Abo

Hitzewelle lässt Bäche austrocknenSchwarzstörchen im Rhein-Sieg-Kreis geht Nahrung aus

3 min
Der Krabach ist ausgetrocknet, Schwarzstörche finden keine Nahrung mehr.

Der Krabach ist ausgetrocknet, Schwarzstörche finden keine Nahrung mehr.

Der scheue Vogel lebt zurückgezogen in den Wäldern und ist kaum zu sehen.

Die scheuen Schwarzstörche sind nicht so populär wie die bekannten Weißstörche. Die seltene Art lebt zurückgezogen tief in den Wäldern. Ihr dunkles Federkleid schützt sie vor Entdeckung. Als Nahrungsspezialisten sind Schwarzstörche auf klare Bäche mit kleinen Fischen angewiesen. Doch durch die Hitze trocknen immer mehr dieser Gewässer aus. Rund 800 Brutpaare gibt es in Deutschland, etwa zehn Brutpaare wurden noch vor einigen Jahren im Kreis gezählt.

„Wir gehen aber davon aus, dass es inzwischen nur noch fünf sind“, berichtet Alexander Heyd, Bonner Geschäftsführer des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), der auch Teile des Rhein-Sieg-Kreises in seinem Zuständigkeitsgebiet hat. Noch haben Schwarzstörche eine feste Heimat in der Region. Wie ihre Zukunft aussieht, scheint aufgrund des Klimawandels fraglich. 

Weißstörche im Rhein-Sieg-Kreis sind weniger wählerisch bei der Nahrung

Die weiten und bewaldeten Flächen der Nutscheid gehören zum Beispiel zu ihrem Lebensraum in der Region. „Deshalb sollte genau darauf geachtet, wo dort Windräder aufgestellt werden, die das Leben der Schwarzstörche gefährden können“, betont  Heyd, der auch Geschäftsführer des „Komitees gegen den Vogelmord“ ist. Er betont, dass er nicht grundsätzlich etwas gegen Windräder habe, man müsse halt nur genau hinschauen, wo sie stünden. Da gebe es mögliche Standorte in der Nutscheid. 

Das Archivbild zeigt zwei Schwarzstörche, die in einem Gewässer fischen.

Das Archivbild zeigt zwei Schwarzstörche, die in einem Gewässer fischen.

Doch auch an anderen Stellen in Kreis kann man die Schwarzstörche entdecken. „Am Krabach sind sie gerne auf Jagd gegangen“, berichtet Heyd. Doch er habe dort schon lange keine Schwarzstörche mehr gesehen. „Man muss davon ausgehen, dass sie verhungert sind, weil der Krabach und andere Gewässer in der Nähe  ausgetrocknet ist.“ 

Anders bei Weißstörchen: Man sieht sie häufiger auf den Flächen an Rhein und Sieg. Allerdings nutzen sie die Region noch immer zum größten Teil als Durchzugsgebiet. „In den letzten Jahren sind immer mehr hier bei uns gesichtet worden“, berichtet Achim Baumgartner, Sprecher der Kreisgruppe Rhein-Sieg des Bundes für Naturschutz Deutschland (BUND). „Leider ist es nicht gelungen, sie zum Brüten hier zu bewegen.“

Diese Störche machten voriges Jahr am Siegufer Rast.

Diese Störche machten voriges Jahr am Siegufer Rast.

Es sei aber nur noch eine Frage der Zeit ist, bis sich Meister Adebar, so der volkstümliche Name des Vogels, hier niederlässt und brütet. In Duisburg am Rhein gebe es schon Nistplätze, die regelmäßig genutzt würden. Nahrung gebe es genug. Denn im Gegenteil zum Schwarzstorch sind Weißstörche weniger wählerisch: Sie fressen fast alles, was sie auf Wiesen oder im flachen Wasser erbeuten können. Entgegen der öffentlichen Meinung gehören Frösche übrigens nicht zu ihrer Hauptspeise.  Kleinsäuger wie Mäuse oder junge Ratten, Insekten und  Regenwürmer stehen auf ihrem Speiseplan. Und davon gibt es auch in trockenen Zeiten noch genug. 

Wer Schwarz- oder Weißstörche sieht, kann sie auf der Seite des BUND melden. Im Storchenmeldebuch kann so nachvollzogen werden, wo sie sie niederlassen. „Vielleicht brütet sogar schon ein Paar hier, wir wissen es nur noch nicht“, meint Baumgartner.