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Prozess in KölnHinweise verdichten sich, dass Ex-FC-Spieler Rennen vereinbart haben

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Die beiden Angeklagten sitzen im Landgericht neben ihren Anwälten.

Die beiden Angeklagten sitzen im Landgericht neben ihren Anwälten. 

Ein Sachverständiger widerlegte am fünften Prozesstag vor dem Landgericht Köln die Aussagen der beiden Angeklagten.

Eine überraschende Wende nahm der Prozess gegen zwei Ex-FC-Nachwuchsspieler, die angeklagt sind, sich am 1. Dezember 2023 ein illegales Autorennen mit Todesfolge auf der A555 geliefert zu haben. Am fünften Verhandlungstag widerlegte ein Sachverständiger für Straßenverkehrsunfälle die Einlassung beider Angeklagter zu dem Inferno kurz nach der damaligen Baustelle Godorf in Fahrtrichtung Bonn, bei dem zwei Frauen ums Leben kamen.

Eine Woche nach dem Unglück ließ die Polizei Köln ein Gutachten zum Hergang erstellen. Der Ingenieur war die Strecke vom Verteilerkreis Köln-Süd bis zum Unfallort in Höhe der Ausfahrt Wesseling abgefahren und hatte in Crash-Tests mit baugleichen Autos die zum Zeitpunkt des Aufpralls gefahrenen 205 Stundenkilometer des Audi A5 und Mercedes E400 ermittelt, mit denen die Angeklagten unterwegs waren.

Sachverständiger widerspricht Darstellung der Angeklagten

In Animationen führte der 64-Jährige vor Augen, welche Schäden die Autos aufweisen und welches Spurenbild sich durch Reifenabdrücke und ausgelaufene Flüssigkeiten auf der Straße hätte abbilden müssen, um zu den Schilderungen der beiden Angeklagten zu passen. Der Sachverständige kam zu dem Schluss: „So kann das nicht gewesen sein.“

Beim Prozessauftakt hatte der Mercedes-Fahrer behauptet, der Audi-Fahrer habe ihn durch rasanten Spurwechsel zu einem Autorennen verleitet und versucht, ihn auf den Standstreifen abzudrängen. Der Audi-Fahrer wiederum versicherte, er habe den Polo, in dem die beiden Frauen auf der rechten Spur unterwegs waren, links überholen wollen; der Aufprall sei ein Unfall gewesen.

So kann das nicht gewesen sein
Unfallsachverständiger im Prozess

Die Datenauswertung zeichnete dagegen ein anderes Bild: Demnach trat der Mercedes-Fahrer auf dem Beschleunigungsstreifen aufs Gaspedal, um sich vor den Audi-Fahrer zu setzen, der auf der rechten Fahrspur hinter dem Polo fuhr. Statt einen Überholvorgang einzuleiten oder sich in den fließenden Verkehr einzufädeln, wetteiferten die Piloten an der Standspurlinie um die Pole Position. Bis Mercedes und Audi kollidierten, so dass der Audi binnen Sekunden mit solcher Wucht gegen das Heck des Kleinwagens katapultiert wurde, dass der Polo sofort in Flammen aufging.

„Ich bin durch Trümmerteile gefahren“, berichtete ein Zeuge, der aus der Nähe sah, wie der Polo über die mittlere und die linke Fahrspur gegen die Mittelleitplanke geschleudert worden war. Der 30-Jährige stieg aus, um die Polizei zu rufen und nachzusehen, ob er die Insassen aus dem brennenden Fahrzeug herausziehen könnte, als es eine zweite Explosion gab. Hinter dem Zeugen hatte sich bereits ein Stau gebildet.

Die beiden anderen beteiligten Fahrzeuge und die jungen männlichen Insassen will er zwar gesehen haben, bei Gericht erkannte er sie aber nicht wieder. Auf Nachfrage der Staatsanwältin, wie er mit der Situation fertig geworden sei, erzählte der leitende Angestellte: „Die ganze Nacht hing ich am Handy, hoffte zu lesen, dass es die Polo-Insassen doch noch geschafft haben. Beim Gedanken, dass sie tot sind, läuft es mir heute noch kalt den Rücken herunter.“

Während der Vater der getöteten jungen Frau auf der Nebenklagebank sitzt, verfolgen weitere Angehörige die Verhandlung vom Zuschauerraum aus. Sie haben das Lieblingsstofftier der 23-Jährigen mitgebracht, einen kleinen Plüschtiger. Der Prozess wird fortgesetzt.