Windräder sollen sich bald in der Nutscheid drehen. Der Landesbetrieb Wald und Holz hat einen Investor gefunden. Die Kommunen sollen profitieren.
ProjektbeginnSpanischer Energieversorger will Riesen-Windräder in Ruppichteroth und Windeck bauen

Auf einer solchen Fläche in der Nutscheid könnte sich bald schon ein Riesen-Windrad drehen. Der Landesbetrieb Wald und Holz hat einen Investor gefunden.
Copyright: Simon Weber Wald und Holz NRW
Dort, wo Stürme, Trockenheit und der Borkenkäfer ihre Spuren hinterlassen haben, sollen sich bald bis zu 260 Meter hohe Windräder drehen. Für die landeseigenen Flächen in der Nutscheid hat der Landesbetrieb Wald und Holz NRW einen Investor gefunden. Die Iberdrola Renovables Deutschland GmbH ist eine Tochter eines der weltgrößten Energieversorger mit Hauptsitz in Spanien.
Iberdrola ist laut eigenen Angaben führend in der Branche der erneuerbaren Energien und beliefert fast 100 Millionen Menschen in Europa und den USA mit Ökostrom, auch in Deutschland. Im rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis werden die Grundstücke in Ruppichteroth und Windeck die ersten Standorte sein. Ein weiteres Areal befindet sich im benachbarten Waldbröl im oberbergischen Kreis. Es handelt sich komplett um bereits ausgewiesene Vorrangflächen.
Die Anlagen werden auf geschädigten Fichtenwaldflächen an Sieg und Bröl errichtet
Mit dem Projektstart werde sich im Wald erst einmal nichts ändern, sagte Sprecherin Malin Schneider-Pluppins auf Anfrage der Redaktion. Zunächst erfolgten zahlreiche Prüfungen, zum Beispiel der „naturfachlichen Bedingungen“. Grundlegend seien die strengen Leitlinien „einer möglichst waldschonenden Bauweise“ sowie der Natur- und Artenschutz. Die Region solle transparent eingebunden werden. Natürlich gehe es auch um die „wirtschaftliche Tragfähigkeit“.
Erst nach der Planung laufe das Genehmigungsverfahren an. Das dauere sicherlich nicht nur Wochen oder Monate, sondern mindestens zwei Jahre. Die Riesen-Windräder auf den geschädigten Fichtenwaldflächen, den sogenannten Kalamitätsflächen, bringen Vorteile: Zum einen wird ihr Betrieb nicht durch die nachwachsenden Bäume gestört, zum anderen weht in höheren Lagen häufig ein kräftigerer Wind.
Kritiker sehen Störungen im Landschaftsbild und Bodenversiegelung
Kritiker sehen indes erhebliche Nachteile: Das Landschaftsbild werde gestört, Boden würden versiegelt. Die Nutscheid ist ein beliebtes Naherholungsparadies vor allem für Wanderer.
Die Befürworter argumentieren mit dem Klimaschutz. Mit einer installierten Leistung von rund 40,8 Megawatt könnten die geplanten Anlagen Strom für etwa 25.000 Haushalte erzeugen, teilte der Landesbetrieb mit. Eine Schätzung, so die Sprecherin. Konkrete Angaben, wie viele Anlagen auf dem Höhenzug installiert werden, könne man noch nicht machen.
In der Vergangenheit galt es abzuwägen, wo der Bau sinnvoll und möglich sein könnte. Etliche Flächen fielen schon flach für den Ausbau erneuerbarer Energien. Bei diesem Projekt geht es lediglich um die landeseigenen Flächen. Für die Wälder im Privatbesitz, wie die des Grafen von Nesselrode unter anderem in Ruppichteroth und Eitorf, sei der Landesbetrieb nicht zuständig. Der Herr von Burg Herrnstein hatte unlängst sein Interesse an der Windenergie öffentlich gemacht.
Die Planung umfasst auch den Rückbau der Windräder in Ruppichteroth und Windeck
Die Windräder werden sich nicht ewig drehen, nach 20 bis 30 Jahren werden sie in der Regel stillgelegt. Die Planung umfasst daher laut dem Landesbetrieb von Beginn an den vollständigen Rückbau der Anlagen nach Ende ihrer Betriebsdauer. Dazu zähle der Abbau der technischen Komponenten sowie die Wiederherstellung der betroffenen Flächen. Entsprechende Regelungen seien Bestandteil der vertraglichen und genehmigungsrechtlichen Grundlagen des Projekts.
Warum fiel die Wahl auf den Projektierer aus Spanien? Wichtig bei der Erteilung des Zuschlags sei das Gesamtkonzept gewesen, „welches allen Anforderungen der wirtschaftlichen Tragfähigkeit und des Natur- und Artenschutzes gerecht wird“.
Nicht nur der Energieversorger profitiere, sondern auch die Kommunen, die finanziell an dem Projekt beteiligt würden, so der Landesbetrieb. Sie könnten mit den gesetzlich geregelten Zahlungen rechnen. Ebenfalls soll „die regionale Wertschöpfung“ gestärkt werden, zum Beispiel durch die Zusammenarbeit mit Firmen vor Ort. Letztendlich haben auch die Bürger etwas davon. Je mehr Einnahmen die Kommune einstreicht, desto niedriger die Steuerlast.
