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Rasen nur in Handarbeit zu rettenWildschweinrotte verwüstet Trainingsplatz des TuS Herchen in Windeck

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Die Vereinsmitglieder heben die Grasbüschel heraus, damit sie neu anwachsen können.

Die Vereinsmitglieder heben die Grasbüschel heraus, damit sie neu anwachsen können.

Der Trainingsplatz wurde erst vor wenigen Wochen für rund 5000 Euro saniert. Fußballspielen ist in den kommenden Wochen nicht möglich.

Aus der Vogelperspektive ist das Ausmaß am besten zu erkennen: Die grüne Wiese weist zahlreiche braune Flecken auf, als hätte ein Landwirt den Pflug angesetzt. Doch eigentlich sollen hier nur Fußballerinnen und Fußballer mit harten Grätschen den Rasen malträtieren. Das geht bis auf Weiteres nicht mehr: Eine Wildschweinrotte hat den Trainingsplatz des TuS Herchen umgegraben, auf der Suche nach Nahrung. Die Vereinsmitglieder müssen als Sofortmaßnahme nicht nur die Grasnarbe retten, sondern auch einen Zaun aufstellen.

Es war am Samstagabend, als ein Mitglied der Grün-Weißen die Misere im Vorbeifahren entdeckt hatte. Die Nachricht machte die Runde, direkt stand das Schwarzwild im Verdacht. „Daraufhin haben wir eine Wildkamera aufgestellt, die die Verursacher aufgenommen hat“, sagt Vorstandsmitglied Marc Ludwigs. Er zeigt einen Screenshot auf seinem Handy, aufgenommen in der Nacht auf Montag um kurz vor 1 Uhr: Zwei Wildschweine und mehrere Frischlinge sind darauf zu sehen. „Der Jagdpächter sagte, die suchen nach Engerlingen, das sind Käferlarven voller Proteine. Und wenn die Wildschweine einmal da waren, kommen sie auch wieder“, klagt Ludwigs.

Jetzt müssen wir einen Elektrozaun ziehen und den auch mit Eisenpfählen den Boden eingraben-
Marc Ludwigs, Vorstandsmitglied beim TuS Herchen

Der Platz am Siegufer war zuvor frei zugänglich, für Mensch und Tier. Nebenan befinden sich Tennisplätze und Gebüsch, lediglich einen Ballfangzaun gibt es. „So einen Vorfall hatten wir in 20 Jahren noch nie. Jetzt müssen wir einen Elektrozaun ziehen und den auch mit Eisenpfählen den Boden eingraben, denn sonst würden sich die Wildschweine darunter durchbuddeln.“ Schießen könne man sie dem Jagdpächter zufolge nicht, weil der Sportplatz an ein Wohngebiet grenzt.

Von oben ist das Ausmaß gut zu erkennen - der Rasen ist kaputt.

Von oben ist das Ausmaß gut zu erkennen - der Rasen ist kaputt.

Der TuS Herchen trägt seine Heimspiele auf dem Rasenplatz Im Bungert aus, die momentan elf Jugend- und Seniorenmannschaften trainieren aber eine Flussbiegung entfernt In der Au. „Das würde der Hauptplatz sonst gar nicht verkraften, bei Regen wäre er total matschig“, sagt Ludwigs. Der Trainingsplatz sei erst vor wenigen Wochen gelüftet, gesandet, gesät und gedüngt worden – für etwa 5000 Euro. „Der Rasen war gerade erst gewachsen, am Freitag wollte ich das erste Mal mähen“, sagt Ludwigs. Mit der Gemeinde kläre der Verein, ob eine Versicherung für den Schaden aufkomme. „Das ist ein schwieriges Thema für einen Verein, aber auch eine klamme Kommune.“

Doch alles Geld nutze derzeit nichts, wenn man den Rasen retten wolle. „Die einzige Chance ist, die Grasbüschel herauszuheben und Erde zu verteilen, damit die Grasnarbe wieder anwachsen kann. Das geht nur von Hand, nicht mit schwerem Gerät.“ Das alles musste sofort geschehen, bevor die Wildschweine wiederkamen. Der Vorstand veröffentlichte einen Hilferuf in sozialen Medien, und die Hilfe kam herbei.

Mehr als 60 Vereinsmitglieder, darunter viele Kinder, trafen sich am Mittwochnachmittag auf dem Platz, um den Rasen zu flicken. Sie brachten ihre Schaufeln, Gießkannen und Schubkarren mit, mähten das Gras rund um die Anlage, um dort den Zaun einzulassen. „Zwar ist die Saison fast zu Ende, aber die nächsten Wochen wird der Platz nicht nutzbar sein. Wir hoffen, dass wir zum Beginn der neuen Spielzeit Ende August wieder drauf können“, sagt Ludwigs. Wenn denn das Gras wieder anwächst – und die Wildschweine ihr Futter woanders suchen. Ludwigs freute sich über den großen Andrang: „Das zeigt, dass in dem Verein ein unglaublicher Zusammenhalt herrscht. Das macht Mut und zeigt, dass es sich lohnt, sich sozial zu engagieren.“ Er hofft auf gute Gespräche mit der Gemeinde, um eine langfristige Lösung für die Umzäunung des Platzes zu finden.