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Lärm, Staub, ErschütterungenWie die Anwohner den Abriss der Bonner Nordbrücke erleben

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Während der Abrissarbeiten an der linksrheinischen Vorlandbrücke müssen die Bauteile immer wieder mit Wasser besprengt werden, um hohe Staubbildung zu vermeiden. Den Anwohnerinnen und Anwohnern vor Ort reicht das als Schutz aber nicht aus.

Während der Abrissarbeiten an der linksrheinischen Vorlandbrücke müssen die Bauteile immer wieder mit Wasser besprengt werden, um den Staub zu binden. Den Anwohnerinnen und Anwohnern vor Ort reicht das als Schutz aber nicht aus.

Bis Ende des Jahres soll die Vorlandbrücke abgerissen sein. Für die Menschen in der Nachbarschaft sind die Bauarbeiten eine kontinuierliche Belastung.

Wer nicht im direkten Umfeld wohnt, mag in den vergangenen Wochen den Eindruck gewonnen haben, es sei ruhiger geworden um die Bonner Nordbrücke – doch das ist bei weitem nicht der Fall. 

Nachdem mit großem Aufwand vor knapp einem Monat am zweiten Augustwochenende der erste große Abschnitt der maroden linksrheinischen Vorlandbrücke abgerissen wurde, ging es auf der Baustelle in Bonn kontinuierlich weiter. Für die direkten Anwohnerinnen und Anwohner ist das eine nervliche Zerreißprobe: Sie sind ständig Baustellenlärm und Staubbelastung ausgesetzt. Erschütterungen durch die schweren Geräte sind nicht selten und verursachen manchen Anwohnern sogar Sorge um die Sicherheit ihrer Gebäude. Regale zittern, Gläser klirren, Wände vibrieren.

Auf der Seite der Bonner Fahnenfabrik ist nichts aufgeschüttet, wenn da etwas herunterfällt, knallt das ordentlich.
Birgit Grahn, Anwohnerin an der Nordbrücke über den Lärm und die Staubbelastung

Birgit Grahn, die an einer Querstraße etwa 100 Meter entfernt von der Nordbrücke wohnt, berichtet, sie gehe nur noch mit Brille und Mundschutz in ihren Garten. Der Staub von den Abbrucharbeiten an der Brücke verursache ein Brennen in den Augen und im Rachen. „Es kann sein, dass ich besonders empfindlich bin gegen diesen Zementstaub“, sagt Birgit Grahn. Der Lärm sei nicht zu vermeiden, die Staubbelastung sei aber besonders schlimm. Ihrer Meinung nach reicht das Bewässern  der Schutthalde nicht aus. 

Die Anwohnerinnen und Anwohner könnten zudem keine Wäsche mehr draußen aufhängen, weil es zu staubig sei, sagt die Anwohnerin. In den vergangenen Wochen während der starken Hitze habe sie die Fenster kaum öffnen können, sowohl wegen der Staubbelastung als auch wegen des Lärms durch die Baustelle. Die Autobahn GmbH habe eigentlich mehr Schutz für die Anwohner angekündigt als nur Wasserbesprengung – beispielsweise Planen und Lärmschutzwände –, doch davon habe nichts verwirklicht werden können.

Teilweise sei Sand aufgeschüttet worden, um die Wucht von herunterfallenden Betonteilen abzudämpfen, erzählt die Anwohnerin. „Aber auf der Seite der Bonner Fahnenfabrik ist nichts aufgeschüttet, wenn da etwas herunterfällt, knallt das ordentlich.“ 

Garage und Gartenmauer von Bonner Anwohnerin müssen abgerissen werden

Auch Selver Alat empfindet den Staub als besonders belastend. Ihr gehört das Haus an der Römerstraße direkt an der Nordbrücke, in dem auch ein Eiscafé untergebracht ist. Normalerweise seien immer die Gäste des Römerbads auf dem Hin- oder Rückweg vorbeigekommen, um sich ein Eis zu holen. Aber seit der Sperrung der Brücke führen keine Autos mehr, und die Kunden blieben aus.

Die Betreiberin der Eisdiele, an die Alat vermietet hat, habe in der laufenden Saison im Prinzip kaum einmal öffnen können. Die Eisdiele bleibe vorerst geschlossen. „Ich kann meinen Garten hinten gar nicht mehr nutzen, der ist fast direkt unter der Brücke“, sagt Selver Alat.

