Rumpelige Wahl im JugendhilfeausschussChristoph Laudan zum neuen Vorsitzenden gewählt

Rathaus in Hennef
Copyright: Ralf Rohrmoser von Glasow
Hennef – Mit einer beeindruckenden Geste hat sich Christa Große Winkelsett (CDU) als Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses verabschiedet. In der jüngsten Sitzung in der Mehrzweckhalle Meiersheide bedankte sie sich nicht nur bei der Jugendamtsleiterin Miriam Overath. Ausdrücklich würdigte sie auch ihre langjährige politische Widersacherin, die SPD-Sozialexpertin Edelgard Deisenroth-Specht.
Diese war an der Gründung des Jugendamtes beteiligt, war die erste Vorsitzende des ersten Jugendhilfeausschusses und zehn Jahre lang stellvertretende Vorsitzende. Erst im vergangenen Jahr war sie ausgeschieden. Auch wenn sie nicht immer einer Meinung gewesen seien, sagte Große Winkelsett, habe Deisenroth-Specht doch immer im Interesse der Sache gearbeitet. Genau dieses Lob spendete Overath der scheidenden Vorsitzenden, bevor die Neuwahl durchgeführt wurde.
Überraschender Vorschlag
Die geriet allerdings zu einem rumpeligen Start für den CDU-Kandidaten Christoph Laudan. Der 31-Jährige war von seiner Fraktion vorgeschlagen worden. Als Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins „Hennef hilft“ ist er mit der Jugendhilfe vertraut. In seiner Vorstellung berichtete er von seinen Kontakten zu Jugendpark, Streetworkern und Interkult. Sprecherin Angelina Keuter (CDU) betonte, dass die Personalie mit den anderen Fraktionen abgesprochen sei.
Die SPD schlug Björn Golombek als Stellvertreter vor, der allerdings selbst nicht an der Sitzung teilnehmen konnte. Überraschend stellte Jennifer Sass von Bündnis 90/Die Grünen den Antrag, den SPD-Mann zum Vorsitzenden zu wählen. Das führte zu einiger Verwirrung, Große Winkelsett unterbrach als eine ihrer letzten Amtshandlungen die Sitzung. Denn unklar war, ob ein Kandidat in Abwesenheit gewählt werden kann.
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Handys wurden gezückt, der Beigeordnete Martin Herkt nahm Kontakt zum Justiziar der Stadt, dem Ersten Beigeordneten Michael Walter, auf. Nach etwa 20 Minuten gab es eine Gesprächsrunde mit den Fraktionsspitzen. Herkt erklärte schließlich, dass Golombek nicht wählbar sei, weil sich die scheidende Ausschussvorsitzende persönlich versichern müsse, ob ihr Nachfolger den Posten annehme. Und das gehe nur, wenn die Person anwesend sei.
Die Bündnisgrüne Sass zog daraufhin ihren Vorschlag zurück, die Stellvertreterwahl wurde auf die kommende Sitzung verschoben, und Laudan erhielt schließlich zwölf Ja-Stimmen und eine Enthaltung, auch Sass votierte für ihn.
So ordnet unser Autor die Vorgänge im Jugendausschus ein:
Die jüngste und erste Runde der Ausschusssitzungen in Hennef zeigt, dass es eine recht interessante Legislaturperiode werden könnte – mal lustig, mal ärgerlich, mal spannend. Die Bündnisgrünen, die sich nicht ganz zu Unrecht als Bürgermeistermacher verstehen, treten robust und mit großem Selbstbewusstsein an. Die CDU kritisiert schon mal gern die Verwaltung, was sie unter dem CDU-Verwaltungschef Klaus Pipke eher selten gewagt hat. Dem steht die FDP in nichts nach. Die junge SPD-Riege hält nicht hinter dem Berg, na klar, sie stellt den Bürgermeister. Die Linke ist keine Fraktion mehr, weil einer aus ihren Reihen ausgestiegen ist. Und die Unabhängigen, ja, die gibt es immer noch.
Jüngstes Beispiel für unterhaltsame Veranstaltungen ist die Sitzung des Jugendhilfeausschusses mit der Wahl des Vorsitzenden. Das sollte eigentlich nur ein formaler Akt sein. Doch der Vorschlag eines Gegenkandidaten trotz vorgeblicher Absprachen stürzte das Gremium in Verwirrung. Unterbrechung, hektische Telefonate, interfraktionelle Besprechungen – das ganze Programm. So wie es aussieht, ist da noch mehr drin. Es wird mal lustig, mal ärgerlich, mal spannend.



