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Recyclinganlage in HennefWo aus Dachziegeln und Grabsteinen Schotter für Straßenbeläge gemacht wird

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In der Aufbereitungsanlage werden pro Jahr 200.000 Tonnen RCL produziert.

In der Aufbereitungsanlage im Grenzgebiet zwischen Hennef und Sankt Augustin werden pro Jahr 200.000 Tonnen RCL produziert.

Dr. Fink-Stauf Umwelttechnik recycelt mineralische Baustoffe, wir haben uns das genauer angeschaut.  

Schon vor Jahrzehnten ist die moderne Konsumgesellschaft auf die Idee gekommen, ihre Abfälle wiederzuverwerten. Das gilt nicht nur für Plastikmüll und Papier, sondern auch für Gestein. Die Firma Dr. Fink-Stauf Umwelttechnik recycelt auf ihrem Werkgelände im Grenzgebiet zwischen Hennef und Sankt Augustin verschiedene mineralische Bau- und Abbruchabfälle. Daraus wird neuer Schotter, der – viel günstiger – im Straßenbau oder bei privaten Gartenarbeiten eingesetzt werden kann.

Wer zu Hause sein Badezimmer renoviere, bringe den Schutt oft zur benachbarten RSAG-Deponie, sagt Jan Einheuser, Geschäftsführer bei Dr. Fink-Stauf. „Dabei wäre es günstiger, ihn direkt bei uns abzuladen, denn die RSAG bringt ihn je nach Anlieferqualität auch auf unser Gelände.“ Unter den Abfall fielen Dachziegel, Waschbecken, Fliesen, Pflastersteine und Mauerwerk, die aus nichts anderem bestünden als gepresstem Stein.

Bei Dr. Fink-Stauf stapeln sich alte Betonelemente, Abwasserröhren und Waschbecken

Auch Gestein mit Erdaushub anzuliefern, sei kein Problem – was auch der Blick auf den Schuttberg auf dem Gelände zeigt: Analog zu einem Schrotthändler, wo Metallgegenstände lagern, türmen sich bei Dr. Fink-Stauf alte Betonelemente, Abwasserröhren, Grabsteine und Fragmente aufgerissener Asphaltdecken. „Wir brechen das zu fertigem Schotter für das nächste Projekt – in der Größenordnung als einzige Firma im rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis.“

Das Recycling von Abbruchabfällen sei notwendig, weil es immer weniger Primärbaustoffe gebe. „Das ist Gestein, das direkt aus dem Steinbruch kommt. Die kann man heutzutage aus Naturschutzgründen aber kaum noch erweitern. Wir brauchen aber immer mehr davon, um kaputte Straßen zu reparieren.“ Zugleich mache das Volumen mineralischer Baustoffe den größten Anteil des Müll aus, der in Deutschland weggeworfen werde.

Wir nehmen den reinen Bauschutt an, sortieren und sieben ihn. Auf der Deponie landet nur das, was nicht recycelbar ist.
Jan Einheuser, Geschäftsführer bei Dr. Fink-Stauf

„Man kann das aber nicht alles auf Deponien bringen, die wären nach drei, vier Jahren voll. Wir nehmen den reinen Bauschutt an, sortieren und sieben ihn. Auf der Deponie landet nur das, was nicht recycelbar ist. Dadurch werden Primärbaustoffe geschont und Deponieraum gespart“, erklärt Einheuser. Auch die Politik habe das Problem erkannt und reagiert: „Es gibt seit August 2023 die Ersatzbaustoffverordnung. Die regelt, was Ersatzbaustoffe sind, was drin sein darf und wo sie eingesetzt werden dürfen. Vorher musste man sich die Erlaubnis bei der zuständigen Behörde einholen, wenn man recycelten Schotter verwenden wollte – das Gesetz spart Zeit und Bürokratie.“

Pro Jahr produziere Dr. Fink-Stauf auf dem Gelände 200.000 Tonnen Recyclingbaustoffe in verschiedenen Größen, oder wie man hier sagt: Körnungen. „Die Schotter-Stücke sind dann 5, 45 oder 150 Millimeter groß. Sie entsprechen derselben Qualität wie Primärbaustoffe und haben dieselben bautechnischen Eigenschaften, sie sehen nur etwas anders aus.“ Der Recyclingbaustoff, kurz RCL, könne etwa beim Straßen- und Wegebau eingesetzt werden. „Beton besteht aus Gesteinskörnung, Wasser und Zement als Bindemittel, wir brechen ihn auf die passende Größe.“

Doch viele Privatleuten habe der Nachhaltigkeitsgedanke noch nicht erreicht. „Sie bevorzugen frischen Split aus dem Steinbruch, um ihre Hauseinfahrt zu gestalten oder ihren Keller zu verfüllen. Denn durch die gemahlenen Ziegel und Fliesenreste sind bunte Stücke drin.“ Das sei wie mit recyceltem Papier oder Joghurtbechern.

„Die sind nur im Urzustand weiß, eigentlich wären sie gräulich. Aber weil Menschen das nicht kaufen, wird es nicht hergestellt“, kritisiert Einhäuser, der sich ein Umdenken bei Heimarbeitern und Hobby-Handwerkern wünscht. „Dazu ist die Tonne RCL zehn Mal billiger, sie kostet nur etwa vier Euro statt 40“, sagt er.

Hinweis: Die Aufbereitungsanlage von Dr. Fink-Stauf Umwelttechnik hat keine Adresse. Man findet sie, wenn man zur RSAG-Deponie Auf dem Sand in Sankt Augustin-Niederpleis fährt. Wenn man der Straße folgt und die Autobahn je einmal überquert und unterquert, erreicht man das Gelände.