Trinkstellen können das Leben von Tieren retten. Ein Stein schützt vor dem Ertrinken. Eine Biologin aus Sankt Augustin gibt Tipps.
Eichhörnchen völlig entkräftetHilfe für Tiere bei Hitze – Biologin aus Sankt Augustin gibt Tipps

Trinkschüsseln für Tiere im Garten hat Biologin Birgit Dannefelser vom Büro für Natur- und Umweltschutz der Stadt Sankt Augustin aufgestellt. Ein Stein als Landeplatz für Insekten ist vorhanden.
Copyright: Stefan Villinger
Im naturnahen Garten am Haus von Familie Dannefelser summt es überall. Kein Wunder: Zahlreiche flache Wasserschalen sind dort zu entdecken, die nicht nur Insekten versorgen. „Die Hitze der letzten Tage hat viele natürliche Wasserstellen wir Pfützen oder Gräben austrocknen lassen. Viele Tiere sind nun auf der Suche nach Wasser“, berichtet Birgit Dannefelser.
Die Biologin, die im Büro für Natur- und Umweltschutz der Stadt Augustin arbeitet, hat Tipps zusammengestellt. Jede offene Wasserstelle sollte mit einem Ast, Stein oder Stück Holz als Landeplatz und Rettungsinsel für Insekten ausgestattet werden. Kleine Kieselsteinchen im flachen Wasser erleichtern den Zugang etwa für Eidechsen. „Wasserstellen bieten eine hervorragende Möglichkeit zum Beobachten, wenn Gartenvögel wie Buchfink, Amsel oder Kohlmeise kurz zum Trinken einfliegen oder Stare und Haussperlinge sich in Gruppen zum ausgiebigen Planschen einfinden. Das ist mindestens so interessant wie ein rege besuchtes Futterhaus im Winter“, schildert Dannefelser.
Flache Gefäße wie Suppenteller oder Keramikuntersetzer sind Alternativen
Flache Gefäße wie Suppenteller oder Keramikuntersetzer mit Tiefen zwischen zweieinhalb und zehn Zentimetern sind dabei gute und günstige Alternativen zu gekauften Tränken. Denn nicht immer müssen es teure Designergefäße sein. Bei der Nachbarschaftshilfe auf der Bonner Straße seien zum Beispiel zahlreiche Gefäße zu finden, die diese Aufgabe erfüllten.
Damit eine Wasserstelle nicht zur Keimschleuder wird, muss das Wasser vor allem bei Hitze täglich gewechselt und die Tränke gereinigt werden. denn sonst können sich für Vögel tödliche Krankheitserreger schnell vermehren. Eine warme Wasserbrühe zieht außerdem Stechmücken an, die ihre Eier darin ablegen. Für die Reinigung von Tränken reichen eine Bürste und kochendes Wasser aus. Auf chemische Reinigungsmittel sollte verzichtet werden. Alternativ können zwei Wasserschalen abwechselnd benutzt und zwischendurch in der Sonne getrocknet werden. Das tötet Keime ab.
Vögel müssen sich an der Wassertränke sicher fühlen
Der richtige Platz für eine Tränke ist dort, wo sie für Vögel wie Amsel, Rotkehlchen oder Haussperling gut einsehbar ist. Damit sie bei Gefahr schnell „abzwitschern“ können, sollten Büsche und Bäume in der Nähe sein. „Vögel nehmen eine Tränke nur an, wenn sie sich dort sicher fühlen. Beim Baden sind sie sehr abgelenkt und können leicht zur Beute für anschleichende Katzen werden“, weiß Dannefelser. Da Vögel die Wasserstellen auch zum Baden nutzen, empfiehlt es sich, einen Stein in die Mitte der Schale zu legen, um den Vögeln den Ausstieg zu erleichtern.
Auch Insekten sollten nicht vergessen werden: Sie versorgen sich oft über Blütennektar mit Flüssigkeit. Bei Trockenheit enthalten Pflanzen jedoch weniger Wasser, daher müssen Insekten es zusätzlich aufnehmen. Bienen nutzen Wasser nicht nur zum Trinken, sondern auch zum Nestbau und zur Abkühlung durch Verdunstungskälte. „Insekten ertrinken leider oft bei dem Versuch, Flüssigkeit an Wasserstellen aufzunehmen“, erklärt Dannefelser. Eine Keramikschale, die als Insektentränke mit Naturmaterialien wie Steinen, Zweigen und Moos bestückt ist, bietet ausreichend Lande- und Ausstiegshilfen. Die Schale sollte nur so weit gefüllt werden, dass die Steine bis zur Hälfte im Wasser stehen. Auch hier gilt: das Wasser regelmäßig wechseln und die Schale reinigen.

In der Auffangstation von Siegeritta Gebauer in Sankt Augustin werden kranke Igel aufgepäppelt.
Copyright: Stefan Villinger
Siegeritta Gebauer vom Verein „Kleine Wilde in Not“, berichtet, sie versorge zurzeit zahlreiche dehydrierte Igel in ihrer Pflegestelle. Auch ein Eichhörnchen, das entkräftet vom Baum gefallen sei, gehört zu den Opfern der Hitzeperiode. Die Vereinsmitglieder haben Wasserschalen in Parks und auf Friedhöfen aufgestellt. „Leider werden die immer wieder zerstört oder einfach ausgekippt“, beklagt sich die Tierfreundin. Für sie sei ein solches Verhalten völlig unverständlich.
Für weitere Fragen ist das Umweltbüro der Stadt Sankt Augustin ansprechbar, 02241/243-426, oder der Verein „Kleine Wilde in Not“, 02645/9776112.
