Dorothea Kronsbein ist die zweitälteste Bürgerin in Pulheim. Sie kauft selber ein, macht sich das Essen und auch die Wäsche wäscht sie noch selber.
103. GeburtstagDas sind die Tipps für ein langes Leben von Dorothea Kronsbein aus Pulheim

Auch mit 103 Jahren ist Dorothea Kronsbein immer noch an allen aktuellen Ereignissen interessiert.
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Schon die Terminabsprache ließ erstaunen: Mit klarer Stimme meldete sich Dorothea Kronsbein selbst am Telefon und vereinbarte das Treffen. „Am Mittwoch um elf Uhr, ich habe mir das aufgeschrieben.“, erklärte sie. Damit hatte ich nicht gerechnet, denn ich sollte doch jemanden besuchen, der am Sonntag (20. September) 103 Jahre alt wird und damit die zweitälteste Pulheimerin in einer Riege von sieben über Hundertjährigen in der Stadt ist.
Pulheim: Körperliche Fitness und geistige Nahrung sind der Jubilarin wichtig
Die nächste Überraschung folgte im Caritas-Wohnheim in Pulheim: „Warten Sie hier, Frau Kronsbein holt sie dann ab“, hieß es am Empfang. Und wirklich, nach einigen Minuten kam eine ältere Dame mit ihrem Rollator um die Ecke gefahren und suchte in der Halle nach mir. Mit so viel Mobilität im hohen Alter hatte ich nicht gerechnet.
,,Das kann doch nicht wahr sein, wird sie wirklich schon 103 Jahre alt?“, dieser Gedanke auf dem Weg zu ihrem Zimmer kam mir bestimmt nicht allein und Dorothea Kronsbein bestätigt auch, dass es immer wieder erstaunte Blicke gibt, wenn das Gespräch auf ihr Alter kommt. „Ich brauche viel Bewegung, um weiter fit zu bleiben“, erklärt sie. Jeden Vormittag marschiert sie mit ihrem Rollator mindestens eine Viertelstunde durch die Gänge des Senioren-Wohnheims, bleibt kurz mal stehen für ein Pläuschchen mit Bewohnern und dem Personal und dann geht es weiter. Sie kauft selber ein, macht sich das Essen und auch die Wäsche wäscht sie noch selber.

Die Jubilarin wurde am 20. September 1923 in Kevelaer geboren.
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Doch nicht nur die körperliche Fitness ist ihr wichtig, auch geistige Nahrung braucht sie: Dazu gehört sowohl die tägliche ausgiebige Lektüre ihrer Tageszeitung wie auch das Lesen von Büchern. „Meine Schwiegertochter versorgt mich mit Lektüre. Ich lese gerade ein Buch von Anne Gesthuysen über den Niederrhein“, verrät sie.
Und damit bewegt sie sich räumlich am Anfang ihres langen Lebens. Denn geboren wurde sie als Dorothea Kiirvers in Kevelaer. Da der Vater aber sehr früh verstarb, zog die kleine Dorothea mit ihrer Mutter und fünf weiteren Geschwistern nach Köln zu den Großeltern. Und an diese Zeit erinnert sie sich auch heute noch gern: „Köln war meine schönste Zeit.“. Sie erinnert sich an die Besuche des Doms mit dem Großvater und wie sie von den Großeltern verwöhnt wurde. Auch den Karneval lernte sie so früh kennen und mochte es, sich zu verkleiden.

Dorothea Kronsbein als junge Frau 1939 in Köln, ihrer Lieblingsstadt.
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Als sie fünf Jahre alt wurde, heiratete ihre Mutter erneut. Als der Krieg ausbrach, floh die Familie nach Kürten ins Bergische Land. Sie besuchte die Handelsschule, lernte das Schreibmaschineschreiben. „Ich hatte immer tolle Zeugnisse", erzählt sie und das half ihr auch beim beruflichen Fortkommen. Denn sie fand eine Anstellung im Büro des Bergisch Gladbacher Landratsamtes.
Vor 25 Jahren von Köln-Pesch nach Pulheim gezogen
Und dadurch fand sie auch ihren späteren Ehemann: Dort rief nämlich immer wieder ein Herr vom gegenüberliegenden Finanzamt an. ,,Er hatte so eine schöne Stimme‘, erinnert sich Thea Kronsbein. Das machte sie neugierig, sie fasste sich ein Herz und fragte ihn eines Tages, ob man sich nicht mal treffen könnte.
Der Treff im Park hatte Nachwirklungen: Sie verliebten sich ineinander und 1961 heiratete das Paar und zog nach Köln-Pesch. Zwei Jahre später kam Sohn Günter zur Welt. „Das waren glückliche Zeiten. Wir machten neben Urlauben in Italien und Spanien oft tolle Touren in die Eifel", erinnert sich die Seniorin. Dann war sie der Fahrer: „Mein Mann hatte keinen Führerschein, also saß ich am Steuer. Aber er gab von Beifahrersitz aus immer die Anweisungen. Das war er wohl als Hauptmann aus dem Krieg gewohnt. Eines Tages habe ich ihm erklärt, dass ich nicht sein Rekrut bin und weiß, wo es lang geht,“, lacht sie bei der Erinnerung. Auch sportlich war die Dame früher aktiv, über 30 Jahre gehörte sie dem Ford-Tennis-Club an.
Nachdem ihr Ehemann verstarb, zog Dorothea vor 25 Jahren von Köln-Pesch nach Pulheim. „Mein Sohn übernahm unser Haus und ich bekam eine Eigentumswohnung. Um schnell heimisch zu werden, meldete sie sich mit knapp 80 Jahren zu einem Tanzkurs und einem Englischkurs an. Im Januar 2024 – nach einem gut überstandenen Herzinfarkt – gab sie ihre Wohnung auf und zog in das Caritas-Seniorenhaus. „Die alte Wohnung lag im zweiten Stock und hatte auch keinen Fahrstuhl“, erklärte sie. „Das war für mich zu beschwerlich geworden.
Regelmäßig besucht sie freitags den Markt zum Einkaufen, wo man sie schon von weiten begrüßt. „Immer wieder muss ich den Bekannten auch von früher, von meinen Kriegserlebnissen, erzählen“, berichtet sie. Diese Kontakte halten sie mit fit, denn sie ist auch weiterhin noch neugierig auf das, was kommt. Wie allerdings ihr Geburtstag gefeiert wird, bleibt eine Überraschung. „Das organisiert mein Sohn, aber der hat Probleme, denn viele Gaststätten öffnen inzwischen nur noch abends.“ Und ihre Feier soll nicht so spät beginnen.
