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Acht Monate nach dem HochwasserVielerorts wird immer noch Hilfe benötigt

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Mit Plastiktüten voller Lebensmittel ist Maike Kordes spontan in die zerstörten Orte an der Ahr gefahren.

Brühl/Wesseling – „Es ist das Ahr-Fieber.“ Barbara Dewald ist sich sicher in ihrer Diagnose. Der Wesselingerin genügt das als Erklärung, warum sie auch sieben Monate nach der Hochwasserkatastrophe immer noch jedes Wochenende in die am schlimmsten zerstörte Region fährt. Sogar an Heiligabend und an Silvester war sie dort.

„Was kann man Sinnvolleres mit seinen Wochenenden anfangen, als Menschen Freude und Hoffnung zu bringen?“, fragt die 57-Jährige. Bei ihrer Nichte, Maike Kordes aus Brühl, war das Ahr-Fieber zwischenzeitlich etwas abgeklungen, seit Weihnachten fährt sie wieder mit. Die Hilfe für die Hochwasseropfer hat sich im Laufe der Monate zu einem regelrechten Familienprojekt entwickelt.

Wenn das rote Auto kommt, kommen dringend benötigte Sachen

„Wenn das rote Auto kommt, wissen die Leute, dass wir ihnen dringend benötigte Sachen bringen“, erzählt Maike Kordes. Der Lieferwagen ihrer Tante, die am Wesselinger Kronenweg einen Obst- und Gemüseladen hat, ist im Ahrtal längst bekannt. Und das Geschäft hat sich zur Zentrale der Hilfsaktionen entwickelt.

Die Bilder vor allem aus den ersten Wochen nach der Flut haben sich tief eingebrannt bei den beiden Frauen. Barbara Dewald kämpft immer wieder mit den Tränen, wenn sie davon erzählt. „Ich weiß, ich kann die Häuser nicht wieder aufbauen“, sagt sie. Aber sie könne die immer noch akute Notlage mildern – und sei es manchmal auch nur mit einem Gespräch. Mittlerweile habe sie ein Netzwerk aufgebaut und wisse, wer was brauchen könne.

Vier Autos hat Barbara Dewald (l.) in den vergangenen Monaten für Menschen organisiert, die alles verloren haben.

Am Anfang hat Maike Kordes einfach Lebensmittel, Hygieneartikel und ähnliches zusammengepackt und ist mit einer großen Plastiktüte losgezogen, mitten in die Zerstörung, ohne die geringste Ahnung, wem sie helfen könnte. Inzwischen konzentriert sich die Aktion vor allem auf die Orte Ahrweiler, Altenburg und Heimersheim. Und längst sind es nicht mehr nur Alltagsgegenstände. Barbara Dewald hat vier Autos an die Ahr gebracht, Fahrzeuge, die ihr wiederum gespendet worden sind. Und aller Wahrscheinlichkeit nach bekommt bald eine fünfte Familie einen fahrbaren Untersatz.

„In Ahrweiler haben die Leute große Angst, dass ihre Stadt ausstirbt“

Die Geschichten, die Dewald erzählt, sind selbst beim Zuhören schwer zu verkraften. Von einem Familienvater, dem das Wasser die 15-jährige Tochter von der Hand weggerissen hat. Von dem Mann, der das junge Mädchen aus den Fluten gezogen und mit ihm stundenlang auf einer umtosten Mauer ausgehalten hat. Von Menschen, die im wieder hergestellten Keller keine Türen einbauen, weil vom Wasser zugedrückte Türen aus Kellerräumen tödliche Fallen gemacht haben.

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Trotz der Zerstörung, die immer noch allgegenwärtig ist, trotz des Anblicks der leerstehenden Häuser und weggerissenen Brücken empfiehlt Maike Kordes, mal ins Ahrtal zu fahren. Nicht aus Sensationsgier, sondern um den Menschen dort zu zeigen, dass sie nicht vergessen sind. „In Ahrweiler beispielsweise haben die Leute große Angst, dass ihre Stadt ausstirbt.“

Barbara Dewalds Laden am Kronenweg ist Anlaufstelle für Sachspenden, sie weiß, was benötigt wird. Und sie ist mittlerweile Expertin darin, ihren roten Lieferwagen so zu packen, dass keine Lücken bleiben. Am Wochenende ist sie wieder unterwegs ins Ahrtal. Sie sagt: „Wenn mich vor acht Monaten jemand gefragt hätte, ob ich so etwas mache, hätte ich gesagt, dass ich keine Zeit dafür habe. Heute frage ich mich, was ich früher überhaupt am Wochenende gemacht habe.“