Unter der Brücke sei der komplette Schutt abgeladen worden, von dem der Wind oft den Zementstaub aufwirbele und zu ihr herüberwehe. Wie es für sie nun weitergeht, weiß Selver Alat noch nicht. Wenn die Bauarbeiten an ihrem Haus angekommen sind, müssten wohl ihre Garage und ihre hintere Mauer abgerissen werden, weil die Bauarbeiten dort Platz bräuchten. Auch ihr Garten werde dann genutzt.

„Das wurde mir gesagt, aber eine schriftliche Mitteilung habe ich nicht. Wenn es soweit ist, sollen die Verantwortlichen auf mich zukommen“, so Alat. Sie rechne damit, dass das voraussichtlich im Oktober sein werde. „Nach dem Abriss sollen meine Gebäude auch wieder aufgebaut werden.“ Wie der Ablauf sein wird, weiß sie noch nicht.

Sorge um Wert und Statik der Eigentumshäuser an der Nordbrücke

Die Vibrationen und Erschütterungen, die durch die Arbeiten verursacht werden, bereiten vielen direkten Anwohnerinnen und Anwohnern Sorgen um ihre Häuser. Am Ubierweg seien in Häusern Risse im Fußboden durch die Abrissarbeiten entstanden, die sich auch vergrößerten. „Bei einem Bekannten war ein Gutachter vor Ort, der festgestellt hat, dass der Keller gestützt werden muss. Passiert ist das aber bisher nicht“, berichtet Birgit Grahn. „Meiner Meinung nach macht es sich die Autobahn GmbH zu einfach“, beschwert sie sich.

An der Graurheindorfer/Herseler Straße sind die Abrissarbeiten inzwischen beendet. Staub und Lärm machen den Anwohnern dennoch weiter zu schaffen.

An der Graurheindorfer/Herseler Straße sind die Abrissarbeiten inzwischen beendet. Staub und Lärm machen den Anwohnern dennoch weiter zu schaffen.

Die Anwohnerinnen und Anwohner hätten sich vielfach an die Autobahn -Gesellschaft gewandt und fühlten sich trotzdem alleingelassen. „Wir werden immer nur vertröstet. Gutachter, die, von der Autobahn GmbH beauftragt, vor Beginn der Bauarbeiten unsere Häuser überprüfen sollten, kamen erst lange nach Beginn der Arbeiten und nach mehrmaligem Nachfragen.“

Die Verantwortlichen müssen auch Verständnis für uns haben. Wir wohnen hier, wir können nicht einfach weg.
Birgit Grahn, Anwohnerin

„Wir haben Verständnis für die Baustelle“, betont Birgit Grahn. „Wir wissen, das muss gemacht werden. Aber die Verantwortlichen müssen auch Verständnis für uns haben. Wir wohnen hier, wir können nicht einfach weg.“ Besonders störe sie, dass die Zusage eines Eins-zu-Eins-Neubaus der Vorlandbrücke nicht eingehalten werde. Stattdessen werde die Brücke zunächst schmaler neu gebaut als vorher, sodass die Auffahrt nach Beuel für Jahre wegfalle – und zwar, bis die gesamte Brücke erneuert werde.

In diesen ersten Septemberwochen sollten noch Arbeiten auf Höhe des Ubierwegs und am östlichen Ende des Bauwerks auf Höhe des Römerbads beginnen, teilt die Autobahn GmbH auf der Projektseite für die Vorlandbrücke (bonnbewegt.de) mit. Bis 4. September fanden die Abrissarbeiten am östlichen Teil der Graurheindorfer Straße und Herseler Straße statt. Zudem fänden durchgehend im gesamten Umfeld der Vorlandbrücke vorbereitende Arbeiten statt. „Dazu zählen unter anderem der Auf- und Abbau der Fallbetten aus Sand sowie Materialtransporte.“ Ab Freitag wurde, so die Autobahn GmbH, die nördliche Spindel des Fahrradwegs abgerissen.


Für die Nächte auf Mittwoch und Donnerstag, 9. und 10. September, hat das Unternehmen Schwertransporte angekündigt: „Für den Abbruch besonders hochliegender Bauteile der Vorlandbrücke im Bereich der Kläranlage werden zwei Großgeräte benötigt.“ Diese beiden 120 Tonnen schweren Baumaschinen werden in diesen Nächten zur Baustelle angeliefert. Ein solcher genehmigungspflichtiger Schwertransport könne nur nachts stattfinden, um die Auswirkungen auf den Verkehr so gering wie mögich zu halten, erklärt die Autobahn-Gesellschaft. „Je nach Transportablauf kann es vorübergehend zu Einschränkungen auf der Autobahn und im Umfeld der Baustelle an der Graurheindorfer Straße kommen.“ (at)