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angsam wird's kritischWas den Obstbauern in Rhein-Erft  sauer aufstößt

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Alexander Thomas von der Thomas-Haenraets Vertriebs GbR in Hürth-Fischenich. Die Kürbisse werden am Hof gewaschen, sortiert, verpackt und von dort in Lkw aufgeliefert.

Alexander Thomas von der Thomas-Haenraets Vertriebs GbR in Hürth-Fischenich. Die Kürbisse werden am Hof gewaschen, sortiert, verpackt und von dort in Lkw aufgeliefert.

Treibstoff, Energie, Lohnkosten, Umweltauflagen: Die Landwirtschaft rechnet sich nicht mehr für alle Betriebe.

Die Lage ist ernst: „Viele landwirtschaftliche Betriebe geben auf“, äußert sich Peter Muß vom Provinzialverband Rheinischer Obst- und Gemüsebauern besorgt über die Entwicklung der Landwirtschaft im Rheinland. Viel zu oft bekämen die Landwirte ihre Produkte nämlich nicht mehr kostendeckend bezahlt. „Die legen unterm Strich sogar drauf“, merkt Muß an. Kostentreiber sei auch die Politik – etwa durch die hohen Energie- und Lohnkosten, aber auch durch die immer weiter zunehmende Bürokratie.

„Die kompletten Produktionskosten sind gestiegen – alles ist teurer geworden“, sagt dazu Landwirt Alexander Thomas von der Thomas-Haenraets Vertriebs GbR aus Hürth-Fischenich. Aktuell steckt das Unternehmen mitten in der Kürbisernte. Die Vertriebs GbR hat auf mehreren hundert Hektar etwa 60 verschiedene Speise- und Zierkürbisse im Anbau. Und auch im 21. Jahrhundert werden die Kürbisse auf ihren Feldern noch händisch geerntet – in diesem Jahr insgesamt rund 12 bis 15 Millionen Kürbisse.

Der Lebensmittelhandel diktiert die Preise für Kürbisse

Entsprechend groß ist aktuell die Zahl der Mitarbeiter. Der Mindestlohn treibe da die Produktionskosten schon ziemlich in die Höhe – doch nicht alleine. „Die Treibstoffkosten sind aktuell sogar so hoch wie noch niemals zuvor“, erklärt Thomas. „Alleine in unserem Unternehmen sind dadurch seit Februar 2026 Mehrkosten in Höhe von 150.000 Euro entstanden“, berichtet er.

Gestiegen seien aber auch die Kosten für Energie, Pflanzenschutz und die Verpackungsmaterialien, die Folien für den Kürbisanbau, die Reparaturen der Gerätschaften und erst recht für Neuanschaffungen. „Sogar die Kistenmiete ist teurer geworden.“

Geschäftsführer Michael Becker und der neue Inhaber des Obsthofes in Pulheim-Stommeln, Daniel Schiffers, bei der Apfelernte.

Geschäftsführer Michael Becker und der neue Inhaber des Obsthofes in Pulheim-Stommeln, Daniel Schiffers, bei der Apfelernte.

Jeder nehme sich seinen Teil, um die Mehrkosten aufgrund der Verteuerung aufzufangen. „Nur wir Landwirte bekommen für unsere Produkte, wenn wir Glück haben, die Preise vom Vorjahr – bei einzelnen Kürbissorten aber nicht einmal das“, sagt er. Für den Butternut und Hokkaido diktiere ihnen zum Beispiel der Lebensmitteleinzelhandel die Preise. „Das bremst natürlich auch unsere Lust und die Motivation“, erklärt er.

Irgendwann sei bei dieser Preispolitik auch der Zeitpunkt erreicht, wo man sich den Anbau einfach auch finanziell nicht mehr leisten könne. „Eine Preisuntergrenze lässt die freie Marktwirtschaft für die Vermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse hier in Deutschland allerdings nicht zu“, sagt Peter Muß.

Wenn nicht bald was passiert, dann fahren wir die Produktion zurück
Alexander Thomas

Im Bereich der landwirtschaftlich produzierten Lebensmittel gebe es sogar einen komplett freien Handel. „Und es gibt keine Möglichkeit, die Landwirte davor hier zu schützen“, betont Muß. „Wenn nicht bald was passiert, dann fahren wir die Produktion zurück“, kündigt Thomas mit Blick auf den Preiszirkus an. Als Landwirt trage er ja auch noch das volle Risiko. Denn weder bekommt er im Vorfeld vom Einzel- oder Großhandel eine Abnahmegarantie, noch gäbe es eine Garantie auf einen Mindestpreis.

