihre eigenen Getränke und Speisen mit
Auf seiner Facebook-Seite versicherten die Bündnis-Sprecher: „Der gemeinsame Protest richtet sich gegen die politischen Positionen und Aktivitäten der AfD – nicht gegen die wirtschaftliche Existenz eines Gastronomen. Wir bedauern ausdrücklich, dass einzelne Aussagen aus einer internen Diskussion weitergegeben wurden, ohne das Ergebnis dieser Diskussion wiederzugeben.“ Viele aus der Bündnisgruppe seien regelmäßig Gast beim Wurstbaron. Die Bündnismitglieder suchen gerne das Gespräch mit Robin Pelzer, um die fehler- und lückenhafte Weitergabe interner Informationen klarzustellen, heißt es weiter.
Schebalkin schildert aber auch andere Beobachtungen: AfD-Gegendemonstranten würden eigene Grills und Getränke mitbringen, sorgten für lautstarke Konfrontationen und mieden bewusst jedes gastronomische Miteinander. Er macht klar: Ein Marktplatz ist ein frei zugänglicher, öffentlicher Raum für jedermann. „Als Gastronomen können und dürfen wir keine Gesinnungsprüfungen an unseren Gästen vornehmen, noch können wir unseren Standort einfach verlegen. Unser Marktplatz ist ein Ort des friedlichen Miteinanders und kein Vorzimmer für parteipolitische oder ideologische Grabenkämpfe.“

Alexander Schebalkin (links) übergab 2025 den Baron Imbiss-Kult an seinen Mitarbeiter der ersten Stunde: Robin Pelzer.
Copyright: Petra Nova
Der Kerpener Gastronom macht darüber hinaus deutlich: „Baron Imbiss-Kult distanziert sich entschieden von jeder extremistischen Strömung und politischer Einflussnahme – ganz gleich, ob von links oder von rechts. Wir sind weder rechtsradikal noch linksgerichtet. Wir sind Gastronomen.“
Und weiter: Verleumdung, gezielter Rufmord und koordinierte Fake-Bewertungen seien keine freie Meinungsäußerung, sondern juristisch relevante Handlungen und Straftaten. Jede dieser Attacken werde lückenlos dokumentiert und konsequent straf- sowie zivilrechtlich verfolgt. „Wir lassen es nicht zu, dass man unsere Existenz mit unlauteren Mitteln angreift“, schließt Schebalkin.
Ursprünglich wollte die AfD ihren wöchentlichen Stammtisch in Kerpen-Horrem in der Sportsbar abhalten. Der aber teilte den Verantwortlichen der Partei mit, dass sie mit ihren Treffen in seinem Lokal nicht mehr willkommen seien. Hintergrund war eine Demo des Kerpener Bündnisses gegen die AfD. Er habe nicht damit gerechnet, dass die Zusammenkunft von AfD-Anhängern und eine Demonstration mit rund 200 Teilnehmern mit Begleitung durch die Polizei ein solches Ausmaß annehmen würde. „Das kann ich mir nicht erlauben. Das ist geschäftsschädigend“, sagte der vor einigen Jahren aus dem Irak geflohene Gastronom.
2017 hatten mehr als 150 Kneipen und Lokale in Köln 200.000 Bierdeckel mit der Aufschrift „Kein Kölsch für Nazis“ drucken lassen. Ihr Protest richtete sich gegen den AfD-Parteitag im Kölner Maritim-Hotel.
Gastronomen dürfen Gästen aufgrund ihres Hausrechts den Zugang oder den Ausschank verwehren. Zwar verbietet das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) Diskriminierung etwa nach Rasse, Religion oder Geschlecht, schützt jedoch ausdrücklich nicht die politische Einstellung. Juristen bestätigen, dass Wirte politischen Vertretern wie denen der AfD den Service verweigern dürfen. (jtü)
