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Gräben bestehen weiter
Grüne in Rhein-Erft sind sich einig – aber nur in Personalfragen

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Die Kandidatinnen der Grünen für die Landtagswahl 2027 (v.l.): Verena-Leonie Müller, Annika Effertz und Astrid Dahmen-Fries.

Die Kandidatinnen der Grünen für die Landtagswahl 2027 (v.l.): Verena-Leonie Müller, Annika Effertz und Astrid Dahmen-Fries.

Personell sind die Grünen für die Landtagswahl gut aufgestellt. Aber die seit Lagerkämpfe schwelen weiter.

Sie können dann doch noch Einigkeit: Vor Wochenfrist haben die Grünen Verena-Leonie Müller (Erftstadt), Astrid Dahmen-Fries (Bergheim) und Annika Effertz (Kerpen) zu ihren Kandidatinnen für die Landtagswahl im April kommenden Jahres gewählt. Keine der drei Frauen ging durch ein schwaches Votum beschädigt aus der Abstimmung hervor, sodass sie auch im Wahlkampf, der vermutlich erst zu Jahresbeginn in Schwung kommen wird, mit uneingeschränkter Unterstützung der Basis rechnen dürfen.

Wobei alle drei mit dem Wissen ins Rennen gehen, dass sie ihren jeweiligen Wahlkreis und somit das Direktmandat für einen Sitz in Düsseldorf aller Voraussicht nach nicht gewinnen werden. Wobei Effertz dennoch Aussichten hat, dem künftigen NRW-Landtag anzugehören. Sie war schon im Juli von ihrer Partei zur Spitzenkandidatin gewählt worden und bewirbt sich um einen aussichtsreichen Platz auf der Landesliste.

Abgeordnete, die Strukturwandel vor ihrer Haustüre erleben

Über diesen Weg waren 2022 Antje Grothus (Kerpen) und Anja von Marenholtz (Pulheim) ins Parlament eingezogen. Bei beiden steht schon länger fest, dass sie für eine weitere Legislaturperiode nicht kandidieren würden. Die Kerpenerin hatte schon vor Monaten angekündigt, dass sie sich – so sehr es ihr auch schwerfalle – aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen müsse; die Pulheimerin legte im Juni ihr Amt nieder, mit der Begründung, sie wolle sich als Schatzmeisterin voll und ganz um die Organisation des Wahlkampfes für ihre Partei konzentrieren.

Dem Vernehmen nach haben von Marenholtz und Grothus in ihrer Landespartei viele Gespräche geführt, damit mit Annika Effertz auch in den kommenden fünf Jahren eine Grüne aus dem Rhein-Erft-Kreis in der Fraktion vertreten ist. Ein gewichtiges Argument dafür liefern der Strukturwandel und der Kohleausstieg 2030 – da hat es Sinn, eine Abgeordnete aus der Region in den Reihen zu wissen, die den Wandel vor ihrer Haustüre erlebt. Und zum anderen hat sich die Kerpenerin in den vergangenen Jahren zweifelsohne bei den Grünen im Rhein-Erft-Kreis Anerkennung und Respekt erworben.

Landespartei frage sich, ob die Grünen im Rhein-Erft-Kreis „verrückt“ seien

In Wahlkämpfen erprobt ist sie ohnehin. Bei der Kommunalwahl im vorigen Herbst trat sie in der Kolpingstadt als Bürgermeisterkandidatin an und holte respektable 15,4 Prozent, rund drei Prozentpunkte mehr, als die Grünen selbst bekamen. Im Nachgang wurde sie mit Ruth Donner Fraktionsvorsitzende und hat sich zum Ziel gesetzt, das politisch notorisch zerstrittene Kerpen zu versöhnen.

Apropos zerstritten: das sind die Grünen im Kreis auch nach ihrer Mitgliederversammlung vor Wochenfrist. In der Frage, ob der wegen deftiger Aussagen in Richtung einiger Grüner in der Kritik stehende Alexander Franz als Vorstandsmitglied noch tragbar ist, gibt es zwei Meinungen.

Ein Teil will Franz’ Demission, der andere Flügel (zumeist altgediente Mitglieder) sprach sich indes für ein Mediationsverfahren aus, um „wieder zusammenzukommen“, wie es von Marenholtz formulierte. Die es sich zudem nicht nehmen ließ, den Anwesenden das Unverständnis der Landespartei wegen der anhaltenden Konflikte um Strukturen kundzutun. In Düsseldorf frage man sich, ob einige Grüne im Rhein-Erft-Kreis „verrückt“ seien.

Auch eine Möglichkeit, mit anderen Meinungen umzugehen. Klingt so gar nicht nach dem Anspruch der Grünen, auch Andersdenkende zu tolerieren oder gar als Gewinn zu betrachten.

Andere Zeiten . . .