An weiterführenden Schulen in Lohmar gibt es zu wenige Plätze. Grüne werfen CDU und SPD Ungleichbehandlung von Gymnasium und Gesamtschule vor.
Mangel an SchulplätzenLohmarer Grüne und Schulleitung fordern Container für Gesamtschule

An der Lohmarer Gesamtschule mussten mehrere Schüler abgelehnt werden, am Gymnasium wurde eine Mehrklasse geschaffen.
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An den weiterführenden Schulen in Lohmar gibt es zu wenige Plätze für das kommende Schuljahr. Am bisher vierzügig geführten Gymnasium wurde daher eine zusätzliche Klasse eingerichtet. An der Gesamtschule dagegen mussten mehrere Schülerinnen und Schüler aus Lohmar und von außerhalb abgelehnt werden. An der bereits sechszügig geführten Gesamtschule gebe es keine Kapazitäten für einen weiteren Zug, teilte die Stadtverwaltung mit.
Die Grünen-Fraktion wirft der Kooperation aus CDU und SPD in Lohmar eine Ungleichbehandlung beider Schulen vor. „Die Bildung einer Mehrklasse am Gymnasium war überflüssig und verstößt gegen die Vorgaben des Schulausschusses zur Vierzügigkeit des Gymnasiums“, äußert sich der Grünen-Vorsitzende Horst Becker. Die zusätzliche Klasse am Gymnasium sei nicht nicht für Kinder aus Lohmar, sondern für Kinder aus Siegburg, Troisdorf und Rösrath eingerichtet; insgesamt 20 Kinder von außerhalb besuchten ab September das Gymnasium, so Becker. Gleichzeitig fehlten dem Gynnasium schon vor Einrichtung der Mehrklasse drei Klassenräume und ein Fachraum.
Grüne kritisieren: Für Lohmarer Gymnasium wurde eine Mehrklasse beantragt, für die Gesamtschule nicht
Durch eine Dringlichkeitsentscheidung sei der Schulausschuss bei dieser Entscheidung übergangen worden. Außerdem seien die Angaben, unter denen die Genehmigung für eine Mehrklasse am Gymnasium bei der Bezirksregierung eingeholt worden sei, fragwürdig, argumentiert Becker. „Für uns ist offensichtlich, dass die Bezirksregierung damit getäuscht wurde, dass neun Kinder, deren Eltern das Anno-Gymnasium in Siegburg gewählt hatten und für die das Gymnasium Lohmar nicht die erste Wahl war, ‚vorsichtshalber‘ mitgerechnet wurden.“
Die Grünen kritisieren weiterhin, dass für die Gesamtschule kein Antrag für die Bildung einer Mehrklasse bei der Bezirksregierung gestellt wurde. Im jüngsten Schulausschuss stellte die Fraktion den Antrag, einen zusätzlichen Container für eine siebte Einstiegsklasse auf dem Gelände der Gesamtschule aufzustellen. CDU, SPD und AfD stimmten gegen den Antrag, sodass dieser abgelehnt wurde.
Auch die Gesamtschulleitung wünscht eine siebte Einstiegsklasse
Auch der stellvertretede Schulleiter der Gesamtschule, Sebastian Weigelt, erschien im Schulausschuss. Er habe sich bereits vor der Sitzung an die Verwaltung gewendet mit der Bitte, eine Mehrklasse für die Gesamtschule zu beantragen - was auf Ablehnung gestoßen sei. „Wir sind eine Lohmarer Schule für alle Lohmarer Kinder“, betont Weigelt. Zum ersten Mal habe die Schule nicht allen Lohmarer Kindern einen Platz anbieten können, weswegen die Schule gern eine siebte Eingangsklasse einrichten würde.
Natürlich würde man lieber alle Schülerinnen und Schüler im Gebäude unterbringen, aber das sei leider von der baulichen Situation der Schule her nicht möglich, bedauert Weigelt. „Eine siebte Einstiegsklasse anzubieten, ist uns wichtig – und wenn es dann Container sein sollen, dann nehmen wir auch Container.“ Ob das schnell genug umsetzbar sei, könne er nicht einschätzen. Insgesamt 30 Schülerinnen und Schüler musste die Gesamtschule ablehnen, davon kamen acht aus Lohmar, drei von diesen acht konnten inzwischen nachrücken. Fünf Lohmarer Kinder sind damit derzeit ohne Platz.
Wir sind eine Lohmarer Schule für alle Lohmarer Kinder.
Die Lohmarer CDU und SPD weisen den Vorwurf der Ungleichbehandlung der weiterführenden Schulen in Lohmar zurück. Verständlicherweise sei die Sorge der Eltern groß, wenn Kinder aus Lohmar keinen Schulplatz in der Stadt bekämen; die Schulform spiele hierbei jedoch keine Rolle. „Eltern erwarten völlig zu Recht, dass Lösungen gefunden werden. Was sie nicht erwarten, sind ideologisch aufgeheizte Debatten und leere Versprechungen“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von CDU und SPD.
Die Idee, einen Container an der Gesamtschule aufzustellen, hält die Kooperation aus CDU und SPD für nicht zeitnah umsetzbar: „Niemand möchte sich vorstellen, dass die Kinder zum Schuljahresbeginn keinen angemessenen Schulraum beziehen können.“ Die Ratsmehrheit wolle nichts versprechen, was sie nicht auch halten könne. „Deshalb haben wir nach Rücksprache mit beiden weiterführenden Schulen der Einrichtung einer fünften Eingangsklasse am Gymnasium zugestimmt. Dadurch wurde ein Teilziel erreicht.“
Die Schulentwicklungsplanung solle in Zukunft vorzeitig angepackt werden, um solche Engpässe zu vermeiden; das wurde im Schulausschuss beschlossen. Außerdem strebe man weiterhin an, allen Lohmarer Kindern den gewünschten Schulplatz anzubieten, heißt es in der Mitteilung von CDU und SPD. Einen alternativen Lösungsvorschlag zum Container an der Gesamtschule nennt die Ratskooperation hier jedoch nicht.
In der nächsten Ratssitzung wird über Container-Lösung abgestimmt
Für die nächste Ratssitzung hat die Grünen-Fraktion den Antrag gestellt, am Standort der Gesamtschule an der Herrmann-Löns-Straße unabhängig von dem jetzt durchgeführten Anmeldeverfahren schnellstmöglich mindestens eine Containerklasse zu errichten. Vorzugsweise sei hier der Raum nahe dem „Grünen Klassenzimmer“ in Betracht zu ziehen. Dort standen seit 2008 bereits für einen Zeitraum von mehr als einem Jahr zwei Klassencontainer, die über Wasser und Strom verfügten, womit die Umsetzung realistisch sei.
Nach Untersuchung des Standortes solle die Verwaltung schnellstmöglich mit der Bezirksregierung über die Einrichtung einer siebten Einstiegsklasse an der Lohmarer Gesamtschule verhandeln. Zur Finanzierung des Containers schlägt die Grünen-Fraktion vor, Mittel aus Ermächtigungsübertragungen bereitzustellen, solange kein genehmigter Haushalt vorliegt. Über den Antrag wird am Dienstag, 5. Mai abgestimmt.
