Öffentlich zugänglich ist der 1971 erbaute Turm nicht. Die Redaktion hat den Fernmeldeturm besucht. Er war ursprünglich für Ferngespräche gedacht.
Kein AuslaufmodellWarum der 124 Meter hohe Lohmarer Fernmeldeturm immer noch wichtig ist

In 91 Meter Höhe führt diese Tür auf die zweitoberste Plattform nach draußen.
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Er ist das Wahrzeichen Lohmars und in weiten Teilen des Rhein-Sieg-Kreises sichtbar: der Birker Fernmeldeturm. Seit 1971 dient er als Funkübertragungsstelle in der Region – und ist keinesfalls ein Auslaufmodell, denn auch unter der fortschreitenden Digitalisierung wird er weiter gebraucht.
Öffentlich zugänglich ist der 1971 erbaute Turm nicht. Wer hinaufwill, muss sich entweder mit Fernmeldetechnik auskennen oder einen Presseausweis besitzen – eine öffentlich zugängliche Aussichtsplattform hat der Birker Turm, anders als etwa der berühmte Berliner Turm, nicht. „Es gibt in Deutschland etwa 15 Fernmeldetürme, die in Doppelnutzung gebaut wurden, also als Funkstandort und als touristisches Ausflugsziel“, sagt Benedikt Albers, Pressesprecher der Deutsche Funkturm GmbH (DFMG), die den Birker Funkturm heute betreibt.
In Deutschland gibt es rund 300 Türme, von denen viele so aussehen wie der in Lohmar.
Doch so ikonisch er für Menschen aus Birk, Pohlhausen und Schreck sein mag, so profan ist er für die Leute von der DFMG: „Es ist ein Turm von der Stange“, sagt Albers. „In Deutschland gibt es rund 300 Türme, von denen viele so aussehen wie der in Lohmar. Sie hatten den Zweck, ein dichtes Netz zu bilden und Signale hin- und her zu senden. Sie waren eigentlich gar nicht für den Rundfunk gedacht, sondern für Ferngespräche. Ein Kabelnetz gab es damals noch nicht.“
Wer von Lohmar aus seine Verwandten in Hamburg habe anrufen wollen, sei von Turm zu Turm geleitet worden, bis das Signal im Ortsnetz der Hansestadt angekommen sei. „Ferngespräche laufen heute dagegen über das Kabelnetz oder das Internet, deswegen ist Rundfunk inzwischen die wichtigste Nutzungsform der Türme.“ Dabei gelte: Je höher eine Antenne sei, desto größer sei auch die Reichweite.
Birker Turm ist 124 Meter hoch, 29 Meter davon bilden die Antenne
124 Meter ist der Birker Turm hoch, davon bilden 29 Meter die große Antenne an der Spitze. „Insbesondere Rundfunksender möchten mit einer Antenne möglichst viele Leute erreichen. Dieser Richtfunk ist wie ein Glasfaserkabel in der Luft, man kann damit sehr große Datenmengen transportieren. Wenn aber ein Baum oder ein Gebäude dazwischen stehen, bricht die Verbindung ab.“ Was auffällt: Die klassischen Mobilfunkantennen, die anderswo auf frei stehenden Metallmasten angebracht sind, hängen nicht etwa auf den Plattformen des Fernmeldeturms, sondern auf halber Höhe. Warum, Herr Albers?

Die Antenne auf der Spitze ragt 29 Meter in den Himmel.
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„Mobilfunk ist ein geteiltes Medium: Bei einem Radiosignal hören alle Menschen das gleiche. In einer Mobilfunkzelle teilen sich Handynutzer die mögliche Übertragungsgeschwindigkeit. Bin ich allein dieser Zelle, habe ich super Empfang, mit vielen anderen Leuten nicht mehr. Wenn man eine Mobilfunkantenne also sehr hoch hängt, würde man durch den großen Radius sehr viele Menschen erreichen.“ Für den Colonius in Köln-Ehrenfeld bedeutete das: Würde man die Antenne ganz oben anbringen, deckte sie wohl ganz Köln ab – und mehr als eine Million Menschen müssten sich dieselbe Datenmenge teilen.
Weil die Sendequalität also so gut ist, ist der Birker Turm so interessant für Firmen, die aus verschiedenen Gründen Funkverbindungen bereitstellen: Radiosender, Mobilfunkanbieter, Feuerwehr und Rettungsdienst. Unten auf dem Vorplatz steht ein kleines Gebäude mit einer großen Diesel-Turbine, die den Turm bei einem Stromausfall weiter versorgen soll.
Die Flutkatastrophe im Ahrtal hat gezeigt, wie wichtig funktionierende Informationstechnik im Notfall ist.
„Die Flutkatastrophe im Ahrtal hat gezeigt, wie wichtig funktionierende Informationstechnik im Notfall ist“, sagt Albers. Die Bundeswehr unterhalte keinen Funkstandort in Birk – andernfalls dürfe er das auch gar nicht sagen. „Ein Turm ist ein guter Standort für kritische Infrastruktur, denn er ist schwer zugänglich. Viele Firmen haben deswegen ein Glasfaserkabel durch die Erde und können, wenn das beschädigt wird, den Turm als Back-Up nutzen.“

