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FrauenbilderGaleristin setzt männlichem Blick moderne Werke entgegen

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Die Galeristin Susanne Neuerburg vor Bildern der zeitgenössischen Malerin Marie-Luise Lebschik und einem Druck des Symbolisten Max Klinger.

Hennef – „Hylas und die Nymphen“ von John Waterhouse zeigt, wie ein junger Mann von sieben nackten Nymphen in den Teich und damit in den Tod gelockt wird. Das Bild von 1896 entfesselte im vergangenen Jahr einen Skandal – genauer gesagt: die Abwesenheit dieses symbolistischen Tableaus. Wurde es doch für kurze Zeit aus der Präsentation der Manchester Art Gallery entfernt. Konservative Kritiker witterten schon Zensur, dabei wollten die Kuratorin und die Künstlerin Sonia Boyce mit dieser Aktion zum Nachdenken über die Darstellung der Frau in der Kunstgeschichte anstiften. Die ist seit Jahrhunderten vom männlichen Blick geprägt. „Entweder wird die Frau passiv-dekorativ oder als erotisch aufgeladene Femme fatale präsentiert“, mokiert sich auch Susanne Neuerburg.

Diskussionen anregen

Die Galeristin ergreift nun selbst die Gelegenheit, eine Diskussion anzuregen. Dabei kann sie aus der reichen Kunstsammlung der eigenen Familie schöpfen: Unter dem Motto „Cherchez la femme I “ (eine Fortsetzung ist bereits geplant) stellt Neuerburg ausgewählte Grafiken aus der Zeit des Symbolismus aktuellen Kunstwerken gegenüber, die ein selbstbewussteres Bild der Weiblichkeit zeigen. Allen voran die Malerin Nina Hoffmann. Das Supermodel Kate Moss hat sie in Enkaustiktechnik ins Großformat gebannt; eine Darstellung, die Grandezza und Verletzlichkeit zugleich ausstrahlt, denn die Leinwand wird durchschnitten von einem Riss, der sich klaffend über das Gesicht des Stars zieht, angefüllt mit blauem Pigment.

Nina Hoffmann schuf das Tafelbild „Kate“ mit dem Gesicht des Models Kate Moss.

Die Porträtierte scheint die Geschlechtsgenossinnen gegenüber in den Blick zu nehmen. Etwa jene Ikone schwüler Sinnlichkeit, für die Franz von Stuck berühmt geworden ist. Umwunden von einer massigen Riesenschlange, wird der weibliche Körper zum Sinnbild der Verführung dämonisch aufgeladen.

In Konfrontation mit zeitgenössischer Kunst

Immerhin, Max Klinger stellt dann seinen muskulösen Sirenen auf Augenhöhe die Gefährten Odysseus’ gegenüber, die ähnlich athletisch wirken. In der „Schaumgeborenen Venus“ ist die Karikatur aber fast schon angelegt: Beäugt wird die Schöne nämlich von einer leicht verhuscht wirkenden Männerriege.

In Konfrontation mit der zeitgenössischen Kunst tritt das Angestaubte dieses Frauenbildes um so stärker hervor. Umgekehrt bezieht aber ein Maler des 21. Jahrhunderts wie Max C. Precht seine Anregungen von klassischen Vorbildern. Ebenso Marie-Luise Lebschik, die ihre Mädchenbilder in diffusen Innenräumen ansiedelt. Posen aus alten Gemälden greift wiederum Heather Sheehan in ihren Performances auf. Als Putzfrau legte sie sich in eine Museumsvitrine und rückte ihre Figur damit in die Nähe zur Grablegung von Heiligenfiguren. Von den drallen Nixen eines Hans Thoma ließ sich eine zeitgenössische Keramikerin wie Marion Benoit anregen.

Zauberhafte Maske

Ganz für sich steht eine Maske von Renée Sintenis, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch ihre Tierfiguren berühmt wurde. Das zauberhafte Einzelstück lässt nicht nur die Schönheit der Bildhauerin ahnen, sie dokumentiert auch wiederholte Abformung des eigenen Gesichts als Akt der Selbstvergewisserung.

Dass die Galeristin eine Kopie des englischen Nymphenbildes besitzt, bildet das ironische i-Tüpfelchen auf dieser unterhaltsamen Ausstellung. „Ich habe es mir vor etwa 25 Jahren auf einem Flohmarkt gekauft“, verrät Susanne Neuerburg. Während der Ausstellung hängt das Bild nun über der Spüle in der Küche – nah am Wasser, was gut passt.

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Die Ausstellung „Cherchez la femme I“ ist in der Galerie Neuerburg, Frankfurter Straße 91, bis 26. Januar zu sehen. Öffnungszeiten: Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 15 bis 18.30 Uhr. Am Donnerstag, 19. Dezember, spricht Dr. Dagmar Elsässer in der Galerie über die „Faszination Mona Lisa“.