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Hilfe organisiertOberstleutnant berichtet von Erinnerungen an Flut in Rhein-Erft

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Stefan Hill (r.) begleitete Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer auf der zerstörten B265.

Erftstadt/Kerpen – Es sind Bilder, die er nie vergessen wird. Am Samstag nach der Katastrophe ist Oberstleutnant Hans-Peter Limburg durch Blessem gegangen. „In der Sonne war der Schlamm auf den Straßen hart wie Beton geworden, er platzte auf den Autodächern schuppig auf. Die Kanalrohre waren freigelegt. Kein Vogel war zu hören, stattdessen piepten in den Häusern Rauchmelder, weil die Batterien allmählich den Geist aufgaben. Es roch nach Öl und Fäkalien.“

Limburg leitet das Kreisverbindungskommando Rhein-Erft-Kreis, er und seine Leute sind im Katastrophenfall das Bindeglied zwischen ziviler und militärischer Hilfe. Mit seinem Stellvertreter Oberstleutnant Stefan Hill berichtet er von der Flut.

Büro im Kreishaus

Ausgerechnet die Corona-Pandemie hatte in dieser Katastrophe etwas Positives: Damals unterstützten Bundeswehrangehörige das Gesundheitsamt, deshalb hatte das Verbindungskommando ein Büro im Kreishaus. So war der Weg zum Krisenstab kurz. „Die Zusammenarbeit hat hervorragend funktioniert“, sagt Limburg. Er und Hill gehörten dem Krisenstab an, ein Soldat saß in der Kreisleitstelle. Der Einsatz in Sachen Corona endete am 16. Juli, der Hochwassereinsatz dauerte dann noch einmal bis Ende des Monats.

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Auch in der Corona-Pandemie haben Hans-Peter Limburg und Stefan Hill die Unterstützung durch die Bundeswehr organisiert.

Die guten Kontakte des Kreisverbindungskommandos hätten sich ausgezahlt, sind Limburg und Hill sicher. Sie hängten sich ans Telefon, riefen an Standorten in der ganzen Bundesrepublik an, organisierten Transportpanzer, die waten und schwimmen können, und später Bergepanzer, die es sogar schaffen, Lastwagen zu bewegen – denn auf der B265 schwammen fast 80 Fahrzeuge, Menschenleben waren in Gefahr. Hubschrauber der Bundeswehr waren es, die Säcke mit Steinen nach Blessem brachten, um die Erft zurück in ihre Bett zu zwingen.

Als am Samstag nach dem Hochwasser die damalige Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer anreiste, zeigte Hill ihr die zerstörte Bundesstraße. Die Offiziere sind stolz darauf, was Soldaten in der Katastrophe geleitet haben. Manche hätten bis an die Hüften im Wasser gestanden und Sandsäcke weitergereicht, um das Wasser zu stoppen, erzählt Stefan Hill.

Schlaflose Nächte

Viele hätten spontan weiter geholfen, als ihr Einsatz eigentlich vorbei gewesen sei, hätten geschippt und geräumt. Feldjäger hätten in Bliesheim geholfen, aus Bonn und Euskirchen seien Soldaten gekommen, die eigentlich für IT zuständig seien, um tatkräftig anzupacken. Schlaflose Nächte, Angst um Menschenleben, schreckliche Bilder im Kopf – „Ich bin noch nicht fertig damit“, sagt Oberstleutnant Limburg. Unter ein Bild, das ihn zeigt, hat er geschrieben: Die Anspannungen und das Erlebte und Gesehene haben die Furchen im Gesicht tiefer werden lassen. Stefan Hill sagt es noch deutlicher: „Man muss nicht im Krieg gewesen sein, um eine posttraumatische Belastungsstörung zu haben.“

Doch sie machen weiter, entwerfen neue Übungsszenarien, in die die Erfahrungen aus der Hochwasserkatastrophe einfließen. Beim nächsten Mal wollen sie noch besser gerüstet sein.

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Und warum opfern sie so viele Stunden, so viel Kraft? Die Frage stellt sich den Leitern des Kreisverbindungskommandos offenbar gar nicht. Limburg schaut nachdenklich auf seine Jacke im Flecktarn-Muster. „Wenn es nicht diese Uniform wäre“, sagt er, „dann wäre es die blaue vom Technischen Hilfswerk oder irgend eine andere.“ Im Frühjahr jedoch geht seine Zeit in Uniform dann doch zu Ende.