- Rund 80 Auftritte absolvierten The Cöln im Jahr, neben Job und Studium. Die Neue Deutsche Welle beendete den Erfolg.
- Nach 40 Jahren gab es im legendären Kölner Kellerclub Basement jetzt ein Comeback-Konzert.
Rhein-Sieg-Kreis – „So you wanna be a Rock n Roll Star“, sang Patti Smith 1979; fünf junge Musiker aus der Region machten ernst: Als The Cöln feierten Dirk Schlömer (Gitarre), Carsten Seim (Gesang), Wolfgang Mertens (Keyboards), Ralf Felder (Drums) und Andreas Merkel (Bass) schnell Bühnenerfolge, machten sich einen Namen auf Festivals und Vorgruppe zu internationalen Topacts.
Jetzt ist ihr unverwechselbarer Sound wieder zu hören: Nach 40 Jahren hat die Edition Steffan eine CD mit alten Aufnahmen der New-Wave-Band auf den Markt gebracht, und im legendären Kölner Kellerclub Basement gab es ein Comeback-Konzert. „Wir haben es noch einmal geschafft, das Ding auf die Bühne zu bringen“, sagt Wolfgang Mertens, der in Happerschoß aufwuchs. „Das ist wirklich ein Wunder“, findet der Sieglarer Seim.

Rund 80 Auftritte absolvierten The Cöln im Jahr, neben Job und Studium. Die Neue Deutsche Welle beendete den Erfolg.
Copyright: Andreas Helfer
Am Anfang stand in den 70ern die Lyrik-Rock-Band Eozän, die Mitglieder waren unter anderem in Troisdorf unterwegs, auch in der legendären Kneipe „Meeting“, wo sie 1978 auf den Sieglarer Carsten Seim trafen und ihn als Sänger und Texter verpflichteten.
Der Englisch-Student nahm die Aufgabe ernst, ließ seine Lyrics von einer Uni-Dozentin gegenlesen. Sogar Gesangsunterricht nahm er zeitweise.
Dreierpack
Die CD „The Cöln – Complete Works“ bietet auf drei Tonträgern die Aufnahmen zum Hiltpoltstein-Album, mehrere Konzertmitschnitte sowie das in Berlin aufgenommene Paragon-Album und ist zum Preis von 24,90 Euro online erhältlich. (ah)
www.edition-steffan.de
Energisch brachte Seim als Frontmann die Songs rüber, die bald nichts mehr mit lyrischem, ausufernden Art-Rock zu tun hatten, sondern voll auf der Höhe der Zeit waren: Schnell, hart und ruppig klangen The Cöln mit ihrem New Wave, direkt und manchmal rotzig wie eine Punkband, allerdings mit souveräner Beherrschung der Instrumente. Der Name The Cöln mit der eigenwilligen Schreibweise war als Statement zu verstehen, dass man es auf internationalen Erfolg anlegte.

Nach 40 Jahren gibt es endlich die CD: Keyboarder Wolfgang Mertens, Schlagzeuger Ralf Felder, Sänger Carsten Seim und Filmemacher/Verlagsinhaber Frank Steffan (von links) freuen sich.
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Die fünf spielten als Vorgruppe für Hermann Brood, Aha oder Judas Priest, wo bei der Ballade „You Are My Sunshine“ allerdings die Metalfans Bierdosen warfen. Einig sind sich die Musiker, dass sie einmal sogar Eric Burdon das Leben schwer machten: Vor dem Hauptact forderte das Publikum Zugabe um Zugabe von der Band.
Auf 80 Konzerte im Jahr brachten sie es neben Job und Studium, Carsten Seim erinnert sich an „lange Arme“ vom Schleppen der schweren Lautsprecherboxen und den Kampf gegen den Sekundenschlaf, nachts am Steuer eines VW Käfer auf dem Rückweg von Hamburg.
Oder an ein gemeinsames Konzert, auf dem auch die Hagener Stripes zu hören waren – mit einer Sängerin, die damals noch Gabriele Kerner hieß und später als Nena etwas richtig erfolgreich machte, was The Cöln partout nicht wollten: deutsche Texte singen.
Unaufhaltsam rollte die Neue Deusche Welle heran, aber die Rheinländer surften nicht mit, blieben ihren englischen Texten treu. Seim textete über die Flucht aus einer grauen Kleinstadt („Leaving Town“), über Beziehungen oder die „Big Ideas“ eines Größenwahnsinnigen, und konnte sich einfach nicht vorstellen, in die Muttersprache zu wechseln. „Das war einfach nicht meins.“
Als Live-Band blieben The Cöln gefragt, in Hiltpoltstein nahmen sie ein erstes Album auf, in Berlin ein zweites. Aber der ersehnte Plattenvertrag blieb aus. „Wenn du immer wieder Anlauf nimmst und scheiterst, ist irgendwann auch die Stimmung schlecht“, beschreibt Wolfgang Mertens die Zeit vor der Auflösung 1981.

Sänger Carsten Seim steckte viel Arbeit in englischsprachige Texte. Pech: Deutsch war der Trend.
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Ein Manager habe gefehlt, meint Drummer Felder, der heute mit Keyboarder Mertens ein Tonstudio in Köln betreibt. Frank Steffan, der die CD herausbrachte, hat den Sound des Quintetts immer noch im Ohr, die Vitalität der Band in guter Erinnerung. „Da hätte mehr draus werden können“, ist der Filmemacher und Verlagsinhaber sicher, der 1981 der erste Chefredakteur der deutschen Rolling-Stone-Ausgabe war. Eine lange Sequenz in einem Dokumentarfilm über den 1. FC Köln unterlegte er mit dem The-Cöln-Song „Leaving Town“. Das knackige Gitarren-Riff passte bestens zum Jahr 1978, als der Verein das Double mit Meisterschaft und Pokal holte.
Den Gitarristen Dirk Schlömer, der später auch bei Ton Steine Scherben mit Rio Reiser spielte, kannte er bereits aus Schulzeiten. „Blöde gelaufen“ sei die Bandkarriere damals, sagt er. Es wäre schade, sagt er, wenn The Cöln in Vergessenheit geraten würde.
Carsten Seim, der später Journalist wurde, lange in Berlin tätig war und heute als selbstständiger PR-Manager in Sieglar arbeitet, macht keinen Hehl daraus, wie sehr er das Scheitern der Band damals bedauerte. Jahrelang habe er nicht über den Split gesprochen.
Durch den Auftritt – unter Corona-Bedingungen und vor handverlesenem Publikum – habe sich für ihn endlich ein Kreis geschlossen, erzählt Carsten Seim. „Genau darauf hatte ich hingearbeitet.“
