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Wald im Rhein-Sieg-Kreis„Wenn wir jetzt nichts zu tun, ist es vielleicht zu spät“

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Talkrunde_Klimatreff

Diskutierten über die Zukunft des Waldes: Stephan Schütte, Carmen Ulmen und Silvana Herz.

Eitorf – Wie kann der Wald Klima-fit gemacht werden? Dieser Frage stellten sich Waldbesitzer, Forstleute und Naturschützer bei einer Talkrunde, zu der der Eitorfer Klimatreff in die Biologische Station eingeladen hatte. Sie machten dabei unterschiedliche Positionen deutlich.

Während die eine Seite klar machte, dass die weitere Entwicklung des Waldes nicht ohne menschliche Steuerung möglich sei, plädierte die andere dafür, den Wald möglichst sich selbst zu überlassen. Moderiert wurde die Runde von Carmen Ulmen vom Klimatreff. Die Fragen an die Teilnehmer stellte mit Silvana Herz eine zehnjährige Schülerin, die den Wald mehr geschützt wissen möchte. Silvana: „Wenn wir uns jetzt nicht darum kümmern, ist es vielleicht zu spät!“Wegen der Corona-Einschränkungen, durch die die Zuschauerzahl stark eingeschränkt war, wurde das Gespräch online im Livestream übertragen.

Für einen Mischwald plädierte der Leiter des Regionalforstamtes Rhein-Sieg-Erft, Stephan Schütte. 20 Prozent der nach Dürre und Borkenkäferschäden jetzt kahlen Flächen sollten neu bepflanzt werden, sagte Schütte. Der Rest neben diesen Trupp-Pflanzungen sollte der Naturverjüngung überlassen werden.

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BUND-Sprecher Achim Baumgartner betonte dagegen, der Wald sei schon jetzt Klima-fit und sei nur durch die zu starke Bewirtschaftung in der augenblicklichen Misere. Absterben würden nämlich nur angepflanzte und alte Bäume. Man müsse außerdem überprüfen, ob man weiter auf Nadelholz setzten sollte. Der Naturschützer: „Damit werden wir nicht glücklich!“

Dem widersprach Schütte und warnte: „Wenn wir nur Laubholz anpflanzen, haben wir zu wenig Holz!“ Christoph Welz von der Forstbetriebsgemeinschaft Eitorf, der 300 Mitglieder mit 700 Hektar Wald vertrat, sprach sich für Neupflanzungen mit einer gesunden Mischung von Esskastanien, Kirschen, Douglasien und Elsbeeren und dazu Naturverjüngung aus.

Der Wald sei ohne menschliche Eingriffe nicht Klima-fit, betonte Maximilian Graf Nesselrode, Eigentümer von 2900 Hektar Wald. Sein Appell: „Wir müssen den Wald sparsam und nachhaltig bewirtschaften!“ Sonst werde man in den nächsten 30 Jahren nicht mehr in der Lage sein, mit dem Holz auszukommen, was im Wald produziert wird. Nesselrode wandte sich aber gegen eine Festlegung von Entnahme-Grenzen für Holz. Das sei ein Eingriff in die persönlichen Grundrechte.

Auch bei Frage nach dem Totholz herrscht keine Einigkeit

Unterschiedliche Antworten gab es auf die Frage der Schülerin, wie viel Tothölzer denn stehen gelassen werden sollten. Während Baumgartner dafür plädierte, pro Hektar 300 solcher ökologisch wertvollen Stämme zuzulassen, sprachen sich die anderen für eine deutlich geringe Zahl aus.

Schütte warnte davor, dass noch mehr CO2 in die Luft gelange, wenn man so viele dürre Bäume stehen lasse. Außerdem seien die Flächen dann 15 bis 20 Jahre nicht mehr begehbar. Zurzeit müsse das Holz auf globalen Märkten verkauft werden, da es sonst verfaulen würde. Diskutiert wurden auch Themen wie die Holzpreise, Bodenverdichtung und Rückewege. In ihrem Resümee gab Ulmen zu bedenken, dass die persönlichen Freiheiten im Umgang mit den Gütern, die auf der Erde begrenzt sind, beschränkt sein müssten. Ihr Appell: „.Wir müssen gemeinschaftlich denken!“