Seit 2006 fuhren Klaus und Martina van Marwyk nach Südafrika in den Urlaub. Heute betreiben sie in Kapstadt ein Fünf-Sterne-Gästehaus.
Gästehaus in KapstadtEhepaar aus Pulheim erfüllt sich einen Lebenstraum in Südafrika

Martina und Klaus van Marwyk aus Stommeln genießen ihr neues Leben in Südafrika.
Copyright: Van Marwyk
Der Blick vorne aus dem Haus geht über Hout Bay auf die schöne Bucht des Ortes westlich von Kapstadt. Von der Terrasse mit Pool kann man auf den offenen Atlantik schauen. Eine Idylle, die das Ehepaar Klaus und Martina van Marwyk aus Stommeln nun jeden Tag genießen kann. Die beiden betreiben hier das Fünf-Sterne-Haus „Vyn Guest House“. An die Heimat erinnert im Wohn- und Essbereich nur ein Bild des Kölner Doms.
Warum die Wahl für das gemeinsame Gästehaus auf Südafrika fiel, ist schnell erklärt. „Weil es nichts Schöneres gibt“, sagt Martina van Marwyk. Das Ehepaar hat 2006 zum ersten Mal Urlaub in dem Land gemacht und danach immer wieder. Klaus van Marwyk war beruflich viel unterwegs. Seine Frau hat ihn danach immer gefragt, ob es da schöner war als in Südafrika. „Ich habe dann überlegt und gesagt: Nein, eigentlich nicht“, sagt der 58-Jährige. „Egal wie lang der Urlaub war, es war immer traurig, wieder abzureisen“, sagt Martina van Marwyk.
Manager pendelte zwischen Stommeln und Wolfsburg
Klaus van Marwyk war vorher Finanzvorstand bei einem Logistikunternehmen in Wolfsburg und schied dort Ende März 2025 aus. Aktuell ist es seine erste Saison ausschließlich im Guest House. Vorher hat er zeitgleich noch für das deutsche Unternehmen gearbeitet. Martina van Marwyk war pharmazeutisch-technische Assistentin in der St.-Ulrich-Apotheke in Buschbell. 2021 ist sie ganz nach Südafrika gegangen. Zu dieser Zeit begann der Bau des Hauses, der im April 2023 abgeschlossen war.
Die Idee zum Guest House kam zu einer völlig anderen Zeit – im Lockdown, in einer Ein-Zimmer-Wohnung in Wolfsburg. Die hatte Klaus für seinen Job dort. Ein paar Jahre lang pendelte er zwischen Stommeln und Wolfsburg. Zusammen saß das Ehepaar, überrascht von der Pandemie, dann in der kleinen Wohnung im Norden. „Das war etwas herausfordernd“, erinnert sich Klaus van Marwyk. „Wie zu Studentenzeiten war das eigentlich.“

Aus den Gästezimmern der Pension kann man über Hout Bay auf die Bucht schauen.
Copyright: Van Marwyk
Das Ehepaar war durch die Situation dann auf sich allein gestellt, und viel Ablenkung gab es nicht. Viele Menschen kannten sie vor Ort auch nicht. „Wolfsburger sind keine Rheinländer“, sagt Martina van Marwyk.
Jetzt in Südafrika ist die Verbindung in die Heimat natürlich nicht abgebrochen. Die Kommunikation ist bequem, da es nur eine Stunde Zeitverschiebung nach Deutschland gibt. Das Ehepaar hat noch eine Tochter, die mit ihrem Partner und zwei Enkeln in Stommeln wohnt, und ihr Sohn lebt mit einer Enkelin und Partnerin in Köln-Ehrenfeld.
Wir jetzt eigentlich mehr Zeit für die Familie als im alten Leben
Im Juni und Juli sind Klaus und Martina dann immer zu Besuch in Deutschland. Dann wohnen sie in einem kleinen Apartment im Haus der Tochter. „Da haben wir jetzt eigentlich mehr Zeit für die Familie als im alten Leben“, sagt die 57-Jährige.
Pulheimer Ehepaar beschäftigt in Kapstadt drei Vollzeitkräfte
Ende Februar trifft sich die ganze Familie dann im Gästehaus in Südafrika. Dort läuft es seit dem Start gut. „Wir sind voll ausgebucht“, sagt Klaus van Marwyk. Drei Vollzeitangestellte haben sie in ihrer Unterkunft. Das Ehepaar legt großen Wert darauf, die Familie ihrer Mitarbeitenden zu unterstützen. So helfen sie Kindern oder Enkeln der Angestellten, gute Kindergärten zu finden oder Nachschulbetreuung zu bekommen. Dazu arbeiten sie mit unterschiedlichen Hilfsorganisationen zusammen.
In Südafrika gibt es noch immer große soziale Ungleichheit und viel Armut. Das öffentliche Bildungssystem ist schwach, und das Land leidet weiterhin unter der Korruption der lange regierenden Partei ANC. Viele, vor allem schwarze Menschen, leben in Wellblechhütten ohne fließendes Wasser oder zuverlässige Stromversorgung. Sogenannte „Townships“. So ein Viertel befindet sich auch in Hout Bay.
Die A1 und die A57 haben Klaus und Martina van Marwyk jetzt also gegen den Chapman's Peak Drive getauscht, eine der schönsten Straßen der Welt. Statt vor Wildwechsel warnen die Schilder im Verkehr vor Pavianen oder Pinguinen. Hinter ihrem Gartentor im Atlantik zeigen sich manchmal Wale.
In ihrer Freizeit fahren sie mit ihrem Wagen durch die Region, manchmal auch bis nach Namibia und genießen die Natur oder auch mal einen guten Wein, für den die Region bekannt ist. „Es gibt hier auch heute noch so viel zu entdecken“, sagt Klaus van Marwyk. Mehr als 20 Jahre nach ihrem ersten Urlaub hat das Abenteuer Südafrika für sie gerade erst begonnen.