Auch die Verluste, die dem Betrieb durch den heißen, trockenen Sommer entstanden sind, trage der Betrieb alleine. „Die Kürbisse sind teils kleiner als üblich, teils sind auch weniger Kürbisse an den Pflanzen herangewachsen“, erklärt er. Nach der Ernte werden die Kürbisse auf dem Hof in Fischenich gewaschen, sortiert und verpackt. „Wir vermarkten unsere Produkte zumeist über den Großhandel“, erklärt Thomas. Die Zier-, Ess- und Schnitzkürbisse aus Hürth-Fischenich sind in ganz Deutschland in den Supermärkten und Discountern zu haben.

Im Kürbis-Atelier bekommen die Früchte ein Gesicht. Sie schauen dann grimmig, lustig oder auch gefährlich aus. Dabei ist jeder Kürbis auch ein handgemaltes Kunstwerk.

Im Kürbis-Atelier bekommen die Früchte ein Gesicht. Sie schauen dann grimmig, lustig oder auch gefährlich aus. Dabei ist jeder Kürbis auch ein handgemaltes Kunstwerk.

Eine Besonderheit sind darüber hinaus die handbemalten Kürbis-Kunstwerke – ein Geschäftszweig, den sich Aneta Thomas mit einem kreativen Team in ihrem Atelier am Hof aufgebaut hat. Auch ihre Kürbis-Kunstwerke können in vielen Geschäften deutschlandweit gekauft werden.

„Die Kosten für Lohn, Treibstoff und Pflanzenschutz sind extrem gestiegen und inzwischen die größten Kostentreiber im Unternehmen“, merkt auch Obstbauer Christian Boekels (35) vom Fliestedener Obsthof in Bergheim an. Hauptsächlich hat er Äpfel und Kirschen im Anbau. „Wir sind aber nur ein kleiner Familienbetrieb“, erklärt er. Gleichwohl hat Boekels einen ziemlich direkten Blick auf die Wertschätzungskette. Die Kirschen verkauft er komplett in seinem Hofladen.

Pulheim: Mehrkosten von 15 Prozent wegen gestiegenen Diesel-Preises

Und auch gut 80 Prozent seiner Äpfel gehen dort über die Theke. Doch 20 Prozent seiner Äpfel verkauft er über den Großhandel. Und dort habe er in diesem Jahr netto 20 Cent weniger pro Kilogramm für seine Äpfel bekommen als 2024. Unterm Strich rechnet er in diesem Jahr mit rund 20 Prozent weniger Erlös als noch im Vorjahr – auch, weil er die Produktionsmehrkosten erst einmal auf die eigene Kappe genommen und die Preise im Hofladen nicht erhöht hat.

Mit Mehrkosten durch die gestiegenen Dieselpreise von mindestens 15 Prozent rechnet auch der neue Inhaber des Gartenhofs Becker in Pulheim-Stommeln, Daniel Schiffers. Hinzu kämen die Personalkosten, die für die Azubis, Gesellen und Meister ja auch alle zwei Jahre auch um etwa zehn Prozent steigen. „Wir zahlen unser Team ja nach Tarif“, ergänzt Geschäftsführer Michael Becker (61).

Sein Vater sei mit den Erzeugnissen noch zur Versteigerung nach Bornheim-Roisdorf gefahren. „Früher hatte Vater gut zehn Hektar im Anbau“, berichtet Becker. Mit der Selbstvermarktung sei die Anbaufläche auf heute nur noch 4,5 Hektar reduziert worden. Bereits in den 1960er Jahren hatte sein Vater neben dem Obstanbau auch die Baumschule aufgebaut. „Und als Experiment habe ich vor elf Jahren hier sogar einen Olivenhain angelegt“, erzählt er und zeigt die prächtig voller Oliven hängenden Bäume.

Inzwischen erntet Becker in der Plantage aber auch Pfirsiche und Aprikosen. Relativ neu sind die Granatapfelbäume. „Als Selbstvermarkter trägt man das komplette Risiko alleine“, räumt er ein. Gleichwohl sei er seinem Vater unendlich dankbar, dass er schon in den 1970er Jahren die Zeichen der Zeit erkannte und den Betrieb komplett auf Selbstvermarktung über den Hofladen umgestellt hat.

„Seitdem bestimmen wir den Preis“, sagt Becker. Und der sei bei ihnen im Hofladen oft sogar noch günstiger pro Kilo Äpfel als im Supermarkt. Allerdings müsse er als Unternehmer auch selbst für die Lagerung der Produkte sorgen und für seine Erzeugnisse werben.

Selbst vermarktet auch Landwirt Michael Schumacher vom Spargel- und Erdbeerhof in Erftstadt-Konradsheim seine Produkte im Hofladen. Aktuell steckt auch er mitten in der Apfelernte. Den ganzen September bis Anfang Oktober lädt er ausschließlich an den Wochenenden von Freitag bis Sonntag auch zum Äpfel-Selberernten in seine Plantage ein. Das Apfelfest wird bei Schumachers am 26. und 27. September 2026, Frenzenstraße 122, gefeiert – jeweils von 10 Uhr bis 19 Uhr.