Benedikt Albers ist Sprecher der DFMG.
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Hinter der Zugangstür des Fernmeldeturms befindet sich – man könnte von selbst drauf kommen – ein Aufzug. Er hat nur zwei Stationen: sehr weit oben und ganz weit oben. Steigt man an der ersten aus, befindet man sich auf der Ebene des unteren großen Rings, der von außen sichtbar ist. Mehrere Zimmertüren führen zu Räumen mit einer breiten Fensterfront. Zur Höhenangst kommt immerhin keine Platzangst dazu, denn die Räume sind bis auf einige Relikte, die man auf dem Fernmeldetechnik-Flohmarkt verscherbeln könnte, leer. Fast könnte man hier einziehen, wären da nicht das kontinuierliche Summen und die Tausende toten Fliegen, die in 75 Meter Höhe hinein-, aber nicht mehr hinausgefunden haben.
„Früher war hier alles voll mit Schaltschränken. Bis zu zwölf Mitarbeitende haben hier jeden Tag gearbeitet, um die Technik von Hand zu steuern. Die heutige Technik ist kleiner und digitaler – das kann man mit einem modernen USB-Stick vergleichen, der sehr viel Speicherkapazität hat.“ Eine weitere Aufzugfahrt führt auf die Ebene des oberen großen Rings, sie liegt auf 83,5 Metern. Hier stehen mehrere blinkende, verkabelte Kästen. Und wieder Plunder fürs Museum: In der Ecke liegt ein Telefon mit Wählscheibe, an Metallstreben ragen Kupferdoppeladern heraus – dem Schild zufolge vor 27 Jahren aufgegeben. Die Zeiten, in denen täglich jemand im Turm arbeitete, sind vorbei. „Die Technik ist redundant, jedes Teil also doppelt vorhanden. In der Regel schaut einmal im Monat jemand nach dem Rechten.“
Flugwarnleuchte muss angeschaltet werden, wenn jemand auf der Plattform ist
Albers öffnet eine Tür, die ins Freie führt. Vorher hat er die Flugwarnleuchte an der Antennenspitze aktiviert, die muss an sein, wenn sich jemand auf den Plattformen befindet. Die Aussicht ist großartig: Birk zu Füßen, das Siebengebirge auf Augenhöhe, Bonn in seiner grauen Schönheit, aber ohne Staus. Und hinten der große Bruder des Fernmeldeturms, der Colonius zu Köln, exakt 27,3 Kilometer entfernt.
Der Wind pfeift über die Betonfläche, an deren Rand verschiedene Antennen und Schüssel zum Senden und Empfangen angebracht sind. „Das sind sogenannte Richtfunkspiegel, die unterschiedlich groß sind. Zu jeder Antenne gibt es ein exaktes Gegenstück, das so ausgerichtet ist, dass die Antennen genau aufeinanderzeigen.“ Diese könne auf dem Colonius oder einem anderen Mast angebracht sein. „Der Datenaustausch funktioniert nur, wenn sie eine Sichtverbindung haben. Der Turm schwankt im Wind, wenn das zu stark wird, reißt die Verbindung ab.“ Hohe Gebäude gibt es jedoch auch anderswo. Windräder (Statik), Schornsteine (Zugänglichkeit) und der Kölner Dom (Denkmalschutz) kommen jedoch nicht als Standort in Frage.

An der Wand hängen Relikte aus vergangenen Zeiten: Das alte Telefon mit Wählscheibe funktioniert sogar noch.
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Sodenn, noch höher: Die nächste Plattform liegt auf 91,3 Metern, der Zugang erfolgt über steile Leitern und enge Luken. Der Turm wird schmaler, der Beton über dem Kopf niedriger. Auch hier sind viele Antennen und Schlüsseln angebracht, doch die sind nichts gegen die Antenne an der Turmspitze, zu erreichen über eine Treppe auf 94,4 Meter. Wer die nötige Sicherheitsausrüstung dabei hat, kann auch hier heraufklettern – und hätte wohl die beste Aussicht in ganz Lohmar.
Gebraucht werde der Turm weiterhin, vor allem für den neuen Mobilfunkstandard 6G, erklärt Albers: „6G ist bereits in der Entwicklung. Revolutionär wird da vor allem die Geschwindigkeit sein, nicht nur beim Download von Daten, sondern auch die Reaktionszeit des Netzes.“ Wichtig werde das für selbstfahrende Autos. „Da müssen die Fahrzeuge in Echtzeit miteinander reagieren. Und um ein Internet zu haben, das innerhalb einer Millisekunde reagieren kann, muss man die Rechenkapazität möglichst nah an die Antennen bringen.“
Der Weg aus großen Rechenzentren sei bisher sehr weit. „Damit es schneller geht, könnten hier Serverparks entstehen, denn näher kommt man an die Antennen nicht heran. Das ist die Zukunft der Funktechnologie und könnte auch eine ganz neue Zukunft des Funkturms in Lohmar werden.“ Dann wären die Räume im Inneren des Turms wohl wieder gefüllt – und der 55 Jahre alte Turm gefüllt mit Technik, von der man während seines Baus noch nicht mal etwas ahnte